Schließlich begann Tag 196, 23 Jahre nach dem Start. Es sollte der Schrecklichste in der Geschichte des Raumschiffes werden. In dieser Nacht träumte Paddy davon, dass Owen tot wäre. Sie ahnte nichts Gutes, ihre Angst um ihn sollte berechtigt sein, ihr Traum sollte real werden.
Am Morgen verlief alles so wie immer, nur dass sich Owen und Paddy der Nähe des roten Zwergs bewusst waren. Sie wollten daher den ganzen Tag im Kontrollraum verbringen. Die leichten Vibrationen nahmen immer mehr zu, es fühlte sich an wie ein nicht endendes Erdbeben. Bis jetzt liefen alle Systeme stabil, kein Ausfall wurde gemeldet. Dann plötzlich wurden direkt mehrere Ausfälle auf einmal gemeldet, es wurden immer mehr. Paddy traute ihren Augen nicht, dort standen plötzlich 71 Systemausfälle.
„Owen, was geht hier vor sich?", traute sie Besagten endlich zu fragen.
Auch dieser saß in einer Art Schockstarre vor dem Bildschirm. Owen zuckte mit den Schultern. „Komisch, kein Ausfall des Reaktors. Dort war doch das Loch im Rumpf." Das war Paddy noch gar nicht aufgefallen.
„Meinst du, der Typ treibt sein Unwesen?"
„Nein, er hat keinen Zugang. Wir müssen wieder den Fehler finden."
„Aber wie?", fragte Paddy verzweifelt, denn in vielen Bereichen des Schiffes war der Strom komplett ausgefallen. Daher würden sich auch die entsprechenden Türen nicht öffnen lassen.
„Vielleicht geht es ja mit einem Kurzschluss oder eben hydraulisch", schlug er vor.
„Aber was, wenn das Loch so groß ist, dass wir hindurch gesogen werden?" Paddys Sorge in der Beziehung fand Owen berechtigt, doch er wusste in dem Moment keine adäquate Lösung. Sie hingegen schon. „Ich hol mein Kletterzeug, wir seilen uns an und sichern uns gegenseitig."
Owen fand diesen Vorschlag sehr gut. Nachdem sie sich den Klettergurt umgelegt hatten, machten sie sich auf die Suche nach dem Fehler. Ihre erste Vermutung war dennoch der Kontrollraum des Reaktors, doch hier schien alles in Ordnung zu sein. Dann bemerkte Owen einen dünnen Riss, der jedoch nur an der Innenhaut des Schiffes war. Dennoch verschloss er diesen Riss mit der speziellen chemischen Substanz. Im ganzen Maschinenraum konnten sie keine Auffälligkeiten ausmachen.
„Viele Ausfälle hingen mit den Schlafkammern zusammen", merkte Paddy plötzlich an.
„Ok, dann lass mal dort nachsehen. Arbeiten wir uns durch die Ebenen von oben nach unten." Bei dem Gedanken das Schiff könnte ein Loch in einen der Schlafräume haben, bekamen beide Beklemmungen. Sie waren schließlich für die Passagiere verantwortlich. Die oberen Etagen waren unauffällig, doch je tiefer sie kamen, umso wärmer wurde es. Die beiden hatten eine Sache nicht bedacht: Ein Loch im Schiff würde auch die heißen Wärmestrahlen des roten Zwergs hindurch lassen. In der 21. Etage bemerkte Owen die Ausläufe eines Risses. Sie sahen sich an und wussten, ab hier geht es so nicht weiter.
„Ich weiß nicht, wieviel Hitze die Raumanzüge aushalten, aber wir müssen die jetzt nutzen."
Paddy nickte. Gemeinsam gingen die Beiden wieder Richtung Kontrollraum. Nebenan lag ein kleiner Raum, in denen die Raumanzüge aufbewahrt wurden. Sie halfen sich gegenseitig diese anzuziehen. Dann begaben sie sich auf Etage 20. Dort sahen sie das ganze Ausmaß der Zerstörung. Vorsorgehalber stand Owen in der Tür, Paddy hielt ihn von hinten fest am Seil, dass sie zusätzlich an einem Stahlträger befestigte. Das Schiff besaß ein großes Loch, zahlreiche Kammern waren weggerissen worden. Das Loch hatte so einen großen Durchmesser, dass die Beiden befürchteten, weitere Etagen könnten betroffen sein. Zum Glück stellte sich die Befürchtung nicht als wahr heraus.
Zurück im Kontrollraum berieten die Beiden die Lage. Wichtige Kabel waren durchtrennt worden, auch jene, die die Menschen in den darunter liegenden Etagen wecken sollten.
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Flüchtlinge der Erde
Fiksi IlmiahDas Klima wird immer extremer auf der Erde, sodass die NASA nach einem neuen erdähnlichen Planeten sucht. Dieser ist mit Kepler-422b schnell gefunden; die Entwicklung des Raumschiffes mit allen technischen Funktionen dauert hingegen mehrere Jahrzehn...
