Hermann war verwirrt als er aufwachte. Allmählich begriff er, dass sein Erwachen aus einem Notfall resultierte. Also ging er trotz seiner Müdigkeit zur Krankenstation, wo er eine weinende Paddy vorfand.
„Was ist passiert?", fragte er sie, als er sah, dass Owen im Medicus beatmet wurde.
„Er hat das Schiff repariert. Sein Anzug ging wohl kaputt und sein Seil riss", schlurzte Paddy.
„Ok, du musst jetzt vom Medicus weg. Ich werde ihm jetzt einen Tubus legen und weiter untersuchen."
Da sie sich aber nicht bewegte, fasste er sie an der Schulter und schob sie zu einem Stuhl in der Ecke. Hermann beendete die Tätigkeit des Medicus, legte ihm den Tubus und ließ ihn über dieselbe Beatmungsmaschine beatmen, die auch Paddy am Leben gehalten hatte. Dann schloss er sein EKG und Pulsoximeter an. Zusätzlich legte er einen Venenkatheter und gab Owen darüber eine Infusion. Anschließend zog er ihn vorsichtig in ein Bett und schob es auf die Intensivstation. Paddy folgte ihm, setzte sich an Owens Bett.
„Paddy, du musst mir eine Frage beantworten. Wie lang war er ohne Sauerstoff?"
Die Kapitänin musste erst einmal überlegen: „Als er nichts mehr gesagt hat, bis ich ihn drin hatte bestimmt 2 oder 3 Minuten. Dann habe ich hier reanimiert, bestimmt auch so 3 Minuten. Dann habe ich ihn zum Medicus geschleift, aber wie lange weiß ich nicht. Wird er wieder?"
Hermann hatte mit dieser Frage gerechnet. „Ok, das geht von der Zeit her. Aber ich weiß es ehrlich nicht. Er ist komatös. Ich will dir nichts vormachen, ich weiß nicht, wie stark sein Gehirn geschädigt wurde. Diesen Test werde ich morgen früh machen."
Paddy blickte niedergeschlagen zu Owen und flüsterte: „Er hat alle gerettet. Jetzt müssen wir ihn retten. Was wäre das Schlimmste?"
Hermann wusste in diesem Moment nicht, was er sagen sollte, entschied sich dann aber für die Wahrheit: „Wenn er überlebt, dann könnte das Schlimmste das Wachkoma sein."
Paddy schluckte, damit hatte sie nicht gerechnet.
„Ich werde ihm weiter das Serum verabreichen können", teilte der Arzt ihr noch mit und fragte dann nach ihrem Wohlbefinden.
„Darf ich hier bleiben?", fragte sie jedoch nur.
Hermann nickte, ihr Verhalten erinnerte ihn an Owen, als Paddy in dem Bett lag. „Leg dich zu ihm, schlaf bisschen", schlug er ihr vor und legte ein paar Kabel anders.
Sie legte sich neben ihm, kuschelte mit dem Kopf an seiner Schulter und weinte. Sie konnte seine Wärme spüren, aber nicht wie üblich. Eigentlich hätte sie zurück in den Kontrollraum gemusst, aber in dem Moment konnte sie das nicht. Tränen rannen ihr noch immer übers Gesicht, doch irgendwie schaffte sie einzuschlafen.
Hermann wollte sich in der Zeit im Bordbuch einen Überblick über die letzten Geschehnisse an Bord machen. Er konnte jedoch die Tür nicht öffnen, ihm fehlte der Sperrcode. Verwirrt ging er zurück zur Krankenstation. Er wollte Paddy nicht wecken, er war viel zu froh, dass sie schlief. Also bereitete Hermann ein EEG vor, um Owens Hirntätigkeit zu messen. Die Ausschläge im Bildschirm beruhigten ihn, es bedeutete, dass noch Hoffnung bestand. Dies teilte er auch Paddy mit, als diese wieder Stunden später aufwachte. Es bestätigte Hermanns Verdacht, dass sie völlig erschöpft war. Dann sprach er sie auf den Sperrcode an.
„Hier ist jemand an Bord, der immer wieder den Kurs genau auf den roten Zwerg geändert hat. Wo auch immer dieser jemand ist, wir mussten eine Lösung finden, dass er nicht mehr in den Kontroll- und Maschinenraum kam, daher der Sperrcode."
Hermann erschrak: „Ein blinder Passagier also?"
„Ja, aber nicht irgendeiner, er muss eine ID haben und wollte uns alle umbringen", gab Paddy zu bedenken. Außerdem sieht er so aus wie Dani, der zwischenzeitlich gestorben ist. Aber der Tote hat kein Muttermal, anders als Dani in der Kartei."
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Flüchtlinge der Erde
Science FictionDas Klima wird immer extremer auf der Erde, sodass die NASA nach einem neuen erdähnlichen Planeten sucht. Dieser ist mit Kepler-422b schnell gefunden; die Entwicklung des Raumschiffes mit allen technischen Funktionen dauert hingegen mehrere Jahrzehn...
