Kapitel 20

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„Wie jetzt", fragte Owen ganz erstaunt, als Paddy ihm die Hiobsbotschaft übermittelte. Paddy versuchte es erneut, doch wieder zeigte ihr der Computer nur „Zugriff verweigert" an.

„Verdammt, ich bin die Kapitänin", rief sie nun und schlug mit der flachen Hand auf den Bildschirm. Als sie den falschen Kurs sah, begann ihr Herz zu rasen, ihre Atmung beschleunigte sich zur Kompensation. Ihr Kopf fühlte sich hohl an, vor ihren Augen begann sich alles zu drehen. Owen bemerkte ihr Verhalten, griff nach ihrer Hand und drückte sie. Doch es half nicht, die Panik hatte ihren Körper fest im Griff. Aber ihr Körper hatte die Panik nicht unter Kontrolle. Dann spürte sie Owens Lippen auf ihren, nicht sanft, nein fest, dennoch küsste er sie leidenschaftlich. Es half ein wenig, sodass sie ihren Kopf gegen seine Brust legen konnte. Er hockte mittlerweile vor ihrem Stuhl, sodass sie ihren Kopf nur nach vorne senken musste. Langsam gelang es ihr, Atmung und Puls ihrem anzugleichen.

„Es reicht für heute", meinte er nun bestimmend, hob sie mühelos hoch und trug sie ins Schlafzimmer. „Bitte nicht jeden Tag", bat Owen innerlich, schmerzhaft erinnerte er sich an den vorangegangenen Tag. Er trug sie gerne. Dennoch wäre es ihm viel lieber, wenn er dies nicht aufgrund gesundheitlicher Probleme ihrerseits tun müsste. Er legte sie ins Bett, deckte sie zu und lächelte ihr aufmunternd zu.

„Wir steuern direkt gegen den roten Zwerg, genau wie die Titanic gegen den Eisberg. Der ganze Kampf war umsonst." Tränen rannen ihr übers Gesicht.

Tränen – die Owen immer weicher werden ließen. „Du darfst nicht aufgeben, wir schaffen das", doch seine Selbstsicherheit in der Stimme war verblasst. Mehrere Male küsste er sie, hielt ihren Kopf in seinen Händen.

Irgendwann ließ ihr geschwächter Körper die Augenlieder immer schwerer werden – sie hatte aufgegeben. Gleichmäßig ruhig atmete sich nun im Schlaf, der all ihre Sorgen zunächst vergessen ließ.

Owen, der Paddy eigentlich nicht alleine lassen wollte, entschloss sich trotzdem zum Kontrollraum zu gehen. Er wollte jede Möglichkeit nutzen, um wieder Zugriff aufs System zu erhalten. Doch egal was er tat, immer wieder erschien diese eine Meldung. Im Patch-Protokoll sah er schließlich den Grund: ein Befehl hatte das System überschrieben, nur spezielle Befehle und Codes konnten dies wieder rückgängig machen. Frustriert wollte er aufgeben, da fiel ihm das gedruckte Handbuch ein. Überall suchte er nach fieberhaft nach einer Möglichkeit, die Überschreibung rückgängig zu machen. Aber er fand nichts, noch nicht einmal den Befehl, mit dem das System überschrieben werden konnte. Es dürfte ihn eigentlich gar nicht geben.

Enttäuscht ging er zu Paddy zurück, die mittlerweile wieder aufgewacht war und schmerzlich Owen vermisste. Doch aufgrund ihrer Schwäche hatte sie nicht aufstehen wollen. Er berichtete ihr von seinen ergebnislosen Bemühungen. Nun gab Paddy komplett auf.

„Komm bitte zu mir, dann genießen wir noch die letzten gemeinsamen Wochen."

Owen legte sich war zu ihr und ließ sie an ihm kuscheln, aber aufgeben wollte er noch nicht. Sie mussten einfach den Täter finden.

„Können wir meinen Vater wecken?", fragte Paddy, doch Owen schüttelte den Kopf. Sämtliche Befehle wurden blockiert. Sie waren auf sich allein gestellt.

„Es ist meine Schuld", flüsterte Paddy traurig.

„Nein, ist es nicht. Ich habe vergessen den Code zu ändern", entgegnete Owen ihr und sah sie mit strengem Blick an. Er wollte nicht, dass sie schon wieder von Schuld anfing.

Die nächsten Tage verbrachten die Beiden mit Grübeln. Hauptsächlich probierte Owen alles Mögliche im Kontrollraum, Paddy ließ er im Bett. Sie war geschwächt und gab jegliche Hoffnung auf.

Flüchtlinge der ErdeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt