Kapitel 11

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„Sie krampft", rief ein Arzt und verabreichte Paddy eine Spritze.

Owen, der noch immer ihre Hand hielt, spürte, dass sie ruhiger wurde. „Was ist mit ihr?", fragte er nun.

„Das ist ein gutes Zeichen", erklärte ihm der Arzt, doch Owen sah ihn nur fragend an.

„Botulinum hemmt die Ausschüttung von Acetylcholin und lähmt damit die Muskeln. Doch ihr Zittern zeigt, dass die Wirkung des Toxins nachlässt."

Owen musste erst einmal tief durchatmen, um seine Worte zu begreifen. „Soll heißen, sie wird wieder?", fragte er vorsichtig, woraufhin Hermann nickte. Eine unheimliche Freude machte sich in seinem Körper breit. „Hörst du Paddy, du wirst wieder. Kämpf weiter", sprach er nun zu seiner Angebeteten und küsste sie mehrmals. Aber es sollte noch ein langer Kampf werden.

Lara fand nicht heraus, wie das Toxin in das Serum der  Charge gelangen konnte. Aber nachdem alle anderen Chargen überprüft wurden, deren Tests allesamt negativ ausfielen, konnten die Seren wieder genutzt werden. Nur Paddy konnte es aufgrund ihres Zustandes nicht verabreicht werden. Daher weigerte sich auch Owen es sich zu spritzen.

„Owen, du musst etwas essen und eine Crew wecken", meinte Lara plötzlich, die im Raum stand.

Nachdenklich nickte er, denn er hatte fast nur Wasser getrunken und kaum Essen zu sich genommen.

„Ich bleib bei ihr", versprach Lara, als Owen aufstand und zögerlich zwischen Lara und Paddy hin und her schaute.

Im Kontrollraum entschied er sich, die nächste Crew vorzeitig zu wecken. Dieser erklärte er im Anschluss die Situation. Sie zeigten großes Verständnis und übernahmen Owens und Paddys Aufgaben. Nach einer kurzen Mahlzeit ging Owen wieder zurück zur Intensivstation. Weitere 4 Tage musste er warten, bis sich Paddys Zustand endlich änderte. Noch intubiert, fing Paddy plötzlich an mit den Augenliedern zu zucken.

Sie wusste überhaupt nicht, was mit ihr geschehen war. Sie fühlte einen Schlauch ihrem Mund, während sie versuchte, ihre Augen zu öffnen. Dann spürte sie eine große Hand an ihrer Wange und nahm die Worte nur dumpf war: „Gott sei Dank, Paddy. Sie ist wach." Im selben Moment überkam sie der Würgereflex, sie wollte den Tubus aus ihrem Rachen ziehen, doch sie konnte ihre Hände nicht bewegen. Endlich gelang es ihr zumindest ein Auge zu öffnen. Paddy sah zuerst in Owens besorgtes, aber glückliches Gesicht und dann in ein Unbekanntes. Der Unbekannte entfernte ihr den Schlauch, doch erneut ergriff die Panik sie, sie hatte das Gefühl zu ersticken.

„Was ist mit ihr?", rief Owen, dem der Zustand gar nicht gefiel.

Hermann jedoch blieb ruhig, tippte schnell etwas auf dem Monitor des Beatmungsgerätes ein und drückte Paddy eine Beatmungsmaske ins Gesicht. „Sie kann noch nicht alleine atmen. Das Toxin ist noch nicht vollständig abgebaut und auch nach einer längeren Intubation ist ein Weaning notwendig. Sie muss quasi wieder lernen selbst zu atmen", erklärte Hermann.

Für Owen klang dies schrecklich, genau wie für Paddy, die nur einzelne Satzphrasen verstand. Zwar bekam sie wieder Luft, aber angenehm fühlte sich das nicht an. Außerdem verstand sie nicht, warum sie sich nicht bewegen konnte. Sie spürte zwar Owens Hand an ihrer, aber ihr wollte es einfach nicht gelingen, diese zu bewegen.

Unterdessen meinte Hermann, Owen sollte ihr die Situation erklären, woraufhin er sich Paddy zuwandte. Paddy sah ein Lächeln in seinem Gesicht, das jedoch verschwand, als er ihr die Situation erklärte: „Das Serum enthielt ein Gift, das hat deinen Körper gelähmt. Leider existiert kein Gegengift, dein Körper musste allein damit fertig werden. Du hattest zu Beginn einen Herzstillstand, aber Hermann gelang es, dich wieder zurück zu holen. Neun Tage lagst du hier."

Flüchtlinge der ErdeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt