Ein Kuss-Eintausend Gefühle

191 2 0
                                        

Es wird langsam kalt auf der Bank. Ich schaue nach rechts zu Sefer, der sich immer noch an meine Hand klammert. Er scheint völlig abwesend zu sein, keine Regung nichts. Ich will ihn nicht stören, aber da ich langsam wirklich einfriere stupse ich ihn an. Er schaut mich einfach nur aus großen dunklen Augen an, ich sehe wie sehr ihn das Gespräch immer noch mitnimmt. Ich fühle mich so schuldig, dass ich ihm damit so ein schlechtes Gewissen gemacht habe. Ich meine, ja mir ging es mit der Situation Scheisse, aber es war bei weitem nicht so schlimm, wie bei ihm. "komm mit vida", flüstere ich und stehe auf. Er braucht noch einen Moment, steht dann aber mit auf und folgt mir. Er verschränkt seine Hand noch fester mit meiner, es tut schon fast weh aber ich halte den Schmerz aus, denn ich weiss, dass er gerade noch schlimmere Schmerzen durch steht. Wir reden nicht, kommen schliesslich vor meiner Wohnungstür an. "Baby, willst du mit reinkommen?", Frage ich ihn. In so einem Zustand will ich ihn nicht alleine gehen lassen. Ich habe Angst, dass ihm etwas passiert. Er nickt nur müde und tritt hinter mir durch die Tür. "Kann ich mich kurz duschen?", fragt er leise. "Natürlich Schatz, hier liegt auch noch eine Hose von dir Rum, wenn du dich umziehen willst", Murmel ich und suche schnell die Hose. Während Sefer duschen ist, mache ich eine Kleinigkeit zu essen. Mit hilft es immer, etwas zu essen wenn ich traurig bin, ihm vielleicht auch. Ich habe ihn noch nie so erlebt wie heute. Er wirkt kein bisschen selbstbewusst mehr, kein bisschen lustig und hyperaktiv. Er ist ruhig, in sich gekehrt und schüchtern. Ist das sein wahres ich? Spielt er sonst immer nur etwas vor. Aber ich verwerfe den Gedanken schnell wieder, er ist so auch bei seinen Jungs und bei denen wird er sich ja wohl kaum verstellen. Die Badtür geht auf und Sefer kommt in die Küche. Er sieht so verdammt gut aus. Mal wieder Oberkörperfrei und in grauer Jogginghose. Ich liebe diesen Anblick so sehr, aber sein müder Gesichtsausdruck hält mich davon ab, mich nur auf seinen Körper zu fokussieren. Er steht einfach nur da, weiss nicht was er machen soll. Diese Distanz zwischen mir und ihm stört mich gewaltig, also gehe ich auf ihn zu und nehme ihn in meine Arme. Er erwiedert die Umarmung sofort, was mich erleichtert aufseufzen lässt. Ich vergrabe meinen Kopf an seinem Hals und er stützt sein Kinn auf meinem Kopf ab. Ich halte automatisch die Luft an, das mache ich immer wenn wir uns so nahe sind. Als ich jedoch bemerke, dass das eine eher schlechte Idee ist, fange ich an langsam und beherrscht zu atmen. Er seufzt einfach nur und streicht mir sanft über den Rücken. "Baby ich hab was zu essen gemacht." Flüstere ich leise in sein Ohr und löse mich von ihm. Er steht einfach nur weiter unschlüssig rum, ich nehme ihn am Arm und ziehe ihn zur Couch. Danach hole ich die Teller und die Fernbedienung. "Willst du irgendwas besonderes schauen?", Frage ich sefer, aber er ist schon mit den Pancakes beschäftigt die ich gemacht habe. Also wähle ich eine Serie. Wir essen still vor uns hin, Sefer hat sich leise für das Essen bedankt. Aber die Stimmung ist bedrückend und schlecht. Ich halte es nicht mehr aus und schalte den Fernseher aus. Sefer sieht mich fragend an. "Schatz kann ich dir irgendwie helfen? Ich kann dich nicht so sehen, das tut verdammt weh", Frage ich ihn direkt ins Gesicht. "Baby mach dir keine Sorgen, ich bin Grade einfach nur bisschen down, aber morgen wird das schon wieder", antwortet er mit einem schwachen Lächeln. Mein Herz bricht durch dieses Lächeln fast auseinander, zu Wissen dass ich ihm so zugesetzt habe macht mich krank. Ich schaue ihn aus Schuldigen Augen an und setze mich dann auf seinen Schoss. "Es tut mir leid mein Leben, ich wollte dir diese Dinge nicht an den Kopf werfen", sage ich mit erstaunlich fester Stimme. Er umfasst meine Hüfte mit seinen Händen und streicht mit seinem Daumen auf und ab. Das reicht schon, um mir eine gewaltige Gänsehaut zu geben. "Baby es ist okay wirklich. Es war einfach ein harter Tag für uns beide und du warst ehrlich mit mir und hast mir gesagt was dich stört. Natürlich hat es mich getroffen und gefickt, aber das ist okay. Es ist besser ehrlich miteinander zusein anstatt sich amzulügen.", Erwiedert er. Ich nehme sein Gesicht in meine Hände, streiche sanft die Konturen seines Kinns und seines Unterkiefers nach. Wir schauen uns dabei die.ganhe Zeit in die Augen, es herrscht eine Spannung die ich so noch nie zwischen uns erlebt habe. "Ich liebe dich" platzt es aus mir heraus. Klar ist es nicht das erste Mal, dass ich ihm so etwas sage, aber es ist das erste Mal, dass ich wirklich die Bedeutung dahinter verstehe. Ich liebe ihn so sehr, dass es mir mehr wehtut als ihm wenn er leidet. Ich würde alles für ihn geben, ausnahmslos. "Ich liebe dich so sehr dass es mir schon fast weh tut", fahre ich fort. "Ich brauche nur dich, ich will nur dich, Scheiss auf den Rest", flüstere ich gegen seine Lippen. Er verzieht sie zu einem Lächeln und flüstert "Ich liebe dich auch hayatim, mehr als alles andere". Eigentlich würde ich jetzt die Situation lösen und "schwuuul" oder sowas schreien, doch ich kann nicht. Er hat mich in seinem Bann gefangen. Ich bin nervös und rutsche leicht auf und ab, mein Herz klopft bis zum Hals. Ich weiss nicht warum diese Situation gerade so verdammt besonders ist, aber ich kann mich nicht aus ihr lösen. Ich will ihn küssen, mein ganzer Körper schreit danach, doch irgendetwas wartet, will von ihm erst die Einverständnis. Und die gibt er mir. Seine eine Hand wandert an meinen Rücken, die andere bleibt auf meiner Hüfte liegen. Dann drückt er mich noch näher an sich heran, so nahe, dass meine Brust schon seine berührt. Meine Hände ruhen mittlerweile auch auf seinem Gesicht. Ich nähere langsam meine Lippen seinen an, er kommt mir entgegen. Als sie aufeinander treffen, ist es noch intensiver als je zuvor. Er drückt mich fest an sich, ich drück mich fest an ihn. Der Kuss bleibt nicht lange gefühlvoll, er wird schnell immer wilder. Es ist die ganze Leidenschaft die uns seit Anfang diese Beziehung quält, die Anziehungskraft die zwischen uns beiden herrscht. Wir geben alles in diesen Kuss, denn wir wissen er ist etwas besonderes.

HoffnungWo Geschichten leben. Entdecke jetzt