Als Remus seine Augen wieder öffnete, lag er nicht mehr in der heulenden Hütte. Stattdessen, lag er in einem warmen und weichen Bett. Er war im Krankenflügel.
Als Madam Pomfrey sah, dass er wach war, kam sie gleich zu ihm.
„Wie geht es dir Liebling?" fragte sie mit einer ruhigen Stimme.
„Gut." Seine Stimme war schwach und leise.
Sie lächelte ihn an, während sie einen Trank in ein Glas schüttete und es ihm auf den Nachttisch stellte.
„Trink aus. Es wird dir dann besser gehen." Erklärte Madam Pomfrey, Remus, bevor sie wieder in ihr Büro ging.
Remus wollte nach dem Glas greifen, aber verspürte einen heftigen Schmerz, als er sich bewegte. Reflexartig griff er sich an seine Seite und strich mit der anderen Hand die Decke von seinem Körper.
Ein großer Verband war um seinen Oberkörper gebunden. Remus starrte ihn an, in der Hoffnung wenn er lange genug hinsah, würde er verschwinden, dies geschah aber nicht.
Er atmete einmal tief ein und drehte sich zum Nachttisch. Er biss sich auf die Lippe um kein Geräusch von sich zu geben, während ein starker Schmerz seinen Körper durchfloss.
Er erreichte das Glas und trank es in einem Zug leer. Seine Atmung war schnell, aber der Schmerz ließ langsam nach. Remus' Atmung wurde leichter.
Madam Pomfrey kam wieder aus ihrem Büro hinaus und setzte sich zu dem elfjährigen Jungen aufs Bett. Mit ihrer rechten Hand griff sie auf Remus' Stirn.
„Ich kann dich heute zwar wieder entlassen, aber ich möchte, dass du in deinem Schlafsaal bleibst und dich ausruhst. Hast du mich verstanden?"
Remus nickte und durfte nach kurzer Zeit den Krankenflügel verlassen. Er ging langsam zu seinem Gemeinschaftsraum. Er konnte nicht schneller gehen, weil er sonst starke Schmerzen verspürte.
Als er im Gemeinschaftsraum ankam, war dieser menschenleer. Alle besuchten den Unterricht. Remus ging langsam in den Schlafsaal und war nicht verwundert, als keiner seiner Freunde da war. Zu seinem Glück, dachte er. Was würden sie sonst nur von ihm denken, wenn sie ihn in solch einer Verfassung sehen würden.
Remus ging zu seinem Bett und zog den Vorhang zur Seite.
Ein verwirrter Blick huschte über sein Gesicht, als er ein Stück Pergament auf seinem Polster liegen sah.
Remus nahm das Blatt in die Hand und setzte sich auf sein Bett.
Seine Hände schwitzten, als er den Brief auseinander faltete. Er atmete einmal tief ein und aus, schloss seine Augen und versuchte sich zu beruhigen. Er öffnete sie wieder und las den Brief.Hey Remi!
Wir hoffen deiner Mutter geht es gut, du warst ja letzte Nacht wieder bei ihr. Wir wünschen deiner Familie viel Kraft und hoffen, dass alles besser wird.
Weil du in der Früh nicht da warst und wir nicht wissen, wann du wieder kommst, haben wir beschlossen für dich im Unterricht mitzuschreiben.
Wir hoffen, dass du bald wieder da bist. Wir haben schon eine neue Idee für einen Streich und können es nicht erwarte es dir zu erzählen.
Bis bald, wir vermissen dich.
Sirius, James, PeterRemus las den Brief dreimal. Er konnte nicht glauben, was er da las. Sie vermissten ihn. Für Remus klang dies wie ein Traum, er hatte noch nie Freunde die sowas zu ihm gesagt hatten. Er drückte den Brief fest an sich und wollte ihn nicht loslassen. Er holte seinen Koffer unter dem Bett hervor und suchte etwas, wo er den Brief aufbewahren konnte.
Er fand ein Buch, welches er im Unterricht nicht benötigte und öffnete dieses. Mit viel Vorsicht legte er den Brief zwischen die ersten paar Seiten und schloss das Buch behutsam wieder. Er legte es in den Koffer zurück und schob den Koffer wieder unter das Bett.
Er blieb noch einen Moment auf dem Bett sitzen und sah ins Leere.
Keine Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Keine Probleme, keine Ängste, gar nichts. Es war einfach still. Das einzige Geräusch was Remus wahrnahm, war das Pochen seines Herzes. Er blieb so sitzen, Sekunden, Minuten, Stunden, er wusste es nicht.
Er wurde erst aus seinen Gedanken gerissen, als die Tür zum Schlafsaal aufging und drei Jungs hineinkamen.
„Remus!" James' Stimme war laut und ließ Remus aufblicken, er sah in die Augen seines Freundes und lächelte. Ein echtes Lächeln. Kein falsches wie er es sonst immer tat. James ging direkt zu seinem Bett und fing an über Quidditch zu reden und darüber, dass Lily ihn eher mögen würde, wenn er ein guter Quidditchspieler wäre. Sirius verdrehte nur die Augen und gab einen blöden Kommentar dazu ab. Dies führte dazu, dass James seine schmutzigen Socken in Sirius' Richtung warf und dieser sich ducken musste, bevor er getroffen wurde.
Remus fing laut an zu lachen und Peter setzte sich neben ihn, um nicht in der Schussbahn zu sein.
Remus und Peter saßen da und beobachteten amüsant, wie Sirius und James sich eine Kleidungsschlacht lieferten. Ein schmutziges Kleidungsstück nach dem anderen flog durch den Raum.
James ließ einen sehr weiblichen Schrei los, als eine von Sirius' Unterhosen direkt auf seinem Kopf landete. Remus ließ einen Lacher los und Sirius sah zu Remus hinüber, wie er lachte und musste selbst grinsen. Peter hatte sich bereits Remus' Polster vor die Brust geklammert um im Falle eines Falles geschützt zu sein.
Erst als alle Kleidungsstücke verschossen waren, kam Friede in den Schlafsaal. Sirius und James setzten sich zu ihren beiden Freunden dazu und fingen an über alles Mögliche zu reden.
„Wie geht es deiner Mutter?" Sirius' Frage ließ Remus kurz erfrieren.
„G-g-gut." Flüsterte er leise. „Sie i-i-ist halt sehr kra-ank."
Sirius sah weg und bereute es ihn gefragt zu haben. Es herrschte totenstille im Raum.
„E-entschuldigt mich." Flüsterte Remus und verließ den Schlafsaal. Sirius stand augenblicklich auf und versuchte Remus zu finden. Er war aber verschwunden.
Beim Kamin saß Frank Longbottom und unterhielt sich mit einem Freund.
„Frank, hast du Remus gesehen?" Sirius unterbrach das Gespräch der beiden.
„Ja, er ist gerade Richtung Portrait gegangen und hat den Gemeinschaftsraum verlassen." Antwortete ihm Frank, sichtlich verwirrt.
„Danke!" Sirius rannte Richtung Portrait und hinaus auf die Gänge. Es waren noch viele Schüler unterwegs und Sirius fing an zu überlegen wohin Remus gegangen sein könnte. Sirius hatte einen Geistesblitz und rannte an den Schülermassen vorbei, Richtung Hof und weiter zum See. Dort gab es einen Platz, wo die vier Freunde gerne zusammen saßen und ihre Freizeit verbrachten.
Sirius hatte Recht. Beim Baum saß Remus, er hatte seinen Rücken Richtung Sirius gekehrt und sah auf den See.
Sirius ging wortlos hin und setzte sich neben seinen besten Freund.
Er sah zu Remus hinüber und konnte Tränen sehen, die sich in seinen grünen Augen aufstauten. Wenn Remus blinzeln würde, würden sie über seine Wangen laufen.
Sirius legte einen Arm um ihn und drückte Remus an sich.
Remus war zuerst stocksteif, seine Körperhaltung lockerte sich jedoch, als Sirius ihn fester drückte und nicht mehr losließ. Von Remus kam ein Schniefen, Sirius fing an ihm über den Rücken zu streicheln.
„Es ist alles in Ordnung, Remus. Ich bin da." Flüsterte Sirius seinen besten Freund ins Ohr.
Remus blickte auf und sah Sirius in die Augen. Seine Augen waren rot und unter seinen Augen waren dunkle Ringe. Tränen liefen über sein Gesicht.
„Was ist los?" Sirius Stimme war weiterhin nur ein Flüstern. Remus senkte seinen Kopf und Sirius strich ihm durch die hellbraunen Haare.
„Ich bin für dich da Remus, immer. Du musst aber mit mir reden, sonst kann ich dir nicht helfen."
„Niemand kann mir helfen." Remus' Kopf war weiterhin gesenkt und seine Stimme schwach.
„Doch. Ich kann dir helfen Remus." Sirius legte seine Hände auf Remus' Schultern. „Ich lasse dich nicht allein. Du bist einer meiner besten Freunde und Freunde lassen sich nicht im Stich, egal wie schwierig die Situation ist. Wir schaffen es zusammen." Remus antwortete ihm nicht. Sirius atmete einmal tief ein und aus.
„Ich weiß wie es ist niemanden zu haben." Sirius' Stimme wurde leise. „Ich kenne das Gefühl. Ich weiß wie sehr man daran kaputt geht. Aber du hast ja mich und James und Peter und wir lassen dich nicht allein....niemals. Bitte Remus, lass dir doch helfen." Remus blickte auf und sah in die grauen Augen, die ihn flehend ansahen.
Remus wollte etwas sagen, doch kein Wort kam über seine Lippen. Er ließ sich gegen Sirius fallen und umarmte ihn. Sirius Arme schlossen sich um Remus und die beiden saßen da. Keiner sagte ein Wort, aber es wurden keine Worte benötigt. Die beiden verstanden sich wortlos.
Zusammen saßen die beiden da und blickten auf den See. Sirius hatte seine Beine aufgestellt und seinen Kopf gegen seine Knie gelegt. Er blickte hinüber zu Remus, der geradewegs auf den See sah. Die beiden sahen zu wie die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand, bevor sie aufstanden und wieder ins Schloss gingen.
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RandomRumtreiber/ Wolfstar Jeder kennt die Erzählungen der Rumtreiber. Die vier Freunde und ihre legendären Streiche. Aber niemand weiß was wirklich passiert ist oder wie die Rumtreiber zusammen gefunden haben. Diese Fan-Fiction erzählt die Gesch...