Kapitel 17

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Der Flug verlief weiterhin ruhig, es gab keine Zwischenfälle mehr. 7 Jahre später, als 22 Jahre nach dem Start übernahm Paddy mit Michael die Schicht. Die beiden kannten sich nur vom Sehen. Sofort fielen ihr die hellblauen Augen auf, die ein Kribbeln in der Magengegend verursachten.

„Nicht schon wieder", sagte sie zu sich selbst. Paddy hatte die Beziehung zu Owen noch nicht ganz verkraftet, doch Michael ließ ihr Zeit. Morgens brachte er ihr sogar Frühstück ans Bett. Allmählich öffnete sie sich ihm immer mehr und erzählte von den Geschehnissen an Bord.

„Sicher, dass er überhaupt noch einmal Schicht übernehmen soll?", fragte Michael nun, der ziemlich geschockt über Owens Vorgehensweise war.

„Ja, er kann nichts mehr anstellen. Sonst müsste ich alles umändern", antwortete Paddy überzeugt.

Nach zwei Wochen lud Michael Paddy offiziell auf ein Essen ein. Sie hatten also ihr erstes Date. Paddy war unheimlich nervös, sie spielte fortwährend mit ihren Haaren. Ein wenig unterhielten sich die Beiden über ihr vorheriges Leben auf der Erde und beschäftigten sich bereits mit dem Kommenden auf Kepler-442b.  Nach dem Essen gingen sie gemeinsam in den Pool schwimmen. Michael schwamm genau auf Paddy zu, nahm ihren Kopf sanft in seine Hände und küsste sie. Innerlich explodierte ein Feuerwerk in ihr, genau wie bei Owen. „Denk nicht dauernd an Owen", ermahnte sie sich selbst. Endlich hatte sie jemanden gefunden, der sie ohne Scheinheiligkeit liebte. Paddy war darüber extrem glücklich. Auch Michael genoss ihre Nähe, sie lebten ein vom Zufall geschenktes Glück. Michael akzeptierte die unangefochtene Stellung von Paddy als Kapitänin im Kontrollraum, zumindest glaubte sie das.

Nach einem halben Jahr zeigte Micha – so nannte Paddy ihn – sein wahres Gesicht.

„Kannst du meine ID für den Vollzugriff eingeben?", fragte er sie.

Paddy hatte bei allen überlebenswichtigen Funktionen eine Sperr-ID hinzugefügt, genau wie beim Autopiloten. Doch sie lehnte sein Begehren ab. Owen hatte sie noch länger gekannt als Micha und ihm konnte sie nicht vertrauen.

„Wie nein?", schrie nun Micha die völlig überraschte Paddy an, während er sie festhielt.

„Du tust mir weh!", sagte Paddy so ruhig wie möglich, doch innerlich kochte sie vor Wut.

Diese nahm bei seinem nächsten Kommentar zu: „Ach ja? Gut so! Du musst lernen, wer hier der Boss ist. Wenn ich sage, du gibst mir den Code, dann tust du das! Hast du mich verstanden?", fragte er. So einen Ton hatte er noch nie gegenüber Paddy angeschlagen.

Verwirrt sah sie ihn an. „Du spinnst doch", entgegnete sie ihm daher nur und entwand sich seinem Griff.

„Ich habe gesagt, du hörst auf mich!", schrie er  nun und schlug zu, eine saftige Ohrfeige mitten ins Gesicht.

Sofort spürte Paddy wie ihr das Blut in die Wange schoss. Mit geöffnetem Mund sah sie ihn.

„Wenn du es nicht durch Worte verstehst, musst du es eben so lernen. Ich bin nicht mit dir zusammen, dass du mich ständig bevormundest. Ist das klar?"

Verschüchtert nickte Paddy.

„Und jetzt gibst du mir den Code!", forderte er sie mit lauter Stimme auf.

Paddy nahm jedoch allen Mut zusammen und sagte bestimmt: „Nein!" „Du wagst es mir zu widersprechen?", brüllte er und schlug sie wieder. Wieder und wieder, bis sie am Boden lag und sich nicht mehr bewegen konnte. Der Schmerz hatte sie eingenommen.

Da Paddy sich weiterhin weigerte, schlug Micha sie weiterhin. Den Zutritt zum Kontrollraum verweigerte er ihr gänzlich. Sie begann in einem kleinen Kraftraum zu trainieren, sie musste dringend körperlich stärker werden. Doch die Schläge schwächten ihren Körper immer mehr. Immer wieder prügelte er sie bis zur Bewusstlosigkeit. Das Training zehrte zusätzlich an ihrem Körper, genau wie der Essensmangel. Micha schrieb ihr genau vor, was sie zu essen hatte, meist Dinge ohne Zucker und Fett. Er wollte aus ihr quasi ein Magermodel machen. Immer wieder bekam sie beim Training Kreislaufprobleme, doch Micha erlaubte ihr sowieso immer weniger auch nur irgendetwas zu tun. Dafür nutze er sie als ihr Sexspielzeug. Anders konnte Paddy es nicht nennen. Sie vermisste Owens Sanftheit, jetzt wusste sie, wie sich Vergewaltigungen anfühlten.

„Ob ich die Zukunft geträumt habe mit einem falschen Mann?", fragte sie sich immer wieder. Sie bekam Zweifel an der Theorie, dass Owen Sabotage betrieb und sie nur deshalb scheinheilig liebte. All sein Verhalten hatte zu keinem Zeitpunkt einen solchen Anschein gemacht – ganz im Gegensatz zu Michaels. Zudem gab sich Paddy immer mehr die Schuld am Tod ihrer Kollegen, sie war schließlich die Kapitänin des Schiffs und sah Michas Verhalten als höhere Strafe.

Flüchtlinge der ErdeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt