▷ Twenty One Pilots - Semi-Automatic◁
"Morgen sollten wir endlich fertig werden. Strengt euch doch ein bisschen an, meine Lieben." Torben steht vor uns und erklärt uns das weitere Vorgehen bei unserer Renovierung des Gruppenraumes und hält dabei den Schraubenzieher in der Hand, als wäre es eine Waffe. Wichtigtuerisch wedelt er damit vor all unserer Augen herum und bettelt so nach unserer Aufmerksamkeit. Seine blonden Haare stehen ihm von der Seite ab, weil er sich ständig immer wieder durchfährt. Aaron steht neben ihm und verteilt Arbeitshandschuhe in gleichen Größen. Meine Hände sind allerdings einfach viel zu klein für diese riesigen gelben Handschuhe. Ich schlage Aaron die zu großen Handschuhe schnell auf die Schulter und sehe dann konzentriert auf das Bild an der Wand, welches wir die letzten Tage angebracht haben. Es zeigt den Uranus, das Symbol unserer Gruppe. Der hellblaue Uranus und seine Ringe wurden perfekt getroffen. Es ist eine Fotographie, die wir in einem Onlineshop gekauft haben. Wir haben für die Renovierung ein bestimmtes Budget und davon haben wir auch das Bild davon gezahlt. Genauso wie das neue Bücherregal und einen Tisch für die Mitte des Raumes. Für die Stühle haben wir neue Sitzkissen gekauft. Aaron rempelt mich leicht mit der Schulter an zieht sich die Handschuhe über.
"Wofür war denn das gerade?", möchte er wissen und sieht mich abwartend von der Seite an. Mir ist es ungangehm, wenn mich jemand von der Seite ansieht, denn so ist mein Doppelkinn nicht zu übersehen. Ich lasse meine Haare nach vorne fallen und zupfe an meinem bordeauxvioletten Pulli herum. Heute ist es kalt. Es regnet seit gestern in Strömen und durch den Wind hat es richtig abgefrischt. So sehr, dass ich meinen Schlabberpulli auch zum Millieu angezogen habe. Normalerweise ziehe ich ihn gern im Herbst an, wenn es draußen wieder kälter und nässer ist. Ich seufze. Ich vermisse den Herbst.
"Was? Ich weiß nicht, was du meinst." Ich bin gerade sehr kindisch und irgendwie bringt mich das zum Schmunzeln.
"Warum bist du denn heute so gut gelaunt?" Aaron stellt sich zwischen mich und die Wand, zieht die Augenbrauen in die Höhe und verschränkt die Arme. Die Handschuhe passen perfekt zu seinen Händen - kein Wunder, ich habe ja auch Kinderhände. Schon immer hat jeder zu mir gesagt, dass meine Hände besonders klein sind. Und das sind sie auch. Ich habe schon versucht, sie zu strecken, indem ich an jedem einzelnen Finger gezogen habe, aber das hat - offensichtlich - nicht funktioniert. Schade aber auch.
"Ach, ich habe heute ein Nutellabrötchen gegessen. Deswegen geht es mir ganz gut." Ich grinse. Vielleicht liegt es aber auch an einem ganz bestimmten Schokoriegel auf meinem Tagebuch - den ich übrigens noch nicht gegessen habe. Er liegt oben in meinem Nachtkästchen. Für Notfälle.
Anett und ich bauen das neu gekaufte Bücherregal auf und versuchen, aus der polnischen Anleitung schlau zu werden. Wir haben noch einige - eigentlich sehr viele - Bretter und Schrauben übrig, für die es schwer ist, ein Zuhause zu finden. Die braunhaarige Frau und ich beugen uns beide über den Plan, können allerdings beide keinerlei Worte Polnisch. Ich sehe hinter uns und frage mich, wer von den Anwesenden in der Lage wäre, Polnisch zu sprechen. Aber das Wissen kann man ja leider sehr schwer in den Gesichtern ablesen.
"Und die gab es wirklich nicht mehr in Deutsch?" Anett hält die verwirrende Anleitung in die Luft und stemmt ihre freie Hand in die Hüfte. Torben zuckt nur mit den Schultern und sieht sie von oben herab an.
"Man kann sich ja vieles ableiten", entgegnet er und dreht sich wieder um. Ich seufze und lege den Kopf in den Nacken. Was für eine große Hilfe. Wirklich.
Anett sieht mich empört an, ihre braunen Augen funkeln wütend und sie schüttelt den Kopf. "Das darf doch nicht wahr sein", seufzt sie. "So ein Blödmann. Hast du dein Handy mit? Dann können wir die einzelnen Wörter übersetzen und versuchen, so das Regal aufzubauen."
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NOAH | ✓
Fiksi Umum»Manche Menschen sind ein Geschenk, andere eine Strafe.« »Dann bist du eindeutig das ätzende Fegefeuer, Kugelfisch.« »Und du Pest und Cholera, Noah!« »Halt die Schnauze!« Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch gibt es für Lias Eltern nu...
