Kapitel 7

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In der Nacht wurde Paddy von unheimlichen Kopfschmerzen wach. Sie begab sich torkelnd ins Bad, um dort eine Schmerztablette zu holen. Doch dort angekommen, rutschte sie aus und schlug mit dem Kopf hart auf dem Boden auf. In ihrem Gesichtsfeld drehte sich zunächst alles, dann schloss sie die Augen und driftete in die Bewusstlosigkeit ab. Ein paar Minuten später kam sie wieder zu sich, doch ihre Position verwirrte sie. Da ihr Kopf nun noch stärker schmerzte, nahm sie zwei Ibuprofen und ging wieder ins Bett. Sie verschlief den Dienstbeginn, sodass sich Tim und Owen sorgten. Dass ihre Sorgen berechtigt waren, stellten sie eine Stunde später fest. Paddy betrat gerade den Raum und hielt sich einen Kühlbeutel auf den Hinterkopf.

„Was ist passiert?", fragte ihr Vater sofort.

„Ausgerutscht im Bad, geht schon. Den da zieh ich immer noch ab", meinte sie siegessicher, während sie auf Owen deutete.

Dieser hingegen wollte nicht schon wieder einen Streit. Tief im Inneren seines Herzens mochte er diese Frau, er wollte und konnte ihr nicht noch einmal wehtun. Daher wiederholt er seine Entschuldigung: „Hör zu, bitte. Ich entschuldige mich bei dir, war nicht so gemeint. Gestern warst du, glaub ich, zu betrunken, um etwas mit zu bekommen."

Leicht zynisch entgegnete Paddy: „Doch, hab ich mitbekommen. Damit würde ich das Thema gerne beenden, wir haben eine Aufgabe."

„Aber du kannst doch so nicht arbeiten", meinten Tim und Owen gleichzeitig.

„Doch ich kann und ich werde", entgegnete Paddy nur.

Insgeheim wollte sie den Tag gestern einfach nur vergessen. Sie hatte sich so auf den neuen Kollegen gefreut. Irgendwie hatte sie sich Hoffnung gemacht, er könne zumindest ein Freund von ihr werden. Als sie ihn sah, war sie beeindruckt, besonders von seinem muskulösen Erscheinen und den grünen Augen. Leider verlief das erste Treffen nicht nach Plan, daher wollte sie einfach noch einmal neu mit ihm anfangen. Obwohl sie betrunken war, erinnerte sie sich an den Arm auf ihrem Schultergürtel und – ob sie wollte oder nicht – sie hatte diese Geste gemocht. Owen seufzte kurz und ging dann mit ihr zum Simulator. Dort würden sie die meiste Zeit verbringen, um alles zu testen. Wie erwartet, fand sich Paddy spielend zurecht. Doch ihre Kopfschmerzen nahmen zu, als sie Wirkung der Tabletten nachließ. Owen begann sich zu sorgen.

„Geht's dir gut?", fragte er sie mehrmals, doch sie nickte nur.

Als sie sich dann nicht mehr richtig konzentrieren konnte, wurde es ihm zu viel: „Ich bring dich jetzt heim oder zum Arzt."

„Freut dich sicher, dass ich Fehler mache", meinte sie trotzig, entschied sich aber dann doch dafür nachhause zu fahren.

„Nein, darüber freue ich mich ganz und gar nicht. Komm, ich bring dich heim", schlug Owen ihr vor.

Erst wollte sie sich weigern, doch das Stechen in ihrem Kopf nahm zu, sodass sie das Angebot annahm. Ab dem Zeitpunkt glaubte Owen ein Déjà-vu zu haben. Erneut musste er Paddy kurz stützen, ihre Beine gehorchten ihr nicht wie gewohnt. Diese Hilflosigkeit ärgerte Paddy zutiefst, dennoch mochte sie es, von ihm berührt zu werden. Schon wieder regnete es in Strömen, sodass beide glitschnass in Paddys Wohnung ankamen. Während sich Paddy im Bad schnell umzog, sah sich Owen kurz in ihrer Wohnung um. Sein Blick schweifte über die Couch, den Fernseher und gelangte schließlich zu einem Bild an der Wand. Es zeigte die strahlende Paddy beim Klettern ohne jegliche Sicherung.

„Du kannst wohl gut klettern, oder?", fragte Owen sie, als sie wieder zu ihm kam.

„Ja, war ne schöne Zeit damals", antwortete sie und kam dann ins schwärmen: „Das Bild wurde an den Waxensteinen aufgenommen. Wir, also die Kinder einer meiner Eltern bekannten Familie und ich, haben so oft wie möglich Zeit im Berg verbracht."

Flüchtlinge der ErdeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt