19 Der Sturm

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Sieben Tage später im Morgengrauen stehen wir auf der Klippe und sehen erstmal auf das Meer. Die letzten Tage war das Wetter leider zu schlecht, so dass wir nicht losfliegen konnten. Heute hatten wir gemeinsam ein ausgiebiges Frühstück, damit wir gut über den Tag kommen. Jin hat uns alle in herrgottsfrühe aus den Zelten geholt und hätte fast einige Probleme mit Yoongi bekommen, der noch nicht bereit war aufzustehen. „Okay, wir rufen jetzt unsere Drachen, damit wir unser Gepäck sichern können. Jungkook weißt du schon, bei wem du mitfliegst?", erklärt unser Leader das weitere Vorgehen. Ich hab mich noch nicht an sein neues Mal gewöhnt. Die Flammen an seinem Hals sehen so real aus und es ist das einzige Mal von unseren, was man dauerhaft sieht. „Ich wollte eigentlich Taehyung fragen, ob er mich mitnimmt", meint Jungkook und sieht mich fragend an. „Ja klar ich denke, dass ist kein Problem. Aber du kannst Feather gerne nochmal fragen", antworte ich und schenke ihm noch eines meiner Kastenlächeln. „Okay dann machen wir das", grinst Jungkook mit seinem Häschenlächeln. „Okay dann mal los", meint Namjoon und blickt in den Himmel. „Feather", rufe ich sie in meinem Kopf zu mir. Yoongi und Hoseok rufen ihre Drachen mit ihren Stimmen zu sich, alle anderen rufen sie in ihrem Kopf. Hoch am Himmel sehe ich unsere Gruppe von Drachen an der Küstenlinie lang fliegen. Das Rauschen der Wellen bildet dazu eine schöne Melodie.

Bei uns angekommen landen sie elegant und begrüßen uns auch direkt. „Hallo Feather. Ich wollte dich fragen, ob du mich vielleicht mitnehmen könntest?", fragt Jungkook. „Ich nehme ihn sehr gerne mit, du doch auch, oder Taehyungie? Wer weiß, was auf meinem Rücken passiert", meint Feather in einem Tonfall, der mir ganz und gar nicht gefällt. Sie ist voll und ganz darauf aus mich zu necken. „Was ist los? Warum wirst du jetzt rot, Tae?", fragt Jungkook verwundert und sieht mir in mein heißer werdendes Gesicht. „Nichts alles gut. Feather nimmt dich gerne mit", stottere ich vor mich hin und wende mich ab. „Das war gemein", meine ich an Feather und werfe ihr einen giftigen Blick zu. Sie schnaubt nur und legt sich hin. Jungkook bedankt sich freudig und fängt an unsere Sachen zusammen zu suchen und vor Feather hinzulegen. Aus violetten Augen sieht sie unseren Mitreiter an und den kleinen Haufen an Gepäck.

„Kannst du das alles tragen?", frage ich sie besorgt. „Keine Sorge, ich bin ein starker ausgewachsener Drache. Ich bekomme das schon hin", meint sie und schnaubt noch einmal. Jungkook streckt seine Hand in die Luft und guckt ob Feather ihn an sich heranlässt. Sobald er weiß, dass es für sie kein Problem ist, fängt er an, das Gepäck an Feather zu befestigen. Ich helfe ihm und schnell ist alles fertig. „Ist das gut für dich?", frage ich sie vorsichtshalber. „Alles gut. Etwas ungewohnt, aber es passt schon", antwortet sie und schüttelt einmal ihren Kopf. Ich wende mich zu meinen Freunden und sehe, dass sie auch schon so weit sind.

„Gut. Wir sind fertig. Ich möchte, dass ihr unter allen Umständen die Augen offenhaltet. Und sobald es Probleme gibt, Bescheid sagt. Wir wissen nicht, wie lange wir brauchen, um über dieses Meer zu fliegen. Deswegen ist es wichtig, dass wir gut und schnell vorankommen und auf Probleme früh reagieren", erklärt Namjoon mit ernster Stimme. Wir stimmen ihm mit Nicken zu. „Gut dann wollen wir los, bevor die Sonne aufgeht und uns jemand sieht. Auf eure Drachen", bestimmt unser Leader. Gemeinsam mit Jungkook gehe ich zu Feather und steige auf ihren Rücken. Jungkook steig hinter mir auf und legt sich seine Umhängetasche auf den Schoß. „Halt dich bitte an mir fest", sage ich zu Jungkook hinter mir. Seine Arme legen sich von hinten um meinen Körper und umarmen mich fest. Ach, das fühlt sich toll an. Seine starken Arme... Schluss Taehyung. Ich merke, wie meine Wangen erneut eine tiefrote Färbung annehmen. Wenn das so weiter geht, wird das ein extrem langer und anstrengender Flug.

Auf den Drachen sitzend sehen wir einen Moment auf das Meer, bis wir das Signal bekommen zu starten. Ohne weitere Anweisungen zu geben, breitet Feather ihre Flügel aus und schlägt mit ihnen, um in die Luft zu kommen. Wir fliegen hoch in den Himmel und segeln durch die warme Luft. „Ach ist das schön", ruft Jungkook hinter mir mit einem hellen Lachen. Jin, der neben mir fliegt fängt auch an zu lachen. „Willkommen im Flieger Club Jungkook", ruft Jin im Scherz und fliegt einen kleinen Bogen. Als wir schon einen Moment geflogen sind, geht langsam die Sonne auf. Sie glitzert in den Wellen und unter uns springen ein paar Fische. Ein sanfter Wind weht um uns herum und die Luft ist angenehm warm. Es scheint ein herrlicher Tag zu werden. Jin hat uns ein paar Lebensmittel und Snacks fertig gemacht, die wir jetzt zwischendrin esse.

„Es ist wirklich schön hier mit dir zu fliegen", murmelt Jungkook und verfestigt seinen Griff um meine Taille. „Finde ich auch", antworte ich, während ich meinen Kopf ein Stück nach hinten drehe. „Es ist wirklich angenehm auf Feather zu fliegen. Und die Gesellschaft ist erstklassig", grinst er, als er einmal an der Seite des Drachen langstreicht. Ich lache einmal auf. Ich unterhalte mich mit Jungkook über Gott und die Welt. Und ich habe das Gefühl, dass wir uns näherkommen. Unsere Hyungs mischen sich immer mal wieder ein und so haben wir vormittags wirklich tolle Gespräche. Jungkook hinter mir ist schön warm und sein Atem, der über meinen Nacken zieht, bringt mein Herz zum Stolpern.

„Das sieht nicht gut aus", ertönt die Stimme von Yoongi zu meiner linken. Ich sehe in seine Richtung und dann in die Richtung, in die er guckt. Am Horizont sind dunkle Wolken zu sehen. „Alles gut das sind nur ein paar Wolken, aber wir sollten uns auf Regen einstellen", ruft Namjoon. „Merkst du etwas merkwürdiges?", frage ich Feather, da alle Drachen eng mit der Natur verbunden sind. „Nein. Es wirkt einfach nur wie normale Regenwolken. Also nass werden wir wohl oder übel werden", erklärt sie. „Okay. Sag bitte Bescheid, wenn sich etwas ändert", bitte ich, woraufhin sie zustimmt. Große Lust darauf nass zu werden, habe ich nicht, aber so ist es mit dem Wetter eben. Je näher wir den Wolken kommen, des so größer werden sie und der Wind frischt auf. Die Luft um mich herum wird kühler und schon bald fängt es an zu regnen. Erst nur leicht, aber schon bald regnet es Bindfäden.

„Namjoon! Wir müssen etwas machen", ruft Jin durch den Wind. In dem Moment wir der Wind noch schlimmer und er entwickelt sich zu einem Sturm. Die Winde peitschen rechts und links und ich habe Schwierigkeiten entspannt zu sitzen. Jungkook klammert sich von hinten an mich, in dem Versuch auf Feather zu bleiben. Der Regen kommt jetzt von allen Seiten und kein Ort an meinem Körper ist noch trocken. Wir alle liegen fast auf unseren Drachen, um uns ein wenig zu schützen. Der Himmel ist inzwischen fast schwarz und unter uns das Meer schlägt hohe Wellen mit glänzenden Schaumkronen. Weit und breit ist kein Festland zu sehen und auch keine Schutzmöglichkeiten. „Wir müssen einfach weiterfliegen. Es ist nur Regen und Wind. Es ist zwar schwierig unter diesen Bedingungen zu fliegen, aber es geht nicht anders", ruft Namjoon gegen den Sturm an. „Zum Glück gewittert es nicht, das kann wirklich gefährlich werden", ruft Jungkook hinter mir. Ja das weiß ich. Bei Gewitter fliegen ist jetzt nicht auf meiner To-Do Liste.

Genau in dem Moment durchzuckt ein Blitz den dunklen Himmel.

Dragon (Vkook)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt