Geständnisse

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Als ich am nächsten Morgen aufwache, muss ich mir mein Lachen ernsthaft verkneifen. Andere Pärchen wachen zusammengekuschelt auf, Sefer hingegen fällt fast aus dem Bett, soweit liegt er weg. Ich schaue ihn an, muss mir immer wieder einreden, dass wir wirklich zusammen sind. Sefer und ich. Ein Paar. Wie schön sich das anhört. Ich mache mich fertig, als ich aus dem Bad komme, pennt der Herr immernoch. Unentschlossen stehe ich da. Ich will ihn wecken, aber weiss nicht wie. Ich habe Angst, dass er ein schlecht gelaunter Mensch ist, ein Morgenmuffel eben. Ich will ihn nicht ärgern und auch keinen Ärger bekommen, also entscheide ich mich für die normale Art. Ich setzte mich neben ihn und stupse ihn immer wieder an. Warum wacht dieser Mensch denn nicht auf?. Als ich nach 5 Minuten keinen Bock mehr habe und gerade aufstehen will, schlägt Sefer die Augen auf. Er muss schon länger wach sein, denn es ist kein verschlafenes Blinzeln. Ich schaue ihn einfach nur an, er schaut mich an und aufeinmal lacht er los. "Wie weckst du mich bitte Askim?" Prustet er. "Was ist daran falsch?", Frage ich beschämt. "Du hast mich angefasst, als ob ich ein wildes Tier wäre. Schatz wo bleibt die Romantik?", lacht er immer noch. "Ich wusste nicht, ob du es vielleicht nicht magst, früh morgens angefasst zu werden", erkläre ich leise. Scheisse ich bin schon wieder viel zu schüchtern. "Ich mag es immer, von dir angefasst zu werden", erwidert der braun gebrannte Junge vor mir und zieht mich auf seinen Schoss. Ich schaue auf ihn runter, an den Anblick kann ich mich gewöhnen. Er mustert mich ganz genau. Da ich ein enges Top anhabe, kann man auch viel von meinem Körper sehen. Sein Blick bleibt bei meinen Brüsten stehen. Es ist mir peinlich, aber es ist auch schön, von dem Menschen den du liebst, so angeschaut und bewundert zu werden. Ich räuspere mich, aber er ist hypnotisiert von meinem Brüsten. Erst als ich ihm eine leichte Ohrfeige gebe, löst er sich aus seiner Starre.
Er hält sich die Backe und fragt mir beleidigt "wofür?". Ich schaue ihn an und fange an unruhig hin und her zu rutschen. "Ich muss mich erst an solche Blicke gewöhnen", sage ich leise, "sie machen mich verlegen". "Müssen sie aber nicht mein Schatz, du hast einen wunderschönen Körper", schleimt er jetzt. Er macht sich fertig und wir gehen Hand in Hand zum Frühstück. Die anderen sitzen schon da, Xalo ist ein bisschen angepisst, dass wir gestern nicht zum Essen da waren. Allerdings ändert sich das sofort, als er sieht, dass wir zusammengekommen sind. Alle wünschen uns viel glück, ich fühle mich, als ob ich in einem Traum lebe. Der Tag vergeht Recht schnell, Sefer probt die ganze Zeit, und ich mache Papierkram. Ich schaue mir seinen Auftritt an und merke doch wieder ein bisschen Eifersucht, als die Mädchen anfangen wegen ihm durchzudrehen. Ohmann, wie soll das nur die nächste Zeit weitergehen. Nach dem Auftritt gehen wir etwas essen, doch Sefer ist die ganze Zeit nervös. Er wippt mit seinem Bein auf und ab. Ich frage ihn was los ist, aber er legt nur seine Hand auf meinen Oberschenkel, ich zucke zusammen, so eine Berührung bin ich nicht gewöhnt. Nach dem Essen geht er schnell auf unser Zimmer, ich laufe ihm hinterher. "Mi vida was ist los?", Frage ich ihn. Er sieht mich eine Zeit nur an und kommt mir dann immer näher. Sefer schubst mich leicht gegen die Wand und fängt an mich srürmisch zu küssen. Ich erwidere und bin völlig gefangen in meinen Emotionen. Er fängt an, an meinen Lippen zu knabbern, beisst in meine Unterlippe. Ich stöhne leicht auf, das ist meine Schwachstelle. Er nutzt mein Stöhnen um mit seiner Zunge in meinem Mund zu gelangen, doch als ich das merke, höre ich mit dem Kuss auf. "Was ist los", will er nun wissen. "Ich weiss nicht, ich hab noch nie richtig mir Zunge geküsst, das ist neu für mich", gestehe ich ihm. Er grinst und beisst mir in die Backe. "Du bist so verdammt süß und unschuldig, weisst du das eigentlich. Du bist so rein, wie konnte Gott mir so einen unberührten Menschen schicken." Ich lächele nur gezwungen und gehe ins Bad um mich fertig fürs Bett zumachen. Seine Worte gehen mir nicht aus dem Kopf. Ich will nicht, dass er von mir ein anderes Bild hat, als ich wirklich bin. Also trete ich fest entschlossen aus der Badezimmer Tür und schaue Sefer an. Den Jungen den ich liebe. Er liegt auf seinem Bett und schaut mich liebevoll an. Seine Augen sehen heute eher blau als grün aus, es steht ihm unfassbar. "Was hast du auf dem Herzen melegim?", fragt er. Ich atme tief ein und aus und antworte dann "Sefer ich will nicht, dass du falsch von mir denkst. Ich bin nicht so unschuldig, wie du denkst. Dass ich noch nie eine Beziehung hatte und noch nie Sex, ist eine Sache, aber ich habe genug Scheisse so gebaut." Er sieht mir lange in die Augen. "Was für Scheisse hast du denn gebaut?", fragt er in einem gefährlich ruhigen Ton. Scheisse ich hab mich selber gefickt. Ich komme aus dieser Sache nicht mehr raus, merke ich gerade. "Luisa was willst du damit sagen?", fragt er wieder und schaut mich streng an. "Ich wollte damit nur andeuten, dass ich vor dir drei Interaktionen mit dem männlichen Geschlecht hatte", rattere ich herunter, ohne ihm in die Augen zu sehen. "Und was für Interaktionen waren das wenn ich fragen darf?", fragt er während er mich mit seinen Blicken fixiert. Ich schaue auf den Boden, ich bin so dumm. Warum hab ich alles kaputt gemacht? " Von küssen über rummachen und so". Ich werde am Ende immer leiser. "Was ist und so?", Feuert er die nächste Frage ab. Ich atme ein und aus und sage dann möglichst neutral "ich hatte Oralsex mit einem Jungen". Sefer schaut mich an. Lange. Sehr lange. "Du bei ihm oder er bei dir?". "Ich bei ihm", Murmel ich beschämt. Eigentlich hatte ich mich schon mit dem Thema abgefunden und es als ganz normal und natürlich behandelt,  aber Sefers Reaktion sieht nicht gerade so aus, als ob es für ihn normal und natürlich ist. "Wow", es klingt ironisch und hässlich. "Wie lange ist es her", fragt er mich. "ein Jahr fast", antworte ich leise und schüchtern. "Und aus welcher Intention heraus hast du das gemacht, wenn ich fragen darf?". Er probiert immer noch irgendetwas gutes an der Sache zu finden oder zumindest mich zu verstehen. "ich weiß es nicht sefer, ich war verwirrt, ich war alleine und ich hatte bis dahin nicht viel mit Jungs zutun im Gegensatz zu meinen anderen Freunden, ich wollte nicht als der Außenseiter dastehen. außerdem war es genau in der Zeit, in der so viel scheiße passiert ist, ich war einfach ziemlich verletzlich und er hat in den richtigen Momenten die richtigen Worte getroffen". Sefer sagt nichts absolut nichts, es ist still im Raum. diese Stille und seine enttäuschten Blicke erniedrigen mich und so ziehe ich mich in meinen schutzpanzer zurück und fange an ziemlich sauer zu werden. "warum tust Du denn jetzt so, als ob es so schlimm ist, wir wissen beide, wer von uns beiden der schlimmere in diesem Thema ist. Sefer wie viele Mädchen hast du wohl schon geknallt. Hunderte? ich wollte einfach nur mit offenen Karten spielen und dir sagen wie viel Erfahrung ich gemacht habe, damit du nicht mit einer Lüge leben musst, genauso wie ich, aber wenn du jetzt so scheiße darauf reagierst habe ich echt keinen Bock." Ich bin auf 180. "lass mich doch einfach diese Information erstmal verarbeiten und danach reden wir", herrscht er mich an. "Okay das werde ich machen, allerdings will ich dich nur daran erinnern, dass du mir keine Zeit gegeben hast um zu verarbeiten, dass du schon mit halb bremerHafen und Köln was hattest". Wir sind beide sauer, angespannt und irgendwie sind wir beide auch auf komische Art und Weise vom jeweils anderen verletzt. Wir liefern uns noch eine Minute ein Blickduell, doch dann drehe ich mich einfach um und gehe aus der Tür. Ich brauche jetzt genauso Zeit zum nachdenken wie Sefer. Kann ich eine Beziehung führen mit jemanden der meine Vergangenheit nicht richtig akzeptieren will? woher kann ich denn wissen dass er im Ernstfall hinter mir steht und das zu 100%? Wer gibt mir diese Gewissheit wenn er schon nicht bereit ist so ein Detail zu akzeptieren. Ich merke, dass dieses ganze hin und her in meinem Kopf nichts bringt. Also entschließe ich mich noch ein bisschen rauszugehen zu spazieren um meinen Kopf frei zu bekommen. Ich weiß, dass wir beide ziemliche Sturköpfe sind und dazu auch noch ziemlich temperamentvoll. Das wird sich schon wieder einrenken, sage ich mir, bestimmt. Es muss sich einrenken, denn wenn nicht, dann habe ich meinen Sinn des Lebens verloren.

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