Überraschung

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Die Heimfahrt verlief schweigend, Sefer hat sich oft entschuldigt und mich bis zur Wohnung gebracht. Das lustige ist, wenn ich zurück denke hatte ich trotzdem nie einen kleinen Zweifel an meiner Liebe zu Sefer. Es ist ein Tag vergangen. Ich sitze gerade vor meinem Computer und lese so schnell ich kann die Dokumente und Unterlagen die ich zugemailt bekommen habe. Ich bin mit Sefer nach der Arbeit verabredet, er will mich abholen kommen, doch es werden immer mehr anstatt weniger Aufgaben die ich erledigen muss. Wir haben schon kurz vor vier, ich schaffe es niemals bis Viertel nach. Schweren Herzens greife ich zu meinem Handy und sage ihm ab. Ich bin traurig und angepisst, das wäre sowas wie ein offizielles Date gewesen, ich hätte endlich Mal wieder in Ruhe Zeit mit dem Jungen den ich liebe verbringen können, aber nein es sollte wohl nicht so sein. Ohne auf seine Nachricht zu warten, arbeite ich weiter. Nach 20 Minuten kann ich nicht mehr, genervt stöhne ich auf und knalle meinen Kulli auf meinen Schreibtisch. Ich höre ein Lachen, es klingt wie das von Sefer. Jetzt habe ich auch schon Halluzinationen, super. Zwei Hände umschliessen meine Schultern und umarmen mich letztendlich von hinten. Es ist sein Parfüm. "Sefer", Frage ich Vorsichtig nach, ich habe immer noch Angst, dass ich mir das alles nur einbilde. "Hey Prinzessin" flüstert er in mein Ohr. Ich drehe mich um und sehe ihn dastehen. Er lächelt mich an, in seinen Händen hält er eine Tüte die himmlisch nach Essen riecht. "Ich habe gedacht ich Besuch dich und leiste dir ein bisschen Gesellschaft" lächelt er. Im nächsten Augenblick stehe ich auf, Schlinge meine Arme um seinen Nacken und küsse sein ganzes Gesicht ab. "Ich liebe dich über alles", schreie ich schon fast. Wir reden ein bisschen über unseren Tag und essen dabei. Ich will gar nicht, dass wir zu Ende essen, denn dann geht Sefer wieder. Doch leider sind wir viel zu schnell an diesem Punkt angelangt. Ich schaue traurig auf den Boden, ich will ihn nicht gehen lassen. "Askim was ist los?". Sein besorgter Tonfall macht ihn noch süsser und noch attraktiver in meinem Augen, falls das überhaupt noch geht. Ich seufze schwer. "Ich will nicht, dass du schon gehst", murmele ich. Er grinst leicht."dann ist ja heute dein Glückstag, ich habe nämlich nicht vor zugehen." Ich quitsche und drücke meine Gesicht in seinen Bauch. Ich sitze nämlich und er steht vor mir. Ich bin so glücklich mit ihm, er ist einfach mein Traummann. Süß, fürsorglich und eifersüchtig. Obwohl er oft zum Übertreiben neigt und das mit seiner Aggressivität müssen wir irgendwie in den Griff bekommen. Ich bekomme den Papierkram nach einer Stunde zu Ende. Sefer hat gerade den Spaß seines Lebens mit dem elektrischen Spitzer. Er hat meine ganzen Stifte gespitzt, manche hat er heimlich abgebrochen, damit er sie noch einmal spitzen kann. "So ein Büroleben wäre glaube ich nichts für mich", meint er, als ich gerade mein ganzes Zeug zusammen packe. Ich halte inne. "Warum?", Will ich wissen. Er zuckt mit den Schultern. "Ich bin nicht so schlau wie ihr, ich kann mich nicht so gebildet benehmen oder ausdrücken, ich habe irgendwie die Ausfahrt zu so einem geordneten Leben verpasst." Ich bin wie versteinert als ich diese Worte höre. Er sieht mich an, ihm ist genauso klar geworden wie mir, dass er mich gerade ein Stück weit an sich rangenlassen hat. Sefer hat mir nie viel persönliches erzählt und nur seine positiven und starken Gedanken erzählt. Nie hat er mir einen Einblick in seine verletzliche Seite gewährt. Bis jetzt. Ich sehe ihn an, mein erster Impuls ist es, ihn zu umarmen und zu trösten. Aber das würde er nicht wollen, das weiss ich. Er wird nicht gerne als kleines Kind behandelt. Liegt vielleicht daran, dass er sehr früh erwachsen werden musste. Also Stelle ich mich vor ihn und lege meine Hand an seine Wange. "Sefer die meisten Leute die hier drinn arbeiten, haben kein geordnetes normales Leben. Da musst du nur mich anschauen. Ein Mensch, der das macht was er liebt ist mir viel lieber, als einer, der jeden Tag voller Unzufriedenheit ist, weil er den Job ausüben muss, den er eigentlich nie wollte. Und dieses schlaue Getue ist nur eine Fassade, die Menschen haben vielleicht von Zahlen und Buchstaben Ahnung, aber sind menschlich ein Totalausfall. Außerdem sind wir hier in einem normalen Büro und nicht in irgendeinem aussergewöhnlichen Büro an der Börse oder so." Ich hoffe damit habe ich sein Selbstbewusstsein gepusht. Ich weiss, dass er es selber nicht gut findet, keine Lehre zu haben und den Ruf eines Gangsters zu besitzen. "Liebst du deinen Job?" reisst er mich komplett aus meinem Konzept. Jetzt hänge ich in der Luft, überspiele es aber. "Ich liebe dich und das ist das wichtigste", lächele ich ihn an und hoffe einfach, dass er auf das andere Thema nicht mehr eingeht. Damit er auch ja nicht auf die Idee kommt, schliesse ich laut meinen Laptop und rufe übermotiviert "so ich bin fertig können wir?". Er nickt, aber ich sehe ihm an, dass er unzufrieden ist. Ich kann es ihm nicht verübeln, aber auf manche Fragen will ich manchmal einfach keine Antwort geben. Er steigt in sein Auto, ich tue es ihm nach. Ich mag es nicht, mit seinen Autos hier rum zufahren. Ich mag diese Aufmerksamkeit, die er dadurch bekommt nicht, nicht dass ich es ihm nicht gönne, nur mag ich die Blicke der ganzen Leute nicht. Es gibt zwei Arten, einmal die normalen Menschen die dem Auto interessiert hinterherschauen und dann noch die Mädchen, die wenn sie könnten mit einem Fernglas auf Sefer schauen würden. Sefer beobachtet mich die ganze Zeit aus von der Seite, und lässt mich somit unwohl fühlen. Aber ich werde neugierig, will schauen was ich für eine Wirkung auf ihn habe. Also lege ich meine Hand auf seinen Oberschenkel. Ich habe sie relativ mittig platziert, ich will nicht zu hoch gehen, aus Angst falsche Signale zu versenden. Ich will gerne mit Sefer mein erstes Mal haben, nur habe ich nach Stunden langem Grübeln entschieden, dass ich mindestens drei Monate warten will, zur Sicherheit, damit er nicht falsch von mir denkt. Ich verpasse durch diesen Gedankengang fast die Reaktion meines Freundes auf meine Hand. Sein Mund verzieht sich zu einem Lächeln und an seinem Arm kann ich Gänsehaut erkennen. Doch als ich ganz unbewusst anfange meine Finger auf ihm zu bewegen, nimmt er schnell meine Hand in seine und hält sie fest. Ich schaue ihn verwirrt an, meine Lippen öffnen sich schon um was zu sagen doch er kommt mir zu vor. "Prinzessin, ich will ungern hart werden, weil ich weiss, dass dich das in eine unangenehme Situation bringt." Er sagt das mit zusammengebissenen Zähnen, ihm scheint das Thema genau so peinlich zu sein wie mir. "Oh" bringe ich nur heraus, aber meine Neugierde quält mich. "Geht das wirklich so schnell?", Will ich von ihm wissen. Er fährt sich durch die Haare, Dios Mio ist dieser Mann attraktiv. "Eigentlich nicht, bei dir schon", lautet seine Knappe Auskunft. "Oh" Murmel ich wieder. Wir kommen bei mir in der Wohnung an, steigen aus und sind von dieser unangenehmen Situation erlöst. Hand in Hand laufen wir zu mir Hoch. Die nächsten zwei Stunden verbringen wir mit kuscheln und Serien schauen. Ich Male leichte Kreise über seine Brust, er nimmt meine Hand und legt sie jetzt auf seinen Kopf. Ich schlage leicht darauf, weil ich keine Ahnung habe, was dieser Mensch von mir will. Er will mich erst böse anschauen, doch kann nicht ernst bleiben und fängt an mit mir zu lachen. Wir lachen eine ganze Weile, bis er mich nach hinten schubst und sich über mich lehnt. Er nähert sich mit seinem Gesicht, ich bin wie verzaubert von seinen Augen. Gerade als sich mein Atem mit seinem Vermischt, fängt er an zu reden. "Prinzessin?", Fragt er. "Hm?" Antworte ich verträumt. "Ich habe Hunger", sagt er grinsend gegen meine Lippen und will sich lösen. Doch ich wäre nicht ich, wenn ich ihn mit so einem Arschlochmove durchlassen würde. Ich halte ihn an seinem Nacken fest und fahre dann sanft über seine Schultern. Ich weiss, dass ich auch eine gewisse Wirkung auf ihn habe, die Situation im Auto hat es mir gezeigt. Meine eine Hand krault seinen Nacken, die andere fährt noch immer über seine Schultern als ich ihn nach hinten drücke und er erstaunlich leicht nach gibt und nun im Bett liegt. Ich nutze die Chance und setze mich auf seine Mitte. Er will zum sprechen ansetzen, doch ich lege meinen Zeigefinger auf seine Lippen. Ich fange an ihn zu küssen und geniesse es, dass er Wachs in meinen Händen ist. Langsam lasse ich meine eine Hand zu seiner Brust gleiten, während ich ihm in die Unterlippe beisse. Er keucht auf, damit hat er nicht gerechnet, dass weiss ich. Ich küsse ihn immer wilder und fahre leicht mit meiner Hand über seine Brust, bevor ich tiefer gehe und sein Sixpack durch das T-Shirt berühre. Mir ist vorher schon etwas hartes aufgefallen, aber spätestens jetzt weiss ich, dass ich Sefer dort habe, wo ich ihn will. Ich will ihn noch ein kleines bisschen verrückter machen und fange an meine Mitte auf seiner zu bewegen. Es turnt mich selber unglaublich an, aber ich habe ein Ziel vor Augen. Sefer küsst mich gierig weiter und lässt seine Zunge in meinen Mund. Ich übe noch ein letztes Mal Druck mit meinem Körper auf ihn aus. Dabei entlocke ich dem Jungen den ich liebe sogar  ein Stöhnen. Sein Anblick macht mich selber ganz verrückt. Augen geschlossen, Lippen leicht offen und hektisches Atmen. Ich beuge mich wieder zu ihm runter, meine Lippen berühren seine und ich sage so trocken wie es nur geht "dann koche ich jetzt was für uns", löse mich schnell und stehe auf. Ich lasse Sefer verwirrt und erregt in meinen unordentlichen Bettlaken liegen und mache mich in der Küche an die Arbeit. Aber meine Gedanken quälen mich, ebenso wie meine heisse Mitte, die immer wieder Impulse Sendet. Ich kann mit ihm nicht schlafen, erst in ein paar Monaten. Frustriert greife ich zu einer Tomate und mache sie einen Kopf kürzer.

HoffnungWo Geschichten leben. Entdecke jetzt