8. Basketball

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Jake hatte mich stillschweigend im Auto wieder mitgenommen. Ich hätte es mir gewünscht, dass er was sagen würde, weil ich Stille nicht mochte.

Hätte, Hätte, Fahrradkette.

Entweder es lag daran, dass er nicht wusste, was er erzählen soll (wobei man ja immer über was labern kann, sei es Smalltalk) oder er konnte mich nach wie vor nicht leiden und das auf der Party war ein kleiner Ausrutscher.

So sehr ich ihn auch nicht leiden konnte, fand ich es extrem süß, wie er mich auf der Party beschützt hatte.

Kate war schon eher von Arbeit zurück und machte uns gerade Lasagne.
Ich unterhielt mich mit ihr über mein Leben zu Hause und meine Familie. So sehr vermisste ich sie auch nicht, weil ich weiß, dass es ihnen gut geht.

Ich ging nach dem Essen hoch in mein Zimmer, hatte die Hand schon an der Klinke. Plötzlich zog mich jemand am Handgelenk an die nächste Wand.

Wasn Zufall. Immer diese scheiß Wände.

Jake.
"Was willst du?" zischte ich ihn an und
"Dein Zimmer liegt in der anderen Richtung" flüsterte er in mein Ohr und ich bekam eine wahnsinnige Gänsehaut. In mir begann alles zu kribbeln und mein Herz raste.
"Du wärst fast wieder in meinem Zimmer gelandet."
"Oh...Öh"flüsterte ich mehr zu mir als zu ihm und fing an auf meiner Lippe zu kauen.
Jake ging wieder etwas auf Abstand und fuhr sich durch die Haare.

Gott, sah das sexy aus.

Schnell nutzte ich die Chance abzuhauen und stürmte in die andere Richtung und landete zum Glück in meinem Zimmer.
Ich schloss die Tür und ließ mich an ihr runterrutschen.

Warum reagierte mein Körper so?

Seufzend stand ich auf, warf mich aufs Bett und öffnete Netflix auf dem Laptop.

Ich weiß nicht, wie spät es war, aber ich pennte ein. Durch ein leises klicken wurde ich wach und sah, dass Jake meinen Laptop geschlossen hatte und ich im Schlafanzug unter der Zudecke im Bett lag.

Moment.

Im Schlafanzug? Vorhin hatte ich doch noch normale Klamotten an.
Panik entwickelte sich und ich riss die Augen weit auf. Jake schien es gemerkt zu haben, denn er hielt inne und schlug den Kopf rum.

Seine Augen waren dunkel und ein paar nasse Haarstränen hingen ihm im Gesicht.

"Schlaf weiter."raunte er und diese rauchige Stimme jagte mir wieder eine Gänsehaut ein.
"Wer hat mich umgezogen? Und wie spät ist es?"
"Es ist kurz nach 1. Mum war beunruhigt, weil bei dir noch Licht brannte und meinte ich soll nach dir schauen."

Das hat meine erste Frage nicht beantwortet!

Er ging zur Tür. "Achja, ich hab dich umgezogen."er grinste verschmitzt,"Gute Nacht." und schloss die Tür hinter sich.

Oh

Scheiße.

Das darf doch nicht sein! Jake, der Jake Davies, hatte mich ausgezogen und ahhhh.

Vielleicht war das auch nur ein Traum und ich wache jeden Moment auf. Doch sosehr ich mich auch kniff, es half nichts.
Zum Glück hatte ich heute nicht meinen pinken BH an, denn der sah aus, als wäre er von Hello Kitty.

Früher hatte ich mal einen von Heidi. Wie gesagt, ich hatte. Er war einfach nur schrecklich! Nach drei Tagen landete er im Müll. Meine Mom glaubt mir zum Glück immernoch, dass er bei Oma im Schrank liegt und ich ihn bei der letzten Übernachtung einfach bei ihr vergessen hatte. Zum Glück kam sie nicht auf die Idee, den BH bei Oma abzuholen.

Denn dann wäre ich am Arsch.

Aber so richtig, damn.

Hoffentlich ist sie bald aus dem Alter raus, in dem die Eltern noch denken, dass die eigenen Kinder noch Heidi und Hello Kitty mögen und nicht einsehen, dass das Kind eine Krankheit namens Pubertät hat. Meine Mom hat mir schließlich mit 14 immernoch Fillypferde geschenkt. An meinem 15. Geburtstag habe ich ihr dann ein letztes Mal gesagt, dass ich mich damit nicht mehr beschäftigen werde.

Da hat sie es endlich kapiert...

*

"Jake?"
"Hmm?"
"Hast du mich gestern wirklich umgezogen?" Diese Sache ging mir einfach nicht aus dem Kopf.

"Nein. Es war Kate. Aber dein Gesichtsausdruck war es einfach wert."  Und schon hatte er wieder dieses typische BadBoy-Grinsen im Gesicht. 
"Du Arsch!"
Er bremste den Wagen, als wir an einer Ampel ankamen und kam mir mal wieder mit seinem Gesicht ganz nah.

"Aber ein ganz lieber, Süße."
Die Ampel wurde grün und Jake fuhr wieder los. In die Schule.

Schule.

Allein dieses Wort macht mich krank.

Ich bin nicht sonderlich scharf drauf, mich wieder mit den Jungs abzugeben.
Am Ende entwickel ich noch Gefühle und das ist das, was nicht passieren darf.

Wir stiegen aus und ich sah die Jungs schon von weitem, wie sie mich anstarrten. Und wie die Mädchen mich mit Todesblicken geradezu zerstückelten.

Die kriegen das alles in den falschen Hals, aber sollen se doch.

Ich spürte eine Hand an meiner Taille und sah zu Jake hoch. Er grinste doof und sah in den Himmel.

"Au!"er ließ meine Taille los und griff an seine Wange.
Die Schelle saß.
Rot zeichnete sich meine Hand ab, ich musste lachen und ging in Richtung Sporthalle.

"Wofür war die denn?"rief er mir nach und er bekam nur meinem Gut-rieche-finger zu Gesicht.
Er hat es nicht anders verdient.

Mia, Josy und ich zogen uns fix um und dann ging es in die Sporthalle.

Alle Mädels aus meinem Kurs saßen auf den Bänken und warteten auf die Jungs und die Lehrer.

Endlich kamen sie und alle sabberten außer mir. Mich interessierte es reichlich wenig.

"Gut, dann sind ja jetzt alle da. Wir werden heute und die nächsten Stunden Basketball spielen. Dabei werden wir euch ein paar Techniken beibringen und hoffen auf rege Beteiligung und Unterstützung der Jungen, die ja Basketball ab diesem Jahr nicht mehr spielen.
Dann, in zwei Wochen beschäftigen wir uns mit Krafttraining. Da wird sich jeder Junge ein Mädchen raussuchen und ihr helfen. "

Ab da schaltete ich ab und hörte nicht mehr zu. Zu Hause hatte ich das alles schon gehabt und hätte somit keine Probleme.

Einige Zeit später hatten die Lehrer uns schon zwei Techniken gezeigt und die Jungs aufgefordert, mit uns zu üben. Mein Pech war, dass es drei Jungs mehr als Mädchen waren und diese drei Jungen, Caleb, Liam und Jim, mit mir und Adam spielen wollten.
Mir machte das soweit nichts aus, außer Liam. Ich mochte ihn eigentlich etwas, aber er war komplett kühl zu mir und den anderen, weshalb wir nicht mehr mit ihm spielten.
Ihn schien es nicht zu stören.

Der restliche Teil der Stunde verging echt schnell und fertig umgezogen ging ich mit Josy, Mia, Adam und Jim zu Bio.

Only an exchange studentWo Geschichten leben. Entdecke jetzt