26. Stolpern

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Der Duft von Alkohol gemischt mit Schweiß benebelte mich. Besser gesagt, brachte mich fast zum Kotzen. Diese Mischung kombiniert mit der hier drinnen herrschenden Hitze brachte mich fast um den Verstand. Negativ gesehen.

Jake war auch verschwunden, somit war ich mit Elena allein. Ich klammerte mich fest an sie, damit sie nicht auch noch abhaute. Wir gingen erstmal zur Bar und bestellten zwei Cocktails. Schon nach weniger als 2 Minuten kam eine Gruppe von Jungs, die Elena mitnehmen wollten, doch ich hab sie eiskalt nicht gehen lassen. Allein will ich einfach nicht sein. Kaum war der erste Cocktail leer, bestellte Elena noch zwei. Wir redeten etwas über belangloses Zeug, da wir auf kein gescheites Gesprächsthema kamen. 

Jake setzte sich auf einmal neben mich und bestellte sich einen Tequila. Ranzig, dieses Zeug. "Kommt ihr mit Flaschen drehen? Wir brauchen noch mindestens zwei Personen, sonst sind wir so wenig."

„Das hättest du wohl gerne."zischte ich, bereute es aber sofort wieder. Warum klang ich denn jetzt so angepisst?

„Wow, chill mal. Dann halt nicht." Jake wollte gerade aufstehen, da hielt Elena ihn zurück. 
"Ich komme sehr gerne mit. Abby auch. Wir trinken noch aus, ihr könnt ja schon mal anfangen."

"Wir fangen auf Garantie nicht ohne euch an. Beeilt euch ejn bisschen, wir wollen nicht den ganzen Abend warten." Jake schnappte sich sein Getränk und verschwand durch die Menge.

"Ist das dein beschissener Ernst? Ich will das nicht mitspielen!" schnauzte ich Elena an, die aber komplett gelassen ihren Cocktail durch den dicken schwarzen Strohhalm ausschlürfte.
"Dann bleib halt hier. Ich geh spielen." Sie rutschte vom Barhocker und bevor sie gehen konnte, krallte ich mich in ihren. Laut aufschreiend sah sie mich finster an. Ok, vielleicht hab ich etwas zu sehr meine Nägel in ihre Haut gebohrt. Sorry du Model...

Gemeinsam gingen wir durch die Menschenmasse irgendwo lang. Ich hatte keine Ahnung, wo der Rest war und vertraute Elena komplett, die die Führungsposition angenommen hatte.
Wir bogen durch verschiedene Gänge ab, liefen paar Treppen hoch und wieder runter und kamen schließlich in einem etwas größeren Zimmer an, das mit Schränken aller Art überfüllt war.
In der Mitte des Raumes saßen schon ein paar Personen. Leon, Jake, Jim, Liam, Adam, Mia und Josy. Außerdem 3 Mädchen, die in einige meiner Kurse gingen. Eine, Stella, saß bei Cole, die Andere, Angelina, bei Caleb auf dem Schoß. War ja wieder klar. Die Dritte, Maddison, saß zwischen Jake und Leon und starrte vor sich hin. Okay...

"Soo, dann sind ja jetzt alle da und wir können anfangen."sagte Jake und machte eine einladende Handbewegung, dass wir uns hinsetzen sollen. Das taten wir auch und im selben Moment drehte Jim die grüne leere Bierflasche.

Elena saß zum Glück neben mir und auf der anderen Seite Mia und Josy, sodass ich keinem Junge in irgendeiner Weise zu nahe kommen könnte.
Die Flasche landete bei Adam. "Ok Adam, Wahrheit oder Pflicht?"fragte Jim und trank einen Schluck aus seinem roten Becher.
"Pflicht."antwortete dieser und setzte sich in den Schneidersitz.

Jim stöhnte genervt auf und überlegte. Schlussendlich musste Adam von sich aus links das dritte Mädchen küssen und traf Mia. Niemand hatte gesagt, wohin er sie küssen sollte, also reichte seine Pflicht als Wangenkuss aus. Mia interessierte das sichtlich wenig.

Ein paar Runden vergingen und nichts spannendes passierte. Bis die Flasche bei mir landete. Leon hatte sie gedreht und sah mich erwartet an.
"Wahrheit." sagte ich, denn ich wollte auf keinen Fall wieder mit irgendwem rummachen müssen.

"Okay, bist du noch Jungfrau?"fragte Leon und Jake sprang auf.
"Was ist denn mit dir los?" Leon stand ebenfalls auf und drückte Jake wieder runter.
"Sorry, ich... ach keine Ahnung. Lasst uns weiterspielen."

"Abby, du musst noch antworten." sagte Caleb und füllte sich seinen Becher neu ein.
"Ja, ich bin noch Jungfrau."sagte ich und nahm die Flasche.
Einige nickten bestätigend, als wäre es ihnen von vornherein klar gewesen. Elena klopfte mir bekräftigend auf die Schulter, was nun wirklich unnötig war.

Ich drehte die Flasche und wir spielten noch ein paar Runden, bis Stella und Angelina keine Lust mehr hatten und abhauten.

Und es kam, wie es kommen musste: Maddison drehte und die Flasche stoppte zum zweiten Mal bei mir.
"Wahrheit." sagte ich direkt.
"Ne ne ne. Du hattest vorhin schon Wahrheit. Du musst Pflicht nehmen." Maddison betrachtete gelangweilt ihre Nägel.
"Okay, dann halt Pflicht."seufzte ich und legte meine Beine anders hin, da die langsam anfingen zu kribbeln.

" Hmm, lass mich mal überlegen... du gehst für 10 Minuten mit Leon in den Nachbarraum. Macht was ihr wollt."

Nicht schon wieder...
Ich erhob mich und folgte Leon.
" Ach ja, ich will mindestens einen Knutschfleck pro Hals sehen! Die 10 Minuten laufen ab jetzt! Viel Spaß!"schrie Maddison noch hinterher, bevor Leon die Tür schloss.

Er kam auf mich zu und ich wich automatisch mehrere Schritte zurück.
"Keine Sorge, Kleines. Ich tu dir nichts."
Mein Inneres sträubte sich gegen ihn und ich ging trotzdem noch ein paar Schritte rückwärts.
Plötzlich trat ich auf etwas kleines, spitzes, schrie vor Schmerz laut auf und fiel nach hinten. Da war allerdings eine Wand und ich prallte volle Kanne mit dem Kopf dagegen.

Autsch. Das tat weh.

"Fuck, Abby!" Leon war mit einem Satz bei mir und berührte meinen Hals.

Halb wach, halb neben mir, bekam ich mit, wie die Tür aufgerissen wurde und mehrere Leute ins Zimmer strömten.
Irgendjemand diskutierte laut.

Dann wurde alles schwarz um mich herum und ich kippte weg.

Only an exchange studentWo Geschichten leben. Entdecke jetzt