Julian
„Happy Birthday mein Schatz" mit diesen Worten wurde ich geweckt von meiner Frau als früh morgens am 20.September die letzen Sonnenstrahlen des Jahres ins Schlafzimmer schienen
Ich hatte die Decke bis zum Hals gezogen und bekam küsse auf mein ganzes Gesicht verteilt , heute wurde ich tatsächlich schon 30 werden , als vor vier Jahren mein Bruder Patrick so alt wurde habe ich ihn mit meinem damaligen 26 Jahren immer geändert , weil er ja schon so „alt" ist und plötzlich war ich auch so alt
Vor vier Jahren kannte ich Clara noch nicht einmal und als sie in mein Leben trat , änderte sie dies eindeutig
Das was ich für Clara empfinde lässt sich tatsächlich schwer beschreiben, bevor sie kam war mein Herz nicht so vollständig wie jetzt und ich hatte die Liebe aufgegeben und als ich nach nichts suchte , kam sie dann in mein Leben
„Dankeschön" flüsterte ich zu meiner Frau , zog sie ruckartig in meinen Arm und küsste ihre Stirn
„Ich hab noch ein Geschenk für dich" sagte meine Frau , lehnte sich über mich und griff auf dem Fußboden nach meinem Geschenk
„Hier" sagte Clara und hielt mir ein kleines Päckchen vor die Nase
Niemals hätte ich gewollt dass sie mir was schenkt aber darauf wollte sie ja nie hören
Aber was ich immer sah war , dass meine Frau viel an ihrem Körper trug was sie an mich erinnerte , nie zog sie ihren Ehering aus aber auch nicht die Tiffany Kette und das silberne Armband dieser Marke , was ich ihr zum 25 Geburtstag schenkte , denn es war der erste Geburtstag den wir 2020 gemeinsam verbrachten
Ich packte das Geschenk aus und es war unser erstes gemeinsames Bild von 2020 eingerahmt
„Das stellte ich mir aufs Nachtschränkchen" flüsterte ich in ihr Ohr und stellte es sofort dort hin
„Da ist noch was" sagte Clara und haute mir auf meinen Oberschenkel
Sie hatte recht , es war noch ein kleiner Umschlag dabei , ich öffnete ihn und hatte zwei Tickets für eine Kreuzfahrt nächsten Sommer in der Hand
„Dankeschön mein Schatz" sagte ich zu meiner Frau , legte das Geschenk weg und fing an sie zu küssen
Kurz danach schubste ich sie um , sodass sie mit ihrem Rücken quer auf dem Bett lag und ich legte mich mit meinem vollen Gewicht auf sie
Stürmisch küssten wir uns und eigentlich wollte ich ein bisschen mehr , doch Clara unterbrach den Kuss indem sie sagte „Schatz ich weiß was du willst aber Denise , Marie und Lia kommen heute Mittag hier an , die wissen alle dass du Geburtstag hast"
Ich freute mich riesig dass ich alle wieder sehen werde und lächelte nur „Ich liebe dich"
Clara küsste mich nochmals „Ich dich auch , aber kannst du vielleicht von mir runter gehen mit der Zeit bist du echt schwer"
Aus Absicht machte ich mich extra noch schwerer und meinte dann „Kommt Hannah auch mit?"
Meine Frau grinste „Nein die hat kein Bock auf dich"
Enttäuscht fielen meine Mundwinkel runter , bis meine Frau stark anfing zu lachen „Natürlich kommt sie mit , auch mein Vater kommt"
„Wie geht es ihm eigentlich?" erkundigte ich mich
„Ich hatte gestern Abend noch mit michaela telefoniert und sie meinte er vergisst Sachen die er vor fünf Minuten oder so erst gemacht hat aber er weiß hoffentlich noch wer wir alle sind , seine Erkrankung ist erst noch am Anfang aber es könnte auch ganz schnell gehen bis es garnichts mehr weiß , es ist praktisch ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen seinen eigenen Verstand"
„Komm wir ziehen uns an" flüsterte ich um ihre Sorgen etwas zu lockern
Zusammen stiegen wir auf unserem Bett und gingen gemeinsam unter die Dusche
Meine Eltern gemeinsam mit meinem Bruder und dessen Freundin Anna würden auch zu uns kommen und ich freute mich soo sehr auf alle
So wie ich es richtig verstanden habe werden wir als groß Gruppe durch Paris laufen und später essen gehen , meine „richtige" Geburtstagsparty wird dann in paar Wochen nochmal stattfinden
Mit einem Handtuch um den Hüften ging ich ins Schlafzimmer und zog mir eine hellblaue Jeans an und ein weißes Hemd
Als ich grade dabei war mir mein Hemd zuzuknöpfen rief meine Ehefrau mich aus dem Badezimmer
Ich ging zu ihr ins Bad und sie stand dort mit nassen Haaren in ihrer schwarzen Spitzenunterwäsche
„Ich bin nicht schwanger, trotz dass ich die Pille zehn Tage lang nicht genommen habe und wir nicht verhütet haben"
Eine kleine Enttäuschung machte sich in mir breit „Woher weißt du das? Hast du einen Test gemacht?"
„Nein , ich habe grade meine Tage bekommen"
Ich nahm meine Ehefrau in den Arm und merkte wie sie mir den Oberkörper küsste
„Dann versuchen wir uns es bald nochmal , aber davor muss ich erst die Pille ganz absetzen" sagte sie
„Ja alles gut , sollen wir mit den Kinderwunsch bis Weihnachten warten?"
„Du meinst ein Bisschen Weihnachtsbaby ? Sodass unser Baby im selben Monat sein Papa Geburtstag hat?" sagte Clara als sie zu mir hoch schaute
„Ja genau" grinste ich frech , haute ihr nochmal auf ihren Po und knöpfte dann mein Hemd vollständig zu
Clara föhnte ihr Haare , lockte diese und schminkte sich während ich meine Haare stylte und mich rasierte
Clara hatte sich einen roten leichten Pulli mit einem schwarzen Rock und schwarzes Strumpfhose angezogen, trotz der Sonne die draußen schien und es eigentlich garnicht so kalt war , wie ihr Outfit es aussagte
Als wir fertig waren gingen wir Arm in Arm auf den Balkon und beobachten die vorbeifahrenden Autos
„Hat es geklingelt?" fragte meine Frau
Ich nickte und lief zum Hörer der Haustür
Es war Denise mit Lennart und der Tochter Hannah
Ich öffnete die Haustür und konnte hören die Clara Gläser und Wasser auf den Tisch stellte
„Uliiii" konnte ich im Treppenhaus hören und wusste dass es nur Hannah sein konnte
Die kleine Maus hatte ein Pinkes Kleid an und zwei Zöpfe , bei ihrem Vater hätte man meinen können wir beide gingen im Partnerlook und Denise betrat im langen blauen Kleid unsere Wohnung
Nachdem mir alle gratuliert hatten , setzten wir uns an den Tisch und Denise nahm Hannah auf ihren Schoß , doch der kleinen passte das mal so garnicht in den Kram , löste sich von ihrer Mutter und kam mit einem Prinzessinnen Buch vor dem Bauch zu mir an den Stuhl gelaufen und wollte sich auf meinen Schoß setzen
Somit schaute ich mir ihr das Buch an , Hannah erzählte mir wie die Prinzessinnen heißen obwohl sie etwas Probleme mit der Aussprache hatte , was das ganze noch süßer machte
Immer wieder umgriff sie mit ihrer ganzen Hand mein Zeigefinger und deutete auf die einzelnen Prinzessinnen
Mit der Zeit trafen auch Marie gemeinsam mit Lia und Til bei uns ein und zu guter letzt meine Familie und Claras Papa mit Frau Schäfer
Alle gratulieren mir sehr herzlich und wir alle machten uns auf den Weg durch Paris um das perfekte Restaurant zu finden
Ich hatte Clara an der Hand und Hannah wollte unbedingt sich auf meine Schultern setzen und da sie nicht sehr viel wog , hatte ich sie jetzt dort sitzen , neben mir ging Georg er wusste noch wer ich bin und ich konnte sehen dass er wirklich war , er unterhielt sich mit meinen Vater über Bekannte aus gladbeck
In einer Seitenstraße in Paris hatten wir dann ein Restaurant gefunden , es war ein Italienisches Restaurant und auch ein sehr schöner Geburtstag , doch als alle Abends wieder nach Hause mussten fiel es mir schwer aber ich musste sie wieder gehen lassen
Ich war grade dabei mich nur in Unterhose unter die Bettdecke zu legen als meine Frau noch einem kleinen runden Erdbeerkuchen und zwei Gabeln in der Tür stand
„Denn habe ich gestern für uns bzw für dich gebacken als du joggen warst"
Clara kletterte ins Bett , legte sich in meinen Arm und wir aßen den Kuchen
„Die kleine Hannah ist wirklich verrückt nach dir" sagte meine Ehefrau
Und an jedem Tag der verging konnte ich in ihren Augen sehen , wie sehr sie sich ein Kind von mir wünschte
Zeitsprung von 3 Wochen
Clara
Es war jetzt Anfang Oktober und so wie es jetzt ist hatte ich es mir nicht vorgestellt , ich hatte zwar aber einen guten Job und war glücklich verheiratet doch immernoch nicht schwanger und hinter all den Mauern hatte ich einen todkranken Vater
Mein Papa Georg wohnt jetzt bei mir und Julian in Paris und schläft auf der Couch , denn er rief mich an und meinte er würde sich nicht mehr sicher fühlen und er erkannte nur noch sehr schlecht Michaela
Auch mit Julian fingen die Probleme an , mein Papa fragte ihn immer wer er seih und wo er herkommt wenn er nach Hause vom Training kommt
Ich hatte alles mit Thomas geklärt und arbeitete von zuhause , damit ich meinen Papa so nah wie möglich sein kann
Das alles ging jetzt schon so seit zwei Wochen und es hat mir gezeigt wie schnell sich der Zustand eines Menschen verändern kann
Es war zehn Uhr morgens , ich saß am Tisch und machte meine Arbeit und mein Papa lag auf der Couch und schaute ein Morgenprogramm
Meine Café war leer und ich stellte mich vor meinem Vater um ihm so sie Sicht zum Fernseher zu verstecken
„Papa , willst du auch noch einen Café?" fragte ich ihn
Mindestens eine Minute lag starrte er mich musternd an , bis er sagte „Nadine"
Als er das sagte überrollte mich ein Meer mit Tränen und mein Herz pumpte so schnell blut wie noch nie , Nadine war doch meine Schwester die 2000 im Alter von acht Jahren an Krebs starb
„Sie ist seit 23 Jahren tot Papa , ich bin Clara deine zweite Tochter, erinnerst du dich?"
Auch in den blauen Augen meines Vaters standen die Tränen und ihm fehlten die Worte , er versuchte sich richtig anzustrengen doch da war nichts mehr
„Nein .... nein mein Kopf ist leer"
Meine leere Cafétasse die ich in der Hand hatte ließ ich laut auf den Boden knallen und rannte unter Tränen ins Schlafzimmer um dort ein Bild von mir und meinem Vater aus dem Jahr 1997 zu suchen
Als ich es fand setzte ich mich neben meinen Papa auf die Couch
„Das sind wir" sagte ich
MeineVater nahm das Bild in die Hand und streichelte mit seinem Daumen über mein kleines Ich
„Ich kann mich nicht dran erinnern"
Und jetzt wurde es mir klar , Demenz hatte gesiegt und ab jetzt die volle Kontrolle über den Körper und Verstand meines Vaters , doch wie sollte ich damit fertig werden, zu wissen dass mein Papa bald sterben wird und ich dann keine Eltern mehr auf diesem Planeten haben werde ?
Die nächsten Wochen waren komisch und ehrlich gesagt nur noch ekelhaft , mein Vater wusste nicht mehr wer ich bin und er erkannte keinen mehr. Immer wieder erzählte er Geschichten davon wie er und meine Mutter sich kennengelernt haben , Julian wollte sie immer wieder hören obwohl er sie im Schlaf aufsagen konnte , mein Vater war zwar glücklich wenn er das erzählte , doch einfach nicht mehr der selbe.
Jeden Morgen wenn ich ihn wecken kam , fragte er mich wer ich war , dass ich seine Tochter war und eigentlich so aussah wie er wusste er nicht mehr.
An jenem Tag wurde es aber dann dramatisch , da mein Vater im Spätstadium seiner Krankheit angekommen war erlitt er eine Lungenentzündung
Eigentlich kann jemand mit Altsheimer-Demenz drei bis vier Jahre mit dieser Krankheit leben , doch da mein Vater Alkoholika war , Versagen seine Organe schneller und er musste ins Krankenhaus
Er war zwar noch am Leben , doch wie lange konnte nur die Zeit sagen , aber es sah sehr schlecht für ihn aus. Und so ein ganzes Drama nur zwei Monate vor Weihnachten , die doch eigentlich die schönste Zeit des Jahres werden sollte.
Wie sich sowas anfühlt vom eigen Vater nicht mehr erkannt zu werden?
Schmerzhaft für Leib und Seele so viele Erinnerungen , so viele Dinge die du von deinem Vater gelernt hast und du warst die einzigste die sich noch daran erinnern konnte
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Dächer von Paris
FanfictionDu verlierst deine Mutter mit zwölf Jahren an einem Autounfall, dein Vater? Seit dem Alkoholiker Clara will ihr Leben neu als Physiotherapeutin in Paris anfangen und ihre Vergangenheit endlich hinter sich lassen Doch als bei ihrem neuen Job be...
