Kapitel 19

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Nach einem langen Schlaf erwachte Owen zuerst. Paddy zitterte neben ihm.

„Ich bin da", flüsterte er ins Ohr, während er sie halb auf sich zog.

Zum Glück beruhigte sich Paddy schnell und wachte nach kurzer Zeit ebenfalls auf.

„Hey, meine Kleine, alles gut?", fragte er sie.

Die Gefragte nickte leicht und legte ihren Kopf wieder auf seine Brust. Sie spürte seine Atembewegung und seine Hand, die auf dem Kopf ruhte. Dann hob er sie leicht hoch und legte sie neben sich.

„Ich hole uns etwas zu essen. Was möchtest du?", fragte Owen nun und stand auf. Paddy war ganz verwundert über die Frage, sie hatte diese in den letzten Wochen nie gehört.

„Such du aus", antwortete sie schließlich völlig überfordert.

Owen lächelte und kam nach kurzer Zeit mit einem vollen Tablett zurück. „So viel kann ich gar nicht essen", meinte Paddy nun.

„Geh es langsam an, jeden Tag bisschen mehr", schlug Owen vor. Sie nickte langsam, während Owen sich fragte, ob er nach den Geschehnissen der letzten Woche fragen sollte. Er entschied sich jedoch dagegen. „Wenn Paddy reden möchte, tut sie das von alleine. Ich darf sie nicht drängen."

Paddy aß ein Brötchen und noch einen Apfel, mehr schaffte sie nicht. Dann blickte sie in Owens Augen.

Dieser legte eine Hand auf ihre Wange und fing leise an zu sprechen: „Ich liebe dich schon, seit wir uns kennen lernten. Dann kam der Unfall mit dem Serum. Schon alleine der Gedanke, dass du nicht mehr da sein könntest, hat mir mehr Angst gemacht, als alles was ich vorher erlebt habe. Dein Lächeln nie wieder zu sehen. Deine Stimme nie wieder zu hören, nie wieder in deine Augen zu sehen. Das wäre die größte Strafe für mich. Nie würde ich irgendetwas tun, dass dir Schmerzen egal welcher Art verursachen würde. Paddy... Ich kenne dich jetzt schon lange. Es fühlt sich manchmal wie eine Ewigkeit an und ich kenne mich noch viel länger. Ich habe sowas noch nie gefühlt. Ich habe noch nie so um jemanden gebangt. Nie so viel an jemanden gedacht. Und noch nie wollte ich jemanden so sehr küssen, wie ich dich gerade küssen will."

„Dann tu es doch", flüsterte Paddy und sah ihn gespannt an. Sie schloss ihre Augen, er tat es ihr gleich. Ein Kribbeln flutete Paddys Bauch, wie sie es bei ihrem ersten Kuss gefühlt hatte. Seine rechte Hand schlang sich um ihre Taille und zog sie näher an sich heran, seine linke Hand fuhr in ihre Haare. Jede seiner Berührungen ließ Paddys Haut prickeln. Sie hatte sich nie nach etwas so sehr gesehnt, wie nach diesem Kuss nach all den Strapazen. Sein typischer Geruch stieg ihr in die Nase. Ihr Herz raste und Paddy begann zu zittern, doch Owen hielt sie fest. Ihre Nasenspitzen berührten sich und dann streiften seine Lippen Paddys. Erst streiften sie sie wirklich nur. Trotzdem begann schon jetzt Alles in ihr zu beben. Paddy atmete so schnell wie nie zuvor, als er endlich seine Lippen auf ihre presste. Sie schmeckte ihn. Er schmeckte nach Brötchen, nach Wurst und nach so vielen anderen Dingen, die sie nicht auf Anhieb erkannte. Paddy legte ihre Hände auf seine Brust und spürte wie sein Herz raste. Wieder begann sie zu weinen. Warum wusste sie nicht, aber es tat gut.

Owen war kurz verunsichert, deutete die Tränen aber als Freudentränen oder als eine Last, die von ihr abfielen. Irgendwie traf beides zu. Paddy war sicher in seinen Armen und das wusste sie. So lange er an ihrer Seite war, konnte ihr niemand mehr etwas anhaben. Owen legte all die Gefühle in den Kuss und auch Paddy versuchte ihm mit dem Kuss zu zeigen, wie viel er ihr bedeutete. Ihm gehörte ihr Herz. Seit sie sich das erste Mal gesehen hatten, gehörte ihm alleine ihr Herz. Sie zog ihn noch näher zu sich. Der Abstand zwischen ihnen konnte gar nicht klein genug sein. Als er sich von ihr löste, keuchte Paddy. Er grinste.

„Du bist wunderschön", meinte Owen und küsste sanft ihre Stirn. Paddy strahlte ihn nun an.

Flüchtlinge der ErdeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt