Julian
Ich sah nur noch wie der Mundwinkel meiner Frau in sich zusammen fiel und sich Tränen in ihren Augen sammelten
Mit einem ‚Tschüss' beendete sie das Telefon und drückte ihren Kopf gegen meine Brust
Ich strich ihr am Hinterkopf entlang und fing an mir Sorgen zu machen „Wer war das? Und was ist los?"
Wie ein kleines Mädchen schaute sie zu mir hoch „Michaela , mein Vater erkennt sie nicht mehr , er weiß nicht mehr wer sie ist. Er hat dann höchstwahrscheinlich Altsheimer"
„Schatz , du musst zu ihm"
„Und was ist mit der Arbeit?"
„Hol dir deinen Ordner mit und mach von Deutschland aus deine Arbeit"
„Meinst du wirklich"
„Clara das ist dein Papa"
Wortlos hob ich sie hoch und trug sie zu uns nachhause
So gern würde ich mit ihr fahren und sie nicht alleine lassen aber es ging nicht ich hatte ab morgen wieder Training
Bei uns zuhause war meine Frau total verwirrt und wusste garnicht was sie machen sollte
„Schatz ich helfe dir , okay?"
„Aber dann bist du hier ja ganz alleine"
„Ich schaff das , es wird zwar schwer ohne dich aber ich werde es meistern"
Meine Frau küsste mich und gemeinsam packten wir ihre Klamotten, sie nahm nicht all zu viel mit da sie ja auch waschen konnte
Bevor sie aber mit ihrem Koffer zu ihrem Vater fuhr , drückte ich sie nochmal gegen die Wand und küsste sie
„Willst du mein Auto nehmen?"
„Aber dann musst du ja meins nehmen" lachte sie
„Ich wollte schon immer mal den A1 fahren" flüsterte ich in den Kuss hinein
Mit ihr zusammen ging ich runter zu meinem Auto und tat ihr den Koffer in den Kofferraum
Fest umarmte ich Clara und wusste nicht wie lange sie bleiben würde
Sie weinte gegen meine Brust und flüsterte „Bis zu deinem Geburtstag bin ich spätestens wieder da"
Danach stieg sie ins Auto und fuhr fort
Keiner von uns beiden wusste was Clara jetzt in Deutschland bei ihrem Vater erwarten würde
Ich hoffte nur dass sie bald wieder kommt und zwar noch vor meinem Geburtstag denn bis dahin waren es noch 17 Tage und viel zu lange um sie nicht zu sehen
Meine Lippen waren noch nass von unserm Abschiedskuss und wusste garnicht was ich ohne Clara machen sollte , alle roch nach ihr und in langweile würde ich wahrscheinlich auch versinken , wie hatte ich das nur geschafft wie ich Single war?
Clara
Ich parkte den Audi von meinem Mann im Hof vor dem Haus wo ich aufgewacht bin
Meinen Koffer nahm ich aus dem Kofferraum und klingelte bei meinem Elternhaus
Mein Vater öffnete die Haustür und seit meiner Hochzeit im August hatte er sich verändert , seine Haare sind von braun auf fast komplett grau , sein Gesicht war bisschen zusammengefallen und sah geschwächt aus
„Papa?" sagte ich
„Clara , was machst du hier"
Ein Lob er erkannte mich noch
„Darf ich reinkommen?"
Wortlos ging er zur Seite und ließ mit rein
Ich stellte mein Koffer im Flur ab und ging mit meinem Papa ins Wohnzimmer, wo Frau Schäfer auf der Couch saß
„Clara wer ist das? Ich bitte sie die ganze Zeit zu gehen aber..."
„Das ist Michaela unsere Nachbarin seit langem Jahren" unterbrach ich ihn
Er erkannte sie tatsächlich nicht mehr , sein Gehirn war ab jetzt ein Sieb und gleichzeitig begann der Wettlauf gegen die Zeit
„Weißt du das nicht mehr?" fragte ich ihn
Er hatte Tränen in den Augen „Nein"
„Sollen wir mal was essen?" versuchte Michaela die Stimmung zu lockern
„Ja komm Papa" strich ich ihm über die Schulter und gemeinsam deckten wir den Tisch und aßen unser Brot
Kurz danach ging mein Papa auch schon ins Bett und ich redete noch etwas mit Michaela
„Bleibt doch die Nacht über hier , du bist doch eh allein" schlug ich ihr vor
„Gerne"
„Wie hast du das gemerkt mit meinem Papa"
„Heute morgen wie ich mit ihm spazieren gehen wollte sagte er auch einmal ‚wer sind sie' und dann hatte ich dich auch schon angerufen"
Ich möchte nicht wissen wie es sich für meinen Vater anfühlt geliebte Menschen nicht mehr zu erkennen
„Komm wir schauen mal im Internet was über Demenz zu finden ist"
Und tatsächlich es machte alles Sinn , Demenz kann die Folge von starkem Alkoholkonsum sein , wenn mein Vater jetzt was vergisst gibt es zwei Möglichkeiten entweder er erinnert sich nochmal dran oder die Information kommt nie wieder und diese Krankheit wird mit dem Tod enden
Ich saß im September Abend mit Frau Schäfer heulend vor dem Macbook und musste mich damit abfinden dass mein Vater sterben würde
Mir war das alles zu viel und ich entschloss mir hoch in mein altes Kinderzimmer zu gehen und zu schlafen
Michaela gab ich eine Decke für auf die Couch und ich ging hoch
Um in mein Zimmer zu kommen musste ich immer an dem Schlafzimmer meiner Eltern vorbei , wie oft bin ich dort rein gegangen wenn ich schlecht geträumt hatte oder es mir nicht gut ging
Meine Eltern waren immer da wenn ich sie brauchte und ab jetzt brauchte mein Vater wohl mich
Bevor ich in mein Kinderzimmer ging , öffnete ich die Tür von dem Schlafzimmer meines Papas
Er schlief genauso wie ich , immer auf der Seite und die Decke bis zum Kinn
Die Bettseite neben ihm , war bezogen so als würde mein Papa darauf warten würde bis meine Mutter zurück kommt
Leise schloss ich wieder die Tür und ging in mein altes Zimmer
Mein Bett aus der Jugend stand hier noch drin und ein alter Kleiderschrank der wahrscheinlich älter als ich war , die Wände waren weiß aber ich fühlte mich wohl
Ich schrieb Julian noch kurz eine gute Nacht Nachricht , wusste aber dass er schon schlief da er morgen Training hatte
Thomas hatte ich übrigens auf der Autofahrt hier her konfrontiert und er war einverstanden und hatte ein volles Verständnis
Kurz danach schlief ich auch ein und es herrschte Ruhe im Hause
Mitten in der Nacht so circa drei Uhr , konnte ich hören wie mein Vater auf dem Weg war nach unten zu geistern
Ich zischte aus dem Bett und lief ihm nach , er machte im Wohnzimmer gnadenlos das Licht an , obwohl michaela dort schlief
„Hast du deine Mutter gesehen?" flüsterte er
Ich hatte im Internet gelesen dass wenn an Demenz erkrankte Menschen , nach Toden suchen sollte man darauf eingehen
„Sollen wir sie suchen?"
„Bitte" sagte er usb zog sich schon die Schuhe an
Ich erkläre unseren Nachbarin alles , zuerst hielt sie die Idee für bekloppt aber sie machte mit
Gegen halb vier in der Nacht machten wir uns auf den Weg zum Friedhof um meinen Papa das Grab meiner Mutter zu zeigen , damit ihm hoffentlich kalt wird dass sie Tod ist
Ich nahm mir ein Stück Schokolade und meinen Vater in die andere Hand und wir gingen los
Komischerweise erinnerte sich mein Vater wieder an Frau Schäfer und durch die Dunkelheit marschierte ich mit ihnen durch gladbeck
Als mein Vater vor dem Grab stand weinte er bitterlich und ich wollte nicht wissen was ihm durch den Kopf ging , denn im Gegensatz zu mir hatte er sie kurz nach dem Autounfall nochmal gesehen , sprich die Leiche seiner Frau und die von der Mutter seiner Tochter
Auf dem Rückweg streichelte ich seine Hand und als wir zuhause waren gingen wir wieder hoch und michaela ins Wohnzimmer
„Clara?"
„Ja Papa?"
„Ich kann jetzt nicht mehr schlafen"
Oh das tat mir so leid „Soll ich mit in dein Bett kommen?"
Er nickte leicht und ich legte mich auf die Seite wo meine Mutter immer schlief
Dieses Bett war wirklich älter als ich , wahrscheinlich war es noch das Bett wo ich drin gezeugt wurden bin
Ich wartete so lange bis er eingeschlafen war und dann war mein Schönheitsschlaf auch an der Reihe
Früh morgens gingen die beiden wie jeden Morgen spazieren und ich machte mich an die Arbeit vom Homeoffice
Als es elf Uhr war , war es Zeit für mich die Pille zu nehmen , doch ich konnte sie nicht finden
Ich rief Julian per FaceTime an der mittlerweile wieder zu Hause war , da das Training nur bis zehn ging
„Guten Morgen mein Schatz" sagte mein Mann als er Oberkörperfrei auf dem Bildschirm erschien
„Morgen" schickte ich ihm einen Luftkuss
„Wie geht es dir und deinem Papa?"
„Keine Ahnung, mir gut aber mein Papa ist nicht mehr der gleiche er ist krank. Frau Schäfer ist mit ihm mal zum Arzt nachdem die spazieren waren"
„Ich bin so stolz auf dich"
„Ich liebe dich. Aber Juli hast du meine Pille gesehen?"
„Die Pinke?"
„Ja genau die"
„Ja die liegt hier in der Küche"
Ja dachte ich , da lag sie gut also keine Pille für die Clara Draxler
„Das kann ich sie nicht nehmen"
Julian lachte und zuckte mit den Schultern , ich wusste genau an was er dachte
„Ich freu mich auf dich , aber ich muss jetzt mal frühstücken" sagte Julian
„Okay , ich melde mich."
„Ich liebe dich"
Auch ich schaute mal so langsam was ich kochen könnte und war gespannt auf das Ergebnis beim Arzt
Ich entschloss mich für Spaghetti Bolognese und mir ging die Pumpe als ich hörte dass mein Vater und Michaela zurück waren
Das ganze Essen lang hatte ich keine Ruhe , denn ich wollte wissen was mein Vater hatte
Michaela schob mir ein Zettel zu mir den Worten „Der hat der Arzt für dich geschrieben"
Ich zitterte und fing an zu lesen
„Liebe Frau Draxler ,
Hier ist Doctor Schlaut , es tut mir sehr leid aber ihr Vater ist an Demenz erkrankt"
Da hatte ich es schwarz auf weiß , mein Vater würde im schlimmsten Fall irgendwann vergessen wer ich als seine eigene Tochter war
Wortlos nahm ich meinen Papa in den Arm und ich wusste er Wettlauf gegen die Zeit begann
In den nächsten Tagen schaute ich mir viele Bilder aus vergangen Tagen mit meinem Papa an , noch wusste er alles und Frau Schäfer erkannte er wieder aber so wird es nicht bleiben
Nach zehn Tagen hieß es für mich wieder zurück nach Paris zu fahren , die Sehnsucht nach Julian war zu groß
Herzlich verabschiedete ich mich von den beiden und fuhr los , ohne Julian etwas zu sagen
Voller Glück nahm ich gegen spät Abend meinen Koffer und schloss die Tür auf , nachdem ich gut über die Autobahnen gekommen bin
„Schaaatz" rief ich in die Wohnung
Julian kam mit leichtem Bart und nur in Unterhose aus dem Schlafzimmer gerannt , er war wahrscheinlich schon am schlafen denn es war kurz nach elf abends
Mein Mann lächelte und sah so umwerfend sexy aus
Wir rannten uns in die Arme , Julian hob mich hoch und drehte uns
Danach drückte er mich gegen die Badezimmertür und zog mir mein Shirt samt Bh aus
Er lief ins Schlafzimmer und die Lust überkam uns
Nachdem wir miteinander geschlafen hatten ließen wir uns laut atmend auf dem Bett fallen , doch dann kam mir Gedanke
„Hast du ein Kondom benutzt?" fragte ich schockiert
„Nein" sagte mein Mann und schaute mich fragend an
Ich schaute ihn so lange an bis es ihm einfiel „Stimmt die Pille"
„Juli ich habe die , die letzen zehn Tage nicht genommen und du bist gekommen"
Wir wussten nicht wie wir reagierten sollten und fingen schockiert an zu kuscheln , hatte er mich soeben geschwängert und waren wir bald zu dritt? Oder drehen wir jetzt alle am Rad ?
Hier ist nochmal ein Kapitel als danke da wir heute morgen die 1k Votes bekommen haben
DANKE 🙏🏻
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Dächer von Paris
FanfictionDu verlierst deine Mutter mit zwölf Jahren an einem Autounfall, dein Vater? Seit dem Alkoholiker Clara will ihr Leben neu als Physiotherapeutin in Paris anfangen und ihre Vergangenheit endlich hinter sich lassen Doch als bei ihrem neuen Job be...
