Kapitel 15

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Paddy ging nun auf wackligen Beinen in den Kontrollraum, von wo sie die Hauptsteuerung sowie dessen Stromversorgung ausschaltete.Währenddessen positionierte Owen mehrere Taschenlampen und konnte nach der Stromabschaltung die Leichen von der Metalloberfläche ziehen. Anschließend reparierte er so schnell wie möglich das Stromkabel.

Paddy beobachte unterdessen angestrengt durch die Fenster im Kontrollraum das All. Das Raumschiff verfügte nicht mehr über das Schutzschild, noch über einen funktionsfähigen Antrieb. Es trieb einfach im Weltall, wie auch ein Asteroid, der gefährlich nahe am Raumschiff vorbeikam. Zu gern wäre Paddy jetzt bei Owen gewesen, hätte seine Wärme gespürt, die ihr immer die Angst nahm. Aber sie konnte nicht, sie musste solange warten, bis Owen das Startsignal gab, um die Hauptsteuerung wieder zu starten. Eine Minute kam ihr vor wie eine Stunde. Sie wollte nicht sterben, nicht hier, nicht zu diesem Moment und schon gar nicht alleine. „Ich habe nicht das Gift überlebt, um doch später auf dem Schiff zu sterben!", schor sie sich.

Owen hatte unterdessen keine Zeit nachzudenken, er hatte alle Hände voll zu tun, seine Arbeit schnell zu beenden. „Fertig, versuch die Steuerung wieder zu starten", funkte Owen nach Abschluss seiner Arbeiten.

„Ok, aber komm hoch zu mir", meinte Paddy, die Angst hatte, es könnte irgendetwas schief laufen. Erst als Paddy Owens Schritte hörte, versuchte sie das System wieder hochzufahren. Doch sie scheiterte.

„Was ist los?", fragte Owen, der gerade den Raum betrat.

„Ich krieg die Steuerung nicht mehr gestartet. Wir sind endgültig gestrandet", gab Paddy resigniert zu Antwort.

„Ich muss die Hauptschalter betätigen, sicher liegt's an dem. Bin gleich wieder da." Owen wandte sich gerade um, da hielt ihn eine kleine Hand am Handgelenk fest.

„Lass mich nicht allein, bitte."

Obwohl die Zeit drängte, drehte sich Owen wieder zu ihr um. Er legte ihr einen Finger unter ihr Kinn und zwang sie so, ihn anzusehen. „Ich werde dich nie alleine lassen", versprach er ihr und drückte ihr einen Kuss auf dem Mund, während er sie nun umarmte.

Sie erwiderte den Kuss und ließ ihn nur unfreiwillig los.

Kurze Zeit später gelangte Owen zum Hauptschalter, den er umlegen konnte.

„Versuch es erneut", forderte er sie über Funk auf.

Paddy atmete tief ein und betätigte den Schalter im Kontrollraum erneut. „Es funktioniert, wir haben es geschafft. Komm zurück", rief sie in ihr Funkgerät, als ihre Geräte wieder starteten. Kurze Zeit später kam Owen zurück und sie fiel ihm regelrecht um den Hals vor Freude.

„Hey, ich hab doch gesagt, alles wird gut."

Sie hörte ihm jedoch kaum zu und küsste ihn stattdessen. Hiernach programmierten sie erneut den Kurs für den Autopiloten und überprüften das System.

Alle Fehler waren behoben, nur den Grund für die Abschaltung des Stroms sowie den fehlenden Eintrag im Bordbuch konnten sich die Beiden nicht erklären. Aber sie wollten sich nicht weiter damit beschäftigen, ihr Raumschiff funktionierte einwandfrei. Zumindest glaubten das die Beiden. Die nächsten Stunden verbrachten sie mit kuscheln und küssen, während sie die zahlreichen Sterne bewunderten.

„Eigentlich könnten wir die zuständige Crew wecken und noch etwa ein Jahr schlafen", unterbrach er die Stille.

„Bitte lass uns alles noch eine Zeit lang überwachen", bat Paddy ihn. Sie hatte Angst sich wieder in die Longsleep-Kammer zu legen. „Was, wenn der Notfall modus nicht funktioniert und niemand mehr geweckt werden kann?"

Ihre Angst konnte Owen greifen, so deutlich bestimmte sie die Stimmlage seiner Freundin. „Der Notfallmodus wird immer funktionieren, das ist ein unabhängiges System", antwortete Owen und versuchte so ruhig wie möglich zu klingen. Sicher war er seiner Worte nicht, immerhin sollten zwei Stromleitungen ebenfalls unabhängig die Hauptsteuerung versorgen. Herausgestellt hatte sich ein anderer Zusammenhang. „Wir sind zwei Schiffbrüchige, die alle Katastrophen gemeinsam meistern können. Ohne das Toxin hätten wir uns wahrscheinlich noch immer unsere Liebe nicht gestanden, aber hier sitzen wir nun aneinander gekuschelt. Ich liebe dich und werde immer auf dich aufpassen, versprochen", fuhr Owen fort.

„Danke, Owen, ich liebe dich auch", meinte Paddy nun und küsste ihn. Sie ließ zu, dass seine Zunge sich den Weg in ihren Mund bahnte. Anschließend fummelte Owen an Paddys Blusenköpfen.

„Doch nicht im Kontrollraum", meinte sie entrüstet, doch Owen grinste.

„Ist doch niemand da." Plötzlich packte er sie und drückte sie ungestüm gegen die Wand, während er ihr einen schnaufenden Kuss auf die Lippen presste.

Ein Kabel fiel plötzlich zu Boden, sodass Paddy sich von seinem gierigen Mund löste und keuchte: „Warte... warte doch."

„Nicht jetzt", grollte er und drängte sich an sie. Paddy nestelte an seinem Shirt und zerrte es über seinen Kopf.

„Wir können hier nicht alles umwerfen", protestierte Paddy erneut, als ein Buch laut auf den Boden knallte. Doch sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, während Owen mit den Knöpfen der Blusen kämpfte. Er vergrub sein Gesicht in ihrer Halsbeuge und Paddy keuchte leise, als seine Lippen ihre weiche Haut berührten.

„Scheiß doch drauf", flüsterte Owen. Sein Daumen strich leicht über ihre Lippen, als er mit seiner Hand nun zärtlich ihren Kopf hielt.

Paddy gab sich nun auch ihren Gefühlen hin und ignorierte den Ort, an dem sie sich befanden.

Sie küsste ihn abschließend auf die Stirn und danach begannen sich beide wieder anzuziehen.

„Hoffentlich haben wir nichts versehentlich gedrückt, ich war...", begann Paddy, doch als sie sich umdrehte, waren seine Lippen ihren so nah wie vorhin und er schloss sie mit einem weiteren behutsamen Kuss.

„Keine Sorge, wir haben nichts erwischt", meinte er auf den Bildschirm deutend.

Obwohl Paddy ihre Gedanken noch nicht ganz sortiert hatte, kontrollierte sie die Daten des Systems.

Owen, der einfach nicht genug von ihr bekommen konnte in dem Moment, stellte sich hinter ihren Stuhl griff mit seinen großen Händen an ihre Brüste. Unweigerlich musste sie grinsen und ließ ihn gewähren. Doch als sie seinen schwerer werdenden Atem vernahm, packte sie ihn an den Handgelenken und drehte sich um.

„Owen bitte, jetzt nicht nochmal."

„Na gut", seufzte der Angesprochene und verließ beleidigt den Raum. Er wusste auch nicht warum, aber er hatte einfach eine unbändige Lust nach ihr. Stattdessen gab er sich mit einem Müsli zu frieden, dass jedoch sehr effektiv den Hunger in seinem Magen stillte. Auch Paddy kam kurze Zeit später zu ihm in die Küche, um etwas zu essen. Eigentlich wollte sie ihn noch ein wenig schmollen lassen, aber ihr Magen hatte derart laute Geräusche von sich gegeben, dass sie es nicht mehr aushielt.

Am Abend – also wenn man dies überhaupt so bezeichnen konnte, es war schließlich dauernd Nacht – legte sich Paddy stur neben ihn und wandte sich mit dem Rücken von ihm ab. Sie wollte ihm so eine Lektion erteilen, dass er nicht einfach machen konnte mit ihr, was er wollte. Dennoch musste sie zugeben, dass es ihr gefallen hatte. Owen, der sichtlich verwundert und erschrocken über die Haltung seiner Freundin war, strich ihr sanft über ihren Kopf. Anschließend schmiegte er sich von hinten an sie und legte seine große Hand auf ihren Bauch. Paddy durchströmten wieder die Gefühle der Wärme und Geborgenheit, erst jetzt konnte sie beruhigt schlafen.

Flüchtlinge der ErdeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt