„Es bringt nichts, wenn wir jetzt direkt ins Verlies marschieren und versuchen, die Königin zu befreien – Wir würden schon an den ersten Wachen scheitern."
So einfach erstickte Aestor all unsere Hoffnungen, unseren Elan und Tatendrang. Crow und Kraii, die beide aufgebracht von ihren Stühlen aufgesprungen und sofort bereit waren, in den Eispalast zu laufen, um Königin Dasana zu befreien, waren sichtlich enttäuscht. Selbst Cervas Schultern waren traurig zusammengesackt, als hätte sie es nicht mehr abwarten können. Selbst sie war voller Euphorie gewesen, nachdem ich berichtet hatte, was Tanais mir offenbart hatte.
Wir befanden uns in der Hütte, im Kamin knisterte ein Feuer. Bevor ich nach meiner Schicht nach Hause gekommen war, hatten sie scheinbar das Abendessen vorbereitet, zumindest standen Teller und Tassen aus hellblauem Ton auf dem Tisch, dazwischen ein Teller mit Fleisch, einer mit Obst und ein Dritter mit unterschiedlichen Dips, die Runa auf dem wöchentlichen Markt ergattert hatte.
All das stand unberührt da. Meine Nachricht war eingeschlagen wie eine Bombe. Selbst Aestor, der so oft hier rar, dass er genauso gut hier übernachten könnte, war glücklich über diese Veränderung.
Endlich hatten wir einen Anhaltspunkt!
Königin Dasana befand sich nach wie vor in Sempera, sie hatte ihr Volk also nicht im Stich gelassen, wie Tajo es gerne darstellte. Sie wurde von ihm gefangen gehalten, warum wusste ich noch nicht.
„Aber wir wissen doch jetzt, wo sie ist!", protestierte Crow.
Ich saß auf einem Hocker und betrachtete ihn. Unter dem dunklen Hemd zeichneten sich deutlich seine Muskeln ab. Er war stark, sogar stärker als Kraii, auch wenn das keiner von uns aussprechen würde. Aber nicht einmal er würde es mit so vielen Wachen aufnehmen können, die auf dem Weg in den Kerker sicher auf uns warten würden.
So ungern ich es auch zugeben wollte, aber Aestor hatte Recht.
„Tajo wird dafür sorgen, dass niemand an die Königin herankommt", sagte ich.
Crow sah zu mir, schien mit sich zu ringen, atmete dann geräuschvoll aus und ließ sich kapitulierend auf einem Stuhl nieder. Er sah nicht zufrieden aus, aber er schien es zu akzeptieren.
Mein Wort galt schwerer als das von Aestor.
Allmählich verstand ich immer mehr, was der Schatzmeister gemeint hatte.
„Wie ist dann der Plan?", fragte Crow seufzend. „Sollen wir noch weiter so tun, als wären wir auf Tajos Seite?"
„Genau", antwortete ich nickend. „Wir müssen uns sein Vertrauen erarbeiten und ihn dort treffen, wo es wehtut."
„Im Bauch", sinnierte Crow. „Da tut es immer weh."
„Das kann ja noch Wochen dauern!", echauffierte sich Cerva. Runa warf ihr einen verständnisvollen Blick zu. „Du kannst auch hier zur Schule gehen. Wir haben doch darüber gesprochen."
Doch Cerva schüttelte den Kopf. „Und dann sitze ich gerade in der Schule fest, während ihr ein Abenteuer erlebt und im schlimmsten Fall bleibe ich alleine zurück. Was dann? Dann werde ich für euch alle verantwortlich gemacht und öffentlich hingerichtet."
„Niemand richtet ein Kind hin", meinte Runa beschwichtigend.
Nachdem was Tanais mir heute erzählt hatte, war ich mir da allerdings nicht so sicher.
„Cerva hat Recht", gab ich zu, auch wenn mir der Gedanke, sie mitten im Geschehen zu wissen, nicht gefiel. „In unserer Nähe können wir wenigstens einschreiten, sollte es ein Problem geben. Wir können sie beschützen."
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Brüder
FantasyRaven ist nicht nur ein Vogellasin, sondern auch ein Misces - Ein Mischlasin, was bedeutet, dass seine Eltern unterschiedlicher Arten sind. Trotz der Tatsache, dass sein Vater der Bürgermeister der Rabenstadt Lavuco ist, behandeln ihn die anderen Ki...