Liebe und Zweifel

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Ich sitze im Hotelflur und schaue wie eine gestörte jeden Moment auf mein Handy. Das spazieren gehen hat mir absolut nichts gebracht. Ich bin nur noch nervöser und verwirrter geworden. Ich will dass Sefer mir schreibt, er mich anruft, um mir zu sagen, dass wir miteinander reden können. Aber nichts passiert. Mein Handy bleibt stumm. Und dann kann ich nicht mehr. Ich fange an leise zu weinen, kann gar nicht mehr aufhören. Ich weiss nicht was ich machen soll. Ich wollte doch nur ehrlich sein, mir war klar, dass er es nicht toll findet, aber dass er so reagiert hätte ich nicht erwartet. Ich bin enttäuscht, verletzt und mal wieder verwirrt. Und dann höre ich seine Stimme. Er kommt den Flur entlang mit Carvelo. Carvelo sieht mich als erstes und stupst Sefer darauf an. Sefer schaut erst verwirrt, aber als er mich sieht, verschließt sich sein Gesichtsausdruck. Ich atme aus und stehe dann auf, ich kann das nicht, mir diese Blicke zu geben. Ich fange wieder an zu weinen und gehe weg. Aber Sefer hat wohl einen Sprint eingelegt, denn er hält mich am Arm fest. Er sieht mich kurz an und zieht mich dann in unser Zimmer. Er schliesst die Tür und nimmt mein Gesicht in seine Hände. "Hör mir zu. Ich liebe dich über alles und auch diese Sache kann und wird nichts daran ändern. Ich finde es gut, dass du mit mir ehrlich warst okay?", Als ich diese Worte höre muss ich nur noch mehr heulen. "Schatz hör auf zu weinen, bitte",bittet er mich und wischt mit seinem Daumen meine Tränen weg. Ich zittere noch leicht weil ich so viel geweint habe, Sefer merkt das. Er nimmt mich lange und fest in die Arme. Ich war höchstens zwei Stunden von ihm getrennt, und doch fühle ich mich einfach nur erleichtert, dass jetzt alles vorbei ist. Wir setzen uns aufs Bett, Sefer spielt mit meinem Fingern. "Ich hab mit Carvelo drüber geredet", platzt es dann aus ihm heraus. "Er hat gemeint dass ich überreagiert habe und ich ja auch nicht besser bin. Ausserdem liegt das alles in der Vergangenheit.". Wow ich kann nicht glauben, dass Carvelo Mal nicht probiert hat, gegen mich zu feuern. Ich schaue Sefer lange an. "Ich liebe dich mit vida.", Lächele ich. "Was heisst das?", fragt er mich. "Sag doch ich liebe dich zurück", schmolle ich. Er muss lachen zieht mich in deine Arme und fängt wieder mit einer Knutschattacke an. "Ich liebe dich", schreit er durchs ganze Zimmer. Ich muss lachen wie eine Gestörte und dann liegen wir beide völlig fertig auf dem Bett und lachen uns immer noch die Stimme weg. "Mi vida heisst mein Leben", flüstere ich leise. Sefer schaut mich an, lächelt dann leicht. "Ich würde dir ohne zu zögern mein Leben anvertrauen", flüstert er. Nun bin ich die, die lächelt. "Ich liebe dich", sagt er zu mir. Ich weiss nicht was dann in mich fährt, aber ich habe ein großes Bedürfnis ihn zu küssen, seine Lippen zu spüren. Ich rutsche näher zu ihm und drücke meine Lippen auf seine. Der Kuss ist voller Emotionen, voller Liebe und irgendwie auch Leidenschaft. Ich bin kein grosser Romantiker, ich brauche keine Kerzen oder 100 Rosen, aber dieser Moment ist der romantischste, den ich je erlebt habe. Mir wird klar, wie sehr ich Sefer liebe und was für eine Macht er über mich hat. Sefer löst sich von mir und schaut auf mich. Im Spiegel kann ich mich sehen, meine Augen strahlen, meine Wangen sind gerötet und meine Haare sind verwuschelt. "Du bist wunderschön", flüstert Sefer in mein Ohr. Ich bin nicht fähig etwas zu erwiedern, ich bin noch zu sehr in meinen Emotionen gefangen. Wir schauen uns eine Zeit lang nur an. Ich merke wie müde ich geworden bin, und stehe auf. "Wohin Askim?", fragt er mich. "Fertig machen fürs Bett", antworte ich und gehe ins Bad. Ich schliesse nicht ab, denke irgendwie nicht daran. Ich mache Musik an und führe meine Routine durch, als mein Lieblingslied kommt. Asesina heisst es und handelt passenderweise von einer Frau, die einen Mann verführt und kaputt gemacht hat. Ich singe laut mit, mir ist es egal ob Sefer das hört oder nicht. Bei so etwas habe ich eine niedrige Hemmschwelle. Passend zur Musik fange ich an zu tanzen und merke wie Sefer lachend im Türrahmen steht. "Machst du eine Party ohne mich?", fragt er belustigt. Ich gehe auf ihn zu und fange an mit ihm zu tanzen. Ich tanze so, wie man eben zu Reggaeton tanzt, lasse meine Hüfte kreisen und alles. Sefer lacht am Anfang doch dann wird sein Gesicht ernst. Bevor ich fragen kann was los ist drückt er mich mit meinem Bauch gegen die Wand und presst sich an meinen Rücken. Er atmet schwer in meinem Nacken und streicht meine Haare zur Seite. "Mit wie vielen Jungs hast du schon so getanzt?", flüstert er in mein Ohr. "Du bist der erste", gestehe ich ihm. Ich kann förmlich spüren wie sich sein Gesicht zu einem Lächeln verzieht. "Wenn du nochmal so mit mir tanzt kann ich für nichts mehr garantieren." murmelt er und streichelt sanft meinen Hals. Mir wird warm. Ich atme jetzt genauso schwer wie Sefer, die Spannung in der Luft ist spürbar. Und aufeinmal kommen mir Gedanken in den Sinn. Ich will dieses Spielchen eigentlich weiter spielen und irgendwie will ich auch Sex mit Sefer. Aber das kann ich ja schlecht bringen, wir sind gerade einen Tag zusammen. Ich seufze schweren Herzens und drücke Sefer mit meinem Rücken von mir. Er versteht, entfernt sich und macht sich mit mir zusammen fertig. Noch im Bett verfolgen mich die Gedanken und Zweifel. Ist es schlimm so früh mit Sefer Sex zu haben? Ich meine er versucht die ganze Zeit, Annäherungen zu machen. Ist er vielleicht nur mit mir zusammen, weil er mich entjungfern will? Mein Kopf dreht sich immer mehr und irgendwann schlafe ich dann ein.

HoffnungWo Geschichten leben. Entdecke jetzt