Kapitel 16

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„Owen bedrängt mich, ich kann mich nicht gegen ihn wehren, ich bin zu schwach. Ich versuche alles zu tun, um ein Eindringen seines Penis zu verhindern, aber ich schaffe es nicht. Auch meine Schreie verhallen ins Leere, wir sind ganz alleine. Auf ihn Einlassen kann ich mich nicht, ich gerate in Panik und hyperventiliere. Da mein Körper für eine derart heftige Atmung nicht ausgelegt ist, verliere ich langsam das Bewusstsein. Irgendwie bin ich froh darüber, so bekomme ich die Vergewaltigung nicht mit. Doch dann spüre ich, dass ich hochgehoben und auf ein Bett gelegt werde. Eine große Hand streicht mir über die Wange und fleht mich an zu kämpfen. Die Stimme, die zu mir spricht ist weich, sie teilt mir mit, dass sie mich liebt. Es ist jedoch dieselbe Person, die mich zuvor vergewaltigen wollte – Owen. Ich verstehe nichts mehr. Er drückt mir einen sanften Kuss auf die Stirn, während ich etwas Nasses spüre. Als ich meine Augen wieder öffnen kann, sehe ich, dass Owen weint, seine Augen sind rot gequollen. Mein innerster Wunsch ist es, ihn zu umarmen, egal, was er mir vorher antun wollte. Doch ich kann sich nicht bewegen, keinen Millimeter. Meine Angst vor Owen wächst trotz seinen Tränen. Plötzlich dringt eine besorgte Stimme zu mir durch, die meinen Kosenamen ruft."

„Paddy, hey, was ist los, alles gut", flüsterte Owen Paddy zu, die am ganzen Körper stark zitterte. Es war ihm bewusst, dass sie irgendetwas Schreckliches träumte.

Dann schlug sie die Augen auf und sah ihn ängstlich an. Als er ihr über die Wange strich, trat sie jedoch nach ihm. Zu diesem Zeitpunkt, konnte sie Realität und Traum noch nicht auseinander halten, regelrechte Panik ergriff sie.

„Paddy ruhig!", sagte er nun energischer zu ihr, während er sie mit seinen muskulösen Armen festhielt.

Allmählich beruhigte Paddy sich, sie war nun vollständig wach.

Owen atmete tief ein, ließ sie wieder los und fragte nach dem Grund.

„Ich..., ich hab Müll geträumt", stotterte Paddy. Kurz hatte sie überlegt ihm die Wahrheit zu sagen, wollte es dann aber nicht tun. Sie wusste, dass er sie niemals vergewaltigen würde.

„Was für ein Müll? Was war los, erzähl's mir", forderte er jedoch weiter von ihr.

Paddy stockte, entschied sich dann aber für die Wahrheit: „Ich... Ich hab geträumt, dass du mich... vergewaltigen willst. Doch dann hast du dich um mich gekümmert, geweint, während ich gelähmt war."

„Dass ich dich... vergewaltigen will?", wiederholte Owen ungläubig. Er zog sie in seine Arme und sprach weiter: „Ich werde nie etwas gegen deinen Willen tun, versprochen, schon gar nicht so etwas Schreckliches. Was das andere betrifft, so habe ich eine Vermutung. Hermann hat mir erzählt, dass Komapatienten ihre Umwelt unterbewusst wahrnehmen. Ich bin dir zu der Zeit nicht von der Seite gewichen und habe tatsächlich geweint." „Auch meine Wange gestreichelt und mich auf die Stirn geküsst?", fragte Paddy nach.

„Ja, das hab ich. Dann hatte er also doch Recht", stellte Owen fest, während seine Freundin erleichtert durchatmete.

„Und jetzt schläfst du noch weiter, es ist zu früh um aufzustehen", schlug Owen vor.

Paddy nickte und bat ihn, sie nicht alleine zu lassen.

„Ich bleib bei dir, genau so", versprach er ihr. Wieder erleichtert und entspannt schloss Paddy die Augen und schlief schnell in seinen Armen ein. Owen hingegen beschäftigte sich noch immer mit dem ersten Teil ihres Traumes. „Wie kommt sie darauf, dass ich sie vergewaltige? Ich habe nie in ihrem Koma auch nur annähernd etwas in der Richtung getan. Habe ich sie gestern zu sehr bedrängt und etwas gefordert, was sie nicht wollte?" Er beschloss ihr die letzte seiner Fragen zu stellen, wenn sie wieder aufwachen würde. Seine Müdigkeit war verflogen. Mehrere LED-Lichter gaben ein schummriges Licht von sich, sie waren gedimmt. Owens Augen hatten sich bereits daran gewöhnt, die Paddy nicht aus den Augen ließen. Der Anblick erinnerte ihn wieder an die Zeit auf der Intensivstation, als sie ihn mit den Augen gebeten hatte, sie zu umarmen, um anschließend ebenfalls zu schlafen.

Flüchtlinge der ErdeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt