„Gott du bringst Leben hervor und nimmst es wieder auf. In voller Liebe und Warmherzigkeit nehmen wir Abschied von Georg Huber. Voller Vertrauen legen wir ihn in deine Erde. Er bleibt uns allen in Erinnerung als Freund , Nachbar oder Vater. Seine geliebte Tochter hat die Ehre bekommen nochmal ein paar Worte über ihn zu sagen" mit diesen Worten beendet der Pfarrer den Gottesdienst und ich war an der Reihe
Ich richtete mein schwarzes Kleid , drückte nochmals die Hand meines Mannes im Anzug der neben mir saß und stieg über Michaela
Ging vorne an den Altaar überlegte kurz meine Worte , tupfte meine Tränen und nahm tief Lust
„Liebe Verwandte ,Freunde und Trauernde
Ich hab die Ehre bekommen die letzten Worte über mein Vater mit euch zu teilen
Tja und jetzt steh ich hier und erinnere ich mich zum letzen Mal an meinen Papa mit euch zusammen
Als ich sechzehn Jahre alt war und in die zehnte Klasse ging, hatte ich ein Passfoto von meinen Papa in meinem Portmonee und als ich es einmal auf den Tisch legte , sagte ein Mitschüler zu mir ‚der sieht ja aus wie du'
Und da wurde mir zu ersten mal klar was ich doch tatsächlich alles von meinem Vater habe , nicht nur meine Augen ,Nase und meinen Mund
Sondern vieles mehr noch fällt mir auf das ich in vielen Situationen gleich reagiere wie er
Mein Papa war derjenige der immer zu mir sagte , ich solle blind in die Gummibärchentüte greifen , damit die besten Sorten nicht alle auf einmal leer sind
Er brachte mit Fahrrad fahren bei und vor allem mich selbst zu lieben
Mein Vater sagte immer zu mir ich sollte das machen und anziehen was mir gefällt, denn er würde es auch so machen ohne das es ihn interessierte was andere über ihn dachten
Weihnachten 1999 verzichtete er für mich auf das langweilige beinander sitzen am Tischen und baute mit mir das Krankenhaus von Playmobil auf
Ich hatte das große Glück das er mich zum Altar führen konnte , denn er zitterte mehr als ich selbst und brauchte doppelt so viele Taschentücher wie ich
Als ich an seinem Bett saß streichelte ich seine Hand bis zu Tod war
Und als wir hier diese Beerdigung planten wurde ich gefragt: ‚warum schreibst zu dir keinen Text auf was du bei deiner Rede sagen wolltest?'
Als Antwort meinte ich dann ‚Weil wenn ich es schon vor dem Gottesdienst aufschreiben würde , wäre es nicht das was ich genau jetzt in meinem Herzen spüre würde'
Und genau das hatte ich grade getan , ich sagte die letzen Worte über meinen Vater die tief aus dem Herzen kamen
Ich liebe dich, Papa"
Eine weiße Rose legte ich auf den Sarg und ging dann unter Tränen zurück zu Julian
Sofort danach machten wir uns alle auf den Weg zum Friedhof , mal wieder ging ich hinter dem Sarg her , wie damals bei meiner Mutter da hatte ich meinen Vater an der Hand und heute war es Julian
Meine Ohren verstanden was ich hier machte aber mein Herz sagt es fehlt was
Am eigenen Leib musste ich sehen wie mein Vater 15 Jahre später nach dem Tod meiner Mutter beerdigt wird
Meine Hand verkrampfte ich mir an dem Jackett vom Fußballer , während er mich gegen sich drückte und mir durchs Haar strich
Noch einmal warf ich eine Rose in das Grab bevor es für immer zu gemacht wurde , nachdem jeder die Beerdigung verlassen hatte und ein kühler Herbst Wind wehte starrte ich mal wieder auf das Holzkreuz
Georg Huber
*12.4.1961
†23.10.2023
Der Vater von meinem Papa sagte zu mir als meine Mama drei Monate tot war „Dein Vater ist so intelligent dass, er irgendwann dran ertrinken wird" keine achtundvierzig Stunden war mein Opa Tod ,jetzt fünfzehn Jahre später weiß ich was er mir damit sagen wollte. Mein Papa hat soviel getrunken bis er nichts mehr wusste und jetzt soll schweigen bis ans Ende aller Tage
Es war schrecklich hier zu stehen , doch nirgendwo könnte ich mich jetzt sicherer fühlen als in den Armen von Julian
Nach der Erdbestattung wurde mir aber eins klar , ich werde das lachen von meinen Vater weiterhin in meinen Ohren haben , sein Gesicht in meinen Augen sehen und seinen Geist in meinem Herzen tragen und das bis ans Ende meiner Tage
„Komm wir fahren nach Hause" flüsterte ich zu Julian und strich ihm über den Rücken
Er küsste mir die Stirn , ich hakte mich bei ihm ein und wir verließen über den Gießweg den Friedhof
„Frau Huber?" rief eine ältere Frau von der Bestattung uns hinterher
„Ich heiße Frau Draxler , ich habe geheiratet"
„Das tut mir leid Frau Draxler , dass wusste ich nicht. Hier ist ein Brief von ihrem Vater , er hat ihn kurz vor seinem Tod für sie geschrieben"
Schweigend nahm ich den Briefumschlag an und lief mit meinem Mann zum Auto
Julian fuhr los und ich widmete mich dem Brief
Meine geliebte Tochter,
Du warst bei mir , bis zu meinem bitteren Ende und auch als meine Seele meinen Körper verließ
Ich hätte dir gerne noch so viel gesagt, aber es war Zeit für mich zu gehen
Ich danke dir für dein Verständnis mich in Ruhe gehen zu lassen
Niemand wird meinen Platz einnehmen können , aber die, die nach mir kommen brauchen deine Liebe und Zuneigung , so wie ich sie hatte
Du wirst wahrscheinlich immernoch an mich denken , aber bitte denk nicht an Trauer
Denk immer daran wie glücklich wir zusammen waren und was wir trotz allem für schöne Momente hatten
Ich danke dir dafür das du mich geliebt und für mich gesorgt hast
Ich möchte dir aber noch sagen , du warst das beste was mir je passiert ist , mit deinem Tatendrang, deinem Charakter und deiner Natürlichkeit hast du immer wieder mein Herz zum lächeln gebracht
Denn es wird der Tag kommen , da werden wir uns wieder sehen und du wirst mir von meinem Schwiegersohn, von meinen Enkel und von deinen Erfolgen erzählen
Und bis dahin , vergess mich bitte nicht
Dein dich immer liebender Papa
Omg Papa ich vermisse dich so sehr , er war weg und dass für immer , es war schwer dass alles zu begreifen und zu verstehen , doch vielleicht war es endlich wieder bei meiner Mama und sie passen auf mich auf
Julian sah dass ich am weinen war und legte eine Hand auf meinen Oberschenkel
„Du bist so eine starke Frau , weißt du das eigentlich. Ich liebe dich so sehr. Alles in deinem Leben hast du geschafft und ich bin wahnsinnig stolz auf dich meine Liebe"
Genau das hatte ich jetzt gebraucht, Julian wusste immer was er zu tun hat
„Ich liebe dich" küsste ich ihn auf die Wange und versuchte danach etwas zu schlafen indem ich mein Kopf an die Fensterscheibe lehnte
Mir fiel es schwer zu schlafen aber ich hatte die letzte Nacht schlecht geschlafen
Wenig später war ich im Land der Träume und dachte dann wie meine Zukunft verlaufen würde
„Schatz , wir sind da" sagte Julian dann leise zu mir und stand auf der Beifahrerseite und strich mir über den Arm
Langsam öffnete ich meine Augen , hier in Paris war es dunkel und kalt und die Nacht war schon lange angebrochen
Mit meinem Mann schlich ich durchs Treppenhaus und wir entkleideten uns aus unserm dunklen Klamotten
Julian legte sich schonmal in Unterhose ins Bett , ich putzte mir noch schnell meine Zähne und legte mich dann im langen T-Shirt von meinem Mann auf seine Brust
„Clara , irgendwie bin ich unzufrieden mit meinem / unserm Leben" fing Julian dann nochmal ein Gespräch an , obwohl ich kurz vorm einschlafen war
„Was meinst du?"
„Ich will was ändern"
„Und was" flüsterte ich gegen die Dunkelheit
„Ich hab da schon einen Plan"
„Verrate ihn mir"
„Nö"
„Juliaaaaan , ich bin deine Frau" haute ich ihm auf den Oberkörper
„Lass mich mal machen. Ich verrate ihn dir morgen beim Frühstück. Es ist ein schöner Plan. Er wird unser Leben ändern , aber du wirst ihn bestimmt lieben"
Ich war so gespannt was er meinte , doch manchmal fragte ich mich auch ob er überhaupt Kinder wollte , aber dann seh ich wie er mit Hannah umgeht und die Idee ist gestrichen
Aber ich würde es ja morgen erfahren und hoffte dass es mal was gutes war
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Dächer von Paris
Fan-FictionDu verlierst deine Mutter mit zwölf Jahren an einem Autounfall, dein Vater? Seit dem Alkoholiker Clara will ihr Leben neu als Physiotherapeutin in Paris anfangen und ihre Vergangenheit endlich hinter sich lassen Doch als bei ihrem neuen Job be...
