4 Aufregung

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Eine Woche ist wie im Flug vergangen und morgen wollen wir schon los. Mein Schultag ist gerade zu Ende und ich gehe durch die herrliche Nachmittagssonne zurück in mein Zimmer. Ich muss heute noch meine Sachen packen und nach meinem Pferd sehen, um zu gucken, wie fit sie ist. In Gedanken komme ich bei meinem Ziel an und betrete es auch gleich. Ein wenig verloren blicke ich in meinem Zimmer umher. Es wirkt unglaublich idyllisch. Es ist in ein sanftes Licht getaucht, durch die Sonne, die in mein Zimmer scheint. Ich sehe zu meinem Bett mit den gemachten Decken, meine hellblaue Wolldecke, wie sie über mein Fußende liegt.  Seufzend gehe ich auf mein Bett zu, um den großen Rucksack darunter hervor zu ziehen. Ich bin ganz glücklich, dass meine Eltern mir zum Eintritt einen Rucksack geschenkt haben. Mit dem roten Rucksack in der Hand gehe ich zu meinem mittelgroßen Kleiderschrank. Ich suche mir ein paar Hosen raus und auch mehrere Unterhosen. Diese packe ich erstmal gut zusammengerollt nach unten in meinen Rucksack. Danach krame ich noch mehrere T-Shirts raus und dicke Pullover. Plötzlich halte ich ein Kleidungsstück in der Hand, welches ich fast vergessen hatte.

Ein kurzer, cremefarbener Umhang.

Sanft liegt er in meinen Händen und ich beschließe, dass ich ihn mitnehmen werde. Mit einer sanften Bewegung lasse ich ihn auf meinen Stuhl gleiten, für morgen früh. Schweren Schrittes gehe ich wieder auf meinen Rucksack zu, um ihn mit ins Badezimmer zu nehmen. Dort packe ich alles ein, was ich morgen früh nicht mehr brauche und gehe wieder in den Hauptraum. Mein Blick schweift nochmal durch den Raum. Irgendwie wirkt er jetzt ... kälter. Leer. Wieder mit einem tiefen Seufzen gehe ich aus meinem Zimmer heraus zu den Stallungen. Dort angekommen, gehe ich zielstrebig auf die Box zu, wo meine Stute steht. Sie gehört zu meiner Familie und ich durfte sie hier mit hinnehmen. Ruhig blicke ich über die Boxentür und sehe sie friedlich in der Ecke Heu fressen. „Hey meine Hübsche", sage ich mit sanfter Stimme. Schnell hebt die braune Stute ihren Kopf und blickt zu mir. Ein sanftes Schnauben ist zu hören, als sie ihren Kopf wieder senkt. Die Boxentür öffnend trete ich ein und gehe auf sie zu. Vorsichtig lasse ich meine Hand über ihre Seite fahren und streiche ihre Mähne zurück. Meine Hand wandert ihr Beine runter, um zu gucken ob dort irgendwelche Verletzungen liegen oder ob die Beine heiß sind. Zum Glück ist alles gut.

„Hallo Taehyung", höre ich eine tiefe Stimme hinter mir. Überrascht drehe ich mich um und richte mich gleichzeitig auf. Hinter mir steht niemand anders als Min Yoongi. „Oh Hallo Yoongi- Hyung", sage ich mit einem unsicheren Winken und grinsen. „Guckst du auch nach deinem Pferd, ob es bereit ist für morgen?", fragt er in einem leisen Ton, welcher perfekt zu dem Frieden und der Ruhe im Stall passt. „Ja, ich bin mit ihr aufgewachsen und möchte, dass es ihr gut geht, wenn ich sie schon mit auf so eine Mission nehmen muss", erzähle ich ihm mit einem sanften Lächeln. Nachdenklich nickt er:" Du hast ein schönes Pferd, Taehyung." Augenblicklich erröte ich. „Danke. Hast du auch ein eigenes Pferd, Hyung?", frage ich meine Gegenüber. Leicht nickt Yoongi und zeigt zu einer Box drei Türen weiter vorne. Ich gehe zur Boxentür, um meinen Kopf rauszustrecken und zur besagten Box zu gucken. Ein grau weißer Pferdekopf blickt mir entgegen und schnaubt einmal wohlwollend.

„Dein Pferd ist aber auch unglaublich schön Hyung!" Begeistert gehe ich aus meiner Box raus und gehe zu dem Pferd drei Boxen weiter. „Hallo, wer bist du denn? Du hast aber ein schönes Fell", sage ich dem Pferd und streiche ihm über den Kopf. Als Antwort bekomme ich wieder ein wohlwollendes Schnauben. „Wo hast du so ein besonderes Pferd gefunden, Hyung?", frage ich Yoongi, mit weiterem Fokus auf das Pferd vor mir. „Ich habe ihn mal in meinem Dorf gesehen. Dort war er noch Matsch beschmiert und in einem sehr schlechten Zustand. Man wollte ihn gerade an den örtlichen Metzger verkaufen, der sich aber wegen dem Zustand ein wenig geweigert hat. Ich bin hin gegangen und habe angeboten, ihn zu nehmen und zu versorgen. Dafür musste ich einige Male auf dem Hof mithelfen und habe dafür mein Pferd bekommen. Er war da gerade mal ein Jahr alt. Ich habe ihn aufgepäppelt und ihn ausgebildet, wir sind ein Team geworden", sagt Yoongi mit einem sanften Lächeln und streicht einmal selbst über den Kopf des Pferdes. Ich muss schon sagen, dieses grau-weiß geflecktes Fell ist schon sehr schön und sehr selten.

„Er hat leider immer wieder kleine Aufschürfungen", seufzt er jetzt leise und streicht über eine kleine Narbe an den Nüstern. „Du kannst eine Wundheilungssalbe drauf tun, ich habe welche da", lächle ich ihm zu und gehe zu meinem Schrank und hohle eine kleine Dose raus und reiche sie Yoongi. „Danke Taehyung, ich probiere es mal aus", lächelt mir Yoongi zu. Sanft trägt er die Salbe auf und gibt sie mir wieder. „Ich muss auch wieder zurück, ich muss noch Sachen packen. Es war schön dich hier zu treffen, Taehyung. Wir sehen uns morgen früh, wenn wir aufbrechen", zu Gruß hebt er noch kurz die Hand, streichelt sein Pferd und geht dann aus dem Stall raus. Ich sehe ihm hinterher mit der Dose weiter in der Hand.

Leicht lächelnd drehe ich mich um und gehe wieder zu meinem Schrank. Sorgfältig packe ich meine Salbe in die Satteltaschen, die ich im Schrank aufbewahre und hole meine Sattel raus, den ich auch gleich auf einen Sattelbock lege. Yoongi Hyung sieht zwar angsteinflößend aus, aber er ist ein wirklich guter Mensch, das sehe ich an unserem Gespräch eben und an seinem Umgang mit seinem Pferd. Ich nehme mir die Putzsachen für meinen Sattel und mache ihn sauber, genauso wie meine gebisslose Trense.

„So meine Hübsche, ich muss jetzt auch wieder zurück und noch was essen. Morgen ist ein großer Tag und ich möchte wenigstens etwas fit sein. Bis morgen früh", damit gebe ich ihr einmal einen Kuss auf die Nüstern und gehe auch aus den Stallungen raus. Im Licht der untergehenden Sonne gehe ich zurück zu meinem Zimmer und betrete es auch direkt. Ich geh in meine kleine Küche und nehme mir einen meiner letzten Äpfel aus der Schale. Ich esse ihn in Ruhe, um anschließend ins Badezimmer zu gehen für meine Abendroutine.

Als ich dann im Bett liege, mit den zugezogenen Gardinen, die mein Zimmer in Dunkelheit tauchen, denke ich an Morgen und das Abenteuer, das vor mir liegt. Ich werde eine stärkere Bindung mit Feather aufbauen. Ich werde vielleicht neue Freunde finden, die immer für mich da sind. Ich werde ähnliche Sachen erleben, wie mein großes Vorbild, der schwarze Reiter. Und wer weiß, was ich noch alles erleben werde. Aber ich komme auch nicht drum herum, mir Sorgen zu machen, was alles passieren kann. Welche Gefahren auf mich lauern, welches Leid mir begegnen kann. Eins weiß ich jedoch ganz genau, die Zeit wird mich verändern. Ich werde Sachen erleben, Dinge sehen, die mich verändern werden, in welche Richtung, weiß ich noch nicht. Aber ich beschränke mich darauf, an das Positive zu denken, an die Leute, die ich treffen werde, die Orte, die ich sehen werde und an die schönen Momente, die mir diese Reise bringen kann.

Dragon (Vkook)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt