"Verfickte Scheiße.", brummte Nina und klappte den Laptop zu. Eine weitere Absage auf ihre Bewerbung. Wenn das so weiterging, würde sie nie etwas finden. Noch hatte sie zwar keine Note für ihre Masterarbeit, aber so naiv wie sie war, dachte sie, dass sie trotzdem relativ leicht einen Job finden würde.
Sie schloss wütend die Augen und stöhnte auf. Warum lief auch immer bei ihr alles so scheiße? Erst die Sache mit Marten und jetzt nur diese Absagen... Marten. Sie hatte ihn jetzt ein paar Tage nicht mehr gesehen. Irgendwie hatte sie erwartet, dass er sich melden würde. Hatte er aber nicht. Und sie war... Sie wusste nicht, ob sie wirklich glücklich darüber war oder doch auch ein bisschen enttäuscht. Sie wollte dieses Gefühl nicht wahrhaben, aber irgendwo in ihr spürte sie es.
Erneut seufzte sie. Ein neues Fitnessstudio musste sie sich jetzt auch noch suchen. In dem alten Studio war ihre sofortige Kündigung ohne Murren akzeptiert worden. Das war aber ja wohl auch das Mindeste.
Nina warf den Laptop auf die Couch, dann zog sie sich eine Jacke und eine Mütze an. Es war inzwischen wirklich kalt draußen geworden. Schnell schlüpfte sie in ihre Schuhe, dann verließ sie ihre Wohnung. Sie hatte kein Ziel, aber sie brauchte dringend ein bisschen frische Luft. Planlos lief sie durch die Straßen und genoss den kalten Wind, der ihr um die Nase wehte. Wenn sie wieder daheim ankam, würde sie sich erst einmal einen warmen Tee machen und sich auf die Couch kuscheln. An solchen Tagen schaute sie immer gerne Serien, die sie als Jugendliche gerne geschaut hatte. Momentan war es vor allem Gilmore Girls. Vielleicht sollte sie sich von unterwegs direkt etwas zu essen mitnehmen, sodass sie sich darum heute nicht mehr kümmern musste.
Ihr Blick fiel auf einen kleinen Dönerladen. Sie stellte überrascht fest, dass es der Laden war, wo sie das erste Mal mit John gesprochen hatte. Unterbewusst schien sie den Weg zur Uni gegangen zu sein. Sie seufzte leicht auf, dann lief sie auf den kleinen Laden zu. Wenn die Jungs hier aßen, war es bestimmt nicht so schlecht. Marten hatte immer gewusst, wo er gutes Essen herbekam.
Die Tür des Ladens öffnete sich und Nina blieb schlagartig stehen. John kam lachend mit Marten aus dem Laden. Einige weitere Männer, die Nina nicht weiter beachtete, folgten ihnen. Sie hielt die Luft an. Wenn sie sich jetzt umdrehte, könnte sie bestimmt ungesehen entkommen, aber stattdessen blieb sie wie angewurzelt stehen.
Sie starrte ihn einfach nur an. Marten hatte seinen Bart gekürzt. Er trug eine Jeans und einen bunten Pullover, der erstaunlich warm wirkte. Nina gab es nicht gerne zu, aber er sah fantastisch aus. Sie mochte es immer, wenn er richtige Klamotten anhatte und nicht nur diese Jogginganzüge. Sie fand, dass er auch darin viel zu gut aussah, aber so sah er beinahe zum Niederknien aus. Sie räusperte sich leicht.
Nina hatte die Tür geöffnet, dann war sie zurück in die Küche zu ihrem Kaffeeautomaten geschlichen. Sie hatte Lust auf einen Kaffee und Marten trank meistens auch gerne einen mit. Sie hörte wie er die Wohnungstür schloss, dann seine schweren Schritte, die auf die Küche zukamen.
"Kaffee?", fragte sie ihn.
"Gern.", seine tiefe Stimme kam direkt von der Küchentür und Nina drehte sich lächelnd um, dann blieb sie erstaunt stehen.
"Was hast du denn da an?", fragte sie vollkommen verwirrt. Marten lehnte in ihrer Küchentür. Er trug eine dunkle Jeans und ein hellblaues Hemd. Es hatte die Farbe seiner Augen und er hatte es bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt. Die starken, tätowierten Arme hatte er lässig verschränkt.
"Klamotten.", Marten verdrehte die Augen, aber Nina schüttelte den Kopf.
"Das ist EIN Hemd? Du hast ein Hemd?", sie lachte leicht, konnte ihren Blick aber nicht abwenden. Er sah fantastisch aus.
"Ja, stell dir mal vor. Hatte gerade noch einen wichtigen Termin. ", Marten nickte. Sie fragte sich, zu welchem Termin Marten wohl ein Hemd anzog, aber sein Anblick wischte diesen Gedanken weg. Nina blickte ihn noch eine Weile stumm an, dann stellte sie die Tasse in ihrer Hand ab. Sie setzte sich auf die Arbeitsplatte und deutete auf den Küchenboden direkt vor sich.
"Komm hier hin.", murmelte sie und biss sich auf die Unterlippe. Marten zog verwundert die Augenbrauen hoch, gehorchte aber. Kaum war er bei ihr angekommen, zog Nina ihn zwischen ihre Beine und verschränkten ihre Arme in seinem Nacken. Sie legte ihre Lippen auf seine, dann presste sie ihren Körper an ihn. Marten knurrte rau auf, seine Hände wanderten über ihren Rücken hinab auf ihren Po.
"Ich dachte, du wolltest Kaffee machen.", brummte er. Nina schüttelte den Kopf und öffnete seinen Gürtel.
"Was? Liegt das etwa an diesem Hemd?", Marten lachte und Nina strich über die tätowierten Unterarme.
"Hör auf zu reden.", murmelte Nina, ehe sie sich erneut an ihn presste und seinen Oberkörper am Hemdkragen zu sich zog.
Nina schüttelte die Erinnerung von sich ab. Marten war danach ein paar Mal extra mit Hemd bei ihr aufgetaucht - einerseits weil sie dann meistens sofort schwach wurde, aber auch weil er sich immer gerne darüber lustig gemacht hatte.
Nina merkte, wie John sie anblickte. Er fing an zu grinsen, dann stupste er Marten an. Nina verdrehte leicht die Augen. Marten blickte verwirrt zu ihr herüber, dann blitzten seine Augen amüsiert auf. Nina spürte, wie sie automatisch das Kinn ein Stück in die Höhe reckte und die Schultern straffte. Sie holte einmal tief Luft, dann überquerte sie selbstbewusst die Straße.
"Hi.", brummte sie, als sie an den Männern vorbeilief.
"Hi Nina.", John grinste sie breit an, aber sie beachtete es kaum. Sie stieß die Tür zum Dönerladen auf, dann pustete sie die Luft aus, die sie angehalten hatte. Sie war ein bisschen stolz auf ihre souveräne Leistung.
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Calm after the storm
Hayran KurguNina und Marten - es war wie ein Sturm gewesen. Unerwartet und heftig. Sie waren nie ein richtiges Paar gewesen. Er brauchte seine Freiheit und sie hatte gewusst, dass er am Ende des Tages eh wieder zu ihr kommen würde. Doch dann hatte Marten Nina...
