Hardcore High

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Die Straßen Kölns sind verdammt voll für einen normalen Wochentag, ebenso sind es die Restaurants oder in meinem Fall der türkische Imbiss. Ich komme oft und gerne hier her, liegt vielleicht auch daran, dass das Essen unfassbar gut ist. Und dass ich hier mit Sefer war. Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, denn selbst wenn das Essen hier Scheisse schmecken würde, würde ich hier her kommen, um in Erinnerungen zu schwelgen. Ich betrete den Imbiss, als ich dran komme nehme ich das übliche. Lahmacun spezial mit Dönerfleisch. Damals hatte ich mich geweigert es zu probieren und meinte, dass es nicht schmecken würde. Doch Sefer bewies mir das Gegenteil. Ach Sefer. Ich sitze an "unserem" Tisch und lache plötzlich verbittert auf. Ich benehme mich, als ob ich mich nach 50 Jahren Ehe von meinem Mann getrennt hätte. Und dabei ist es doch so viel weniger. Es ist nichts, rein gar nichts zwischen uns. Er hatte mir einfach nur zu viel Aufmerksamkeit in den ersten Wochen geschenkt und jetzt komme ich nicht mehr von ihm los. Gott wir waren ein paar Mal essen, verstanden uns einfach gut und das auf einer puren freundschaftlichen Basis. Von Anfang an hatte er einen ganz besonderen Platz in meinem Herz und jetzt hat er mein Herz eingenommen. Komplett. Er hat die volle Macht über mich und weiss es nicht Mal. Es ist so absurd, so lächerlich, so kindisch, so traurig. Ich war schon immer anfällig für Männer die mir Aufmerksamkeit schenkten, aber so sehr wie in Sefer habe ich mich noch nie verliebt. Ich habe mich generell noch nie richtig verliebt, nur manchmal etwas zu sehr reingesteigert in Gefühle, die gegenüber Jungs waren. Doch bei Sefer ist das anders, das weiss ich. Ich kann nicht ohne ihn, ich will nicht ohne ihn, ich würde mein Leben für seins geben. Und er weiss es nicht, rein gar nichts weiss er.
In meiner Wohnung angekommen, fange ich an aufzuräumen und dabei Musik zuhören. Es lenkt mich immer ab Musik zuhören, doch dann bleibt mein Blick an der Kette hängen. Die Kette ist der Startschuss, das Symbol für diese Miserie geworden. Sie fiel mir auf der Arbeit runter, Sefer, der seinen Vertrag bei unserem Label an diesem Tag unterzeichnete, gab sie mir wieder. Seit diesem Tag gingen wir oft etwas essen, auch mit seinen Jungs. Meine Lieblingstreffen waren die, bei denen er mich nachts anrief und fragte, ob ich noch wach bin und mich dann zu den schönsten Orten in Köln fuhr. Wir entdeckten die Stadt zusammen, er war frisch hergezogen ich ebenso. Besser hätte es nicht laufen können.
Von heute auf morgen reduzierte Sefer den Kontakt auf ein Minimum, fragte mich nach keinen Treffen mehr, nur wenn wir uns persönlich gegenüberstanden war er der, in den ich mich gnadenlos verliebt hatte. Immer gut gelaunt, ein freches Funkeln in den schönen Augen und ein breites Grinsen. Dieser Junge macht mich so kaputt.
Ich entdecke während dem Aufräumen eine leere Kippenschachtel, will sie wegschmeissen, doch ein Rascheln macht mich hellhörig. Schon beim geringsten anheben des Deckels, steigt mir der unverkennbare Duft von Gras in die Nase. Ich wäge ab; Gras rauchen und alte Gewohnheiten wieder annehmen, oder Gras wegschmeissen und so beschissen weiter machen wie bisher. Die Antwort ist mir eine Sekunde später klar. Mit zittrigen Fingern greife ich nach den pinken Longpapes von Gizeh und den Tips. Ich drehe mir den Joint schneller als ich denken kann, bin nur noch auf den Geruch fokussiert. Nichts hält mich jetzt noch ab. Ich steige auf meinen Minibalkon, setzte mich auf einen alten Plastikhocker aus dem Bad und fange an zu paffen. Angst dass jemand die Polizei ruft hab ich keine. Die Leute in diesem Viertel haben größere Probleme, als sich mit kiffenden jungen Menschen herumzuschlagen.
Das Ott knallt, meine Augen gehen immer mehr zusammen und mein Kiefer zieht. Ich bin breit, aber sowas von. Ich gehe ab zur Musik. "Ja ich weiss ich hab ein Problem und vielleicht liegts an den Drogen doch Scheisse ich lasse mich gehen." Summe ich die Hook von Bonez mit. Gerade als ich mich auf den Part von GZUZ freue, fängt mein Handy an zu klingeln. Ich bin so high, ich brauche gefühlt 10 Jahre um den beschissen Anruf anzunehmen. " Wo bist du?" Fragt ein wütender Giwar. Verpeilt wie ich bin, Falle ich bei diesem scharfen Ton vor Schreck vom Hocker und stoße mir mein Knie. " FUCK" schreie ich und spüre, wie mir Tränen in die Augen schiessen. " Ja Fuck, das kannst du laut sagen, du hast unser Essen vergessen und wir warten hier alle nur auf dich." Was für ein Giftzwerg denke ich mir, entgegne jedoch einigermaßen normal, dass es mir Leid tut, ich verpennt habe und mich jetzt auf den Weg mache.

HoffnungWo Geschichten leben. Entdecke jetzt