▷ Pixies - Where is my Mind ◁
Die Zeit ohne Noah vergeht wie im Fluge, weil ich sie mehr oder weniger schockiert und in Angststarre verbringe. Noch immer kann ich nicht fassen, dass er tatsächlich entlassen wurde. Gut, auch Glatzkopf wurde entlassen und sogar von der Polizei mitgenommen, aber, dass Noah entlassen wurde, weil er mich verteidigt hat - das finde ich nach wie vor unfair. Und irgendwie muss ich immer daran denken, was Glatzkopf zu Noah gesagt hat. Dieser Satz begleitet mich die ganzen restlichen Wochen meiner Therapie.
So wie du zuschlägst könnte man meinen, du liebst sie.
Aber würde er mich lieben, würde er sich melden. Und das tut er nicht. Meine Anrufe bleiben unbeantwortet, meine Nachrichten haben nur ein Häkchen. Als hätte er mich blockiert. Vielleicht hat er das auch. Immerhin bin ich der Grund dafür, dass er entlassen wurde. Ich bin schuld, dass er seine Therapie nicht beenden konnte. Ich bin, wie immer, an allem schuld.
Inzwischen sind die drei Monate vorbei. Es ist Samstag, der letzte Samstag für mich in der Klinik. Leonie hat sich für heute angemeldet und ich freue mich so sehr, dass sie gerade bei mir ist. So gern ich Betty habe, aber Leonie und mich verbindet ein besonderes Band. Doch auch mit Betty möchte ich nach der Therapie noch Kontakt haben und ich hoffe, das beruht auf Gegenseitigkeit. Leonie und ich stehen vor dem Speisesaal und rauchen. Es wirkt so surreal, dass ich hier bald nicht mehr stehen werde. Hier stand ich immer mit Noah. Alles an dieser Klinik erinnert mich an ihn. Vor allem aber das Bild das er gemalt und mir geschenkt hat. Ich habe es von der Pinnwand genommen und in meinem Koffer verstaut. Allein es jeden Tag zu sehen hat mir wehgetan, weil er sich nicht mehr meldet.
Leonie und ich schlendern langsam über das Gelände. Sie erzählt mir von Nico, mit dem sie inzwischen zusammen ist. Ich kann es kaum erwarten, ihn kennenzulernen und ihn auf Herz und Nieren zu prüfen. Immerhin muss er gut genug für sie sein.
"Wie geht es Noah?", erkundigt sie sich.
Ich schweige und zucke mit den Schultern.
"Lia?", fragt sie nach und bleibt stehen.
Seufzend werfe ich meine Arme in die Luft. "Ich weiß es nicht. Er hat sich seit seiner Entlassung nicht mehr gemeldet. Wir haben uns geküsst und-"
Sie kreischt. "Ihr habt was?!" Sie springt auf und ab, wie ein Flummi.
Ich muss grinsen. "Wir haben uns geküsst, Leonie. Aber das hat scheinbar doch nichts bedeutet. Warum sollte es auch? Bin ja nur ich."
Ihr Gesichtsausdruck wechselt von Freude zu Wut. "Hör auf, so einen Bullshit zu sagen. Du bist mehr wert als du jetzt gerade behauptest - und das weißt du. Und es hat mit Sicherheit auch mehr bedeutet - für euch beide."
Kopfschüttelnd lehne ich mich gegen die Tanne. "Für mich, ja. Für ihn scheinbar nicht. Sonst würde er sich ja melden. Es war nur ein Kuss, mehr nicht."
"Du checkst es nicht oder?" Leonie sieht mich an. Kurz tanzt Wut über ihr Gesicht, doch das Gefühl ist innerhalb von Sekunden wieder verschwunden.
"Was?", möchte ich wissen, doch sie schüttelt nur den Kopf und geht weiter.
Das Thema scheint für sie abgehakt, denn wir sprechen nun über den anstehenden Umzug. Sie muss gleich los, deswegen gehen wir langsam zur Vorderseite der Klinik. Leonie hat mir untersagt, sie zur Haltestelle zu bringen, weswegen wir uns hier verabschieden.
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NOAH | ✓
Ficción General»Manche Menschen sind ein Geschenk, andere eine Strafe.« »Dann bist du eindeutig das ätzende Fegefeuer, Kugelfisch.« »Und du Pest und Cholera, Noah!« »Halt die Schnauze!« Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch gibt es für Lias Eltern nu...
