12. Türchen

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Rejken wurde zur Krankenstation gebracht und in das einzig freie Zimmer gelegt. Wir betteten sie auf eine Liege, als sie plötzlich hustete und ihre Lider aufschlug.

Runa atmete geräuschvoll aus. „Mutter! Bei allen Göttern, bin ich froh!"

Crow und Kraii standen zu ihren Füßen, ich an ihrer linken Seite, Cerva mir gegenüber und Runa und Iba an ihrem Kopf.

Ich war der Erste, der den dunklen Auswurf bemerkte, den sie eben ausgehustet hatte.

Dann bemerkte sie ihn selbst.

„Ich hab mich angesteckt", stellte sie mit sehr leiser, brüchiger Stimme fest.

Runa blickte sie verwirrt an. „Wovon sprichst du?"

Rejken riss die Augen auf. „Ihr müsst hier weg. Geht!" Das letzte Wort schrie sie fast, was sie mehr anstrengte, als es sollte.

Doch Runa schüttelte eisern ihren Kopf, bis Crow plötzlich hinter ihr stand, seine muskulösen Arme um sie schlang und sie wegzerrte.

„Komm, Cerva", sagte ich, und die Kleine löste sich aus ihrer Schockstarre. Mit ihren braunen Augen blickte sie mich ängstlich an, lief um einmal um die Liege herum und ließ sich von mir in den Arm nehmen.

Ich trug sie nach oben in den Empfangsraum, wo ich sie auf einen Hocker setzte. Kraii und Iba kamen direkt hinter uns her.

„Lass mich los!", schrie Runa und versuchte, sich aus den Armen ihres Bruders zu befreien, als die Tür geöffnet wurde und Thyr hereinkam.

Er sah selbst nicht ganz fit aus, aber gesünder als Rejken allemal.

Als er den Raum betrat, blieb für den Bruchteil einer Sekunde die Zeit stehen – Dann rasten Runa und die Zwillinge auf ihn zu und bedrängten ihn.

„Was hat meine Mutter?", fragte Kraii.

„Wird sie wieder gesund?", wollte sein Zwillingsbruder wissen.

„Wie schlimm ist es?", hakte Runa nach.

Thyr hob abwehrend die Hände. „Lasst mich doch erst einmal ankommen!", bat er mit heiserer Stimme.

„Geht zur Seite", befahl Iba mit ihrer zwar ruhigen, aber durchdringenden Stimme.

Die Steinraben schluckten schwer, traten aber von dem Heiler zurück.

Plötzlich spürte ich, wie sich eine kühle Hand in meine schob.

Überrascht schaute ich nach unten und sah, in Cervas junges Gesicht.

Sie war genauso alt wie ich damals, als ich meine Mutter verlor.

Ein Gedanke, den ich jetzt nicht denken wollte. Nicht denken durfte.

„Raven?", flüsterte sie leise. „Du musst atmen."

Erst jetzt bemerkte ich, dass ich die Luft angehalten hatte.

Ich lächelte zu dem Mädchen herunter, als ich ausatmete.

Thyr ließ sich geschwächt von seiner eigenen Grippe auf einen anderen Hocker nieder. „Was ist denn überhaupt passiert?"

„Wir haben getanzt", erzählte Runa aufgeregt. „Auf dem Fest für die neuen Wächter, da ist sie zusammengebrochen."

„Sie sah schon die ganze Zeit nicht gut aus", fügte Kraii hinzu. „Sehr blass."

„Die ganzen letzten Tage waren sehr anstrengend für sie", meinte Crow. „Sie hat sich ganz alleine um einen Infektionspatienten gekümmert."

„Ah", gab Thyr schuldbewusst von sich. „Der Patient ist gestern Abend verstorben. Rejken hat es Tasslar und mir schon gesagt. Wir mussten ihn verbrennen."

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