Kapitel 25

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Hermann ging zurück zur Intensivstation, er wollte ein wenig Aufräumen. Dort fand er die bewusstlose Paddy, die kaum noch atmete. Zum Glück registrierte er sofort das Fentanyl und die Spritze in ihrem Arm. Bevor er Paddy irgendwie untersuchte, lief er zum Medikamentenschrank und griff zielsicher nach Naloxon, ein Opioid-Antagonist. Dieses kann die Wirkung von Fentanyl aufheben. Hermann spritzte ihr sofort das Gegenmittel und trug sie auf das unbenutzte Bett. Dort schloss er sie an die wichtigsten Geräte an. Tatsächlich kam Paddy wieder relativ schnell zu sich.

„Warum hast du mich nicht sterben lassen?", fragte sie ihn direkt.

„Weil er dich braucht!"

Paddy verstand seine Worte nicht. „Er ist doch tot", schluchzte sie. Es zerriss ihr das Herz, sie weinte wieder bitterlich.

„Wie tot? Er lebt."

Entgeistert sah Paddy Hermann an.

„Du hast richtig gehört, er lebt. Er hatte vor ein paar Stunden einen Herzstillstand, aber wir haben ihn erfolgreich reanimiert."

Paddy traute seinen Worten nicht. „Er will mich nur beruhigen", dachte sie und hakte nach: „Wieso ist er nicht hier?"

„Er liegt im Medicus." Hermann spürte, dass Paddy ihm nicht wirklich vertraute. Also fügte er noch hinzu, dass sie sich davon selbst überzeugen könne.

Sofort nickte Paddy, sie schöpfte neue Hoffnung. Hermann holte schnell einen Rollstuhl, setzte sie in diesen und schob sie zum Medicus. Darin lag Owen tatsächlich. Paddy sah die Heb- und Senkbewegung vom Brustkorb und wusste, dass Hermann sie nicht anlog.

„Oh Gott", flüsterte sie einfach nur.

„Ich lass dich hier, aber nur, wenn du mir versprichst, so etwas nicht mehr zu tun."

Paddy nickte und ließ sich näher an den Medicus heran schieben. Da es sich um eine geschlossene Apparatur aus vielen Glasscheiben handelte, konnte sie ihn nur sehen, nicht berühren. Das Einzige, was sie tun konnte, war zu ihm sprechen und das tat sie.

„Es tut mir leid, verzeih mir. Hör zu, du darfst nicht sterben. Ich möchte nicht ohne dich leben. Ich habe Hermann versprochen, dass ich es nicht mehr versuche mich umzubringen. Dieses Versprechen kann ich nicht halten, wenn du stirbst. Also bleib bei mir." Paddy sprach leise, ihre Stimme zitterte.

Hermann ließ sie alleine, doch er machte sich Gedanken, um Paddy, um Owen und um das Schiff. Niemand überwachte den Autopiloten, niemand außer Paddy könnte im Notfall eingreifen. Doch Paddy wäre in dem Moment nicht in der Verfassung gewesen, wenn ein Notfall eingetreten wäre. Hermann wollte gar nicht weiter darüber nachdenken und verließ den Raum, um sich etwas zu Essen zu holen.

Paddy hatte gar nicht bemerkt, dass sich noch jemand mit ihr im Raum befand. Es handelte sich jedoch nicht um einen Arzt, nein, es handelte sich um den Saboteur höchst persönlich. Plötzlich hörte Hermann einen Schrei. Diesen konnte er Paddy zu ordnen und sprintete sofort los. Als er die Tür zum Raum öffnete, traute er seinen Augen nicht. Paddy stand vor Owen, ihre Augen weit geöffnet. Seitlich vor ihr stand ein Mann, der Hermann den Rücken zudrehte.

„Was geht hier vor sich?", fragte er die Beiden und stellte sich zu Paddy.

„Ich wollte mich entschuldigen", sprach der fremde Mann.

„Wofür...?", fragte Hermann, doch Paddy unterbrach ihn: „Das ist der Saboteur, entweder Dani oder Lukas."

Hermanns Kinnlade fiel sichtlich herunter und auch seine Augen wurden größer. Ein paar Sekunden herrschte absolute Stille. „Wir verlassen den Raum", bestimmte Hermann nun. Er hatte bemerkt, dass der Owens Puls gestiegen war. Offensichtlich bekam er im Koma doch einiges unterbewusst mit.

Flüchtlinge der ErdeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt