Jeden Tag reduzierte Hermann die Atemunterstützung, jeden Tag musste Paddy sich mindestens eine Stunde stark anstrengen. Zur Mittagszeit schlief sie meistens, sodass Owen wenigstens dann eine Mahlzeit zu sich nahm. Die restliche Zeit verbrachte er ausschließlich an oder in Paddys Bett. Am dritten Tag war ein kleiner Erfolg zu verzeichnen, Paddy konnte ihre Finger ein klein wenig bewegen. Weitere vier Tage später gelang es ihr sogar, ihre Arme zu bewegen, wenn auch unter Anstrengung. Auch ein wenig leises Sprechen gelang ihr. Mittlerweile reichte auch ihre Spontanatmung aus, sodass Hermann sie endlich von der Beatmungsmaske befreite. Auf den Augenblick hatten sich beide schon sehr gefreut. Owen, der neben ihr lag, strich ihr zunächst über die Wange und seine Hand wanderte dann zum Hinterkopf in ihre Haare. Paddy blickte ihm vertrauensvoll in seine grünen Augen. Während er sich ihrem Gesicht nährte, schlossen beide die Augen und spürten den warmen Atem des jeweils anderen. Als Owen seine Lippen auf Paddys presste, explodierte ein Feuerwerk in ihr. Das Gefühl war für beide unglaublich schön. Als sie voneinander abließen, musste Paddy keuchen, lange die Luft anhalten konnte sie noch nicht. Doch ihre Freude war unbeschreiblich. Langsam legte sie ihre Hand in Owens Nacken und versuchte ihn erneut zu sich heran zu ziehen. Er kam ihrer Aufforderung nach und sie küssten sich erneut. Ihre Atemprobleme waren Paddy in dem Moment egal. Jedoch musste sie anschließend wieder heftig keuchen, sodass Owen meinte: „Wir sollten es nicht übertreiben, du musst erst gesund werden."
Traurig nickte die Angesprochene und flüsterte: „Ich liebe dich!"
Owens Herz vollzog einen Freudentanz, er wusste genau, wie er darauf reagieren wollte: „Ich dich auch!"
Die nächsten beiden Tage gab Owen ihr zu trinken und fütterte sie. Hierzu setzte er sich aufs Bett und nahm ihren Oberkörper hoch, sodass ihr Rücken gegen seiner Brust lehnte. Mit einem Strohhalm gestaltete sich das Trinken einfach, auch Essen war so kein großes Problem. Paddy hasste ihre Hilflosigkeit, dennoch genoss sie seine Fürsorge. Beim Küssen musste sie nicht mehr keuchen, was sie sehr freute. Ihr Zustand verbesserte sich immer weiter. Zunächst musste Owen nur noch als Stütze fungieren, dann konnte sie endlich alleine sitzen. Zwar schlief sie noch immer viel, aber sie wollte endlich dieses Bett verlassen können. Lara besuchte oft ihre Tochter, die jedoch nur Augen für Owen hatte. Sie konnte es verstehen, schließlich waren die beiden frisch verliebt. Ihr Team schlief mittlerweile wieder in den Longsleep-Kammern.
Elf Tage, nachdem sie wieder zu sich kam, startete sie den ersten Versuch aufzustehen. Dieser scheiterte jedoch kläglich, ihre Beine gehorchten ihr überhaupt nicht. Doch Paddy wäre nicht Paddy, wenn sie sich geschlagen gäbe. Immer wieder versuchte sie es mit der Hilfe von Owen, der sie festhielt. Am Abend gelang es ihr endlich einigermaßen sicher zu stehen. Weitere drei Tage benötigte sie, da konnte sie mit Owens Unterstützung bis zum Kontrollraum laufen. Den Blasenkatheter hatte Hermann bereits am Vortag entfernt, sodass sie sich frei bewegen konnte. Dort angekommen, musste sie sich erst einmal hinsetzen, ihre Beine brannten, als wäre sie 10km im Eiltempo gelaufen. Ihre Kollegen begrüßten sie dort freudig, auch sie hatten sich Sorgen um die Kapitänin gemacht, aber auch um Owen. Nur die Beiden hatten die Landung sehr intensiv geübt, jeder wusste, dass nur die Beiden das Raumschiff sicher landen könnten. Überglücklich rief Paddy einige Verlaufsdaten im Computer auf. Nach kurzer Durchsicht, kam sie zu dem Ergebnis, dass alles in Ordnung war. Dies sollte sich jedoch auf ihrer Reise noch gewaltig ändern.
„Paddy, wir sollten zurück", meinte Owen nun zu ihr.
Sie nickte und ging auf wackligen Beinen zurück. Sie lag mittlerweile auf der Normalstation der Krankenabteilung, eine intensive Überwachung war nicht mehr nötig.
Zurück im Zimmer packte Owen Paddy um die Taille und hob sie ins Bett. Sie sah ihn ein wenig ängstlich an.
„Vertraust du mir?", fragte er flüsternd und Paddy nickte. Während er sie vom Hals über die Brust hin zu ihren Oberschenkeln küsste, zog sie ihm das Shirt aus und warf es aufs Nachbarbett. So langsam aber sicher musste Paddy aufpassen, dass ihre Gedanken nicht davon plätscherten.
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Flüchtlinge der Erde
Science FictionDas Klima wird immer extremer auf der Erde, sodass die NASA nach einem neuen erdähnlichen Planeten sucht. Dieser ist mit Kepler-422b schnell gefunden; die Entwicklung des Raumschiffes mit allen technischen Funktionen dauert hingegen mehrere Jahrzehn...
