Ihr seid großartig. Ihr wisst gar nicht, wie sehr ich mich über all die lieben, traurigen, mitfiebernden Kommentare gefreut habe :) also habe ich beschlossen, hier als erstes weiterzumachen!
Kisses 😏😅
12 Monate später
Nina atmete tief ein. Gerade hatte sie ihre Masterarbeit an der Uni abgegeben und jetzt fühlte sie sich endlich wieder wie ein Mensch. Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht, atmete noch einmal tief durch, dann schlenderte sie durch die Straßen.
Ihr Handy klingelte. Timo. Sie ignorierte den Anruf, ließ das Handy wieder in ihre Tasche plumpsen. Timo war ihr.. Ja, was genau war Timo? Timo war das, was er auch für sie gewesen war - keine Beziehung, aber mehr als Freundschaft. Nur spürte Nina für Timo keine große Leidenschaft, er löste in ihr keinen Sturm aus. Er tat ihr einfach nur gut - Timo hatte sie abgelenkt.
Er hingegen hatte in ihr Gefühle ausgelöst, die ihr so nicht bekannt gewesen waren. Er war wie ein Wirbelsturm gewesen - und genau so eine Verwüstung hatte er hinterlassen. Sie hatte ihm nicht nachgeheult, sie hatte ihn an demselben Tag noch aus ihrem Leben gestrichen, aber die innere Leere hatte sie die ersten Wochen nicht loswerden können. Er hatte ihr offenbar doch mehr bedeutet, als sie gedacht hatte.
Nina hatte gewusst, dass sie nur im Internet nach ihm schauen musste und sie würde jederzeit wissen, was er tat oder wo er war, aber sie hatte es sich verboten. Sie hatte in dieser Nacht mit ihm abgeschlossen. Er, und alles was sie mit ihm in Verbindung brachte, war wie vom Erdboden verschluckt geblieben - zumindest so gut wie:
Nina lief an dem kleinen Dönerladen vorbei und genoss die Sonne, die auf ihrer Haut kitzelte. Sie schob die Sonnenbrille, die eben noch in ihren Haaren gewesen war, auf ihre Nase und lächelte zufrieden.
"Hey.", eine tiefe Stimme ließ sie herumfahren. Sie erkannte einen großen, blonden Mann, der langsam auf sie zukam. Er hatte sich aus einer größeren Gruppe Männer gelöst, die vor dem Dönerladen abhingen. Nina schloss hinter ihrer Sonnenbrille kurz die Augen. Sie erkannte diese Männer sofort, auch wenn sie sie noch nie persönlich kennengelernt hatte.
"Hey.", sagte sie schlicht und blickte den großen Mann abwartend an. Vielleicht war es Zufall, dass er sie ansprach.
"Du bist Nina, nicht?", fragte er sie und Nina seufzte. Also kein Zufall.
"Ja, und du bist?", sie verzog den Mund und der große Mann vor ihr legte den Kopf schief.
"Ich bin Bo... - John.", sagte er schließlich und Nina atmete tief ein. Was wollte er von ihr? Woher kannte er sie? Marten hatte seinem Cousin bestimmt von ihr erzählt, aber sie hatte nicht erwartet, dass er sie auf der Straße erkennen würde.
"Und, Johnny, was kann ich für dich tun?", fragte sie und schob ihre Sonnenbrille hoch. Sie blickte ihn herausfordernd an. Er musterte sie einen Moment überrascht, dann grinste er.
"Hab schon gehört, dass du ganz schön schlagfertig bist.", meinte John. Nina starrte ihn an. Was genau wollte er von ihr? Blickte er nicht, dass das total unpassend war?
"Das beantwortet die Frage nicht.", sie blickte an ihm vorbei zu den anderen Männern. Die musterten sie. Sie hatte das komische Gefühl, dass sie alle wussten, wer sie war und sie kam sich billig vor. Vermutlich war sie für alle die Kleine, die Marten noch kurz gefickt und dann abgeschossen hatte. Ihr wurde schlecht und sie blickte erneut zu John.
"Ich weiß nicht so genau. Vermutlich wollte ich wissen, wie es dir geht? Ob alles okay bei dir ist?", John kratzte sich am Kopf und Nina zog die Augenbrauen zusammen.
"Und wieso?", sie strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. Eventuell war dies das merkwürdigste Gespräch, welches sie je gehabt hatte.
"Ich glaube, er würde das gern wissen.", John sprach etwas leiser und Nina kniff die Augen zusammen. War das sein Ernst? Sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Für einen Moment überlegte sie, ob sie so tun sollte, als wisse sie nicht über wen John sprach, aber dann kam es ihr lächerlich vor.
"Ach? Du kannst ihm sagen, dass er sich keine Sorgen machen braucht. Für mich war es auch nur Sex - er hätte also nicht feige mitten in der Nacht abhauen brauchen, sondern einfach sagen können, dass er keinen Bock mehr hat.", sie fuhr sich erneut betont lässig durch die Haare, dann lächelte sie sanft, als wäre das ganze Thema für sie vollkommen egal. Sie war von ihrer schauspielerischen Leistung überzeugt und John scheinbar auch, denn er schaute sie mit großen Augen an. Er öffnete den Mund, als wollte er was sagen, dann schloss er ihn wieder.
"Schickt er immer dich vor, wenn er was wissen will?", fragte Nina und schob ihre Hände in die Hosentaschen an ihrem Po. Wenn John der Meinung war, dass es Marten interessierte, wie es ihr ging, warum fragte er dann nicht einfach selbst? Hatte er ihre Nummer nicht mehr? War es ihm unangenehm? So schätzte sie ihn nicht ein. Wenn er sie doch noch gewollt hätte, wäre er wiedergekommen - er hätte es zumindest versucht und hätte es dann akzeptiert, wenn sie ihn rausgeschmissen hätte.
John starrte sie sprachlos an. Ehe er etwas erwidern konnte, klingelte ihr Handy. Sie schaute kurz auf das Display, dann blickte sie John an.
"Tschau, John. War nett dich kennenzulernen. Kannst ihn ja mal grüßen.", sie hörte den Spott in ihrer Stimme, dann nahm sie das Telefonat an und ließ Martens Cousin irritiert zurück.
Nina verscheuchte die merkwürdige Erinnerung aus ihrem Kopf. Mittlerweile war das auch schon einige Monate her und obwohl sie die Situation immer noch eigenartig fand, hatte sie daran schon lange nicht mehr gedacht. Wieso schaffte es Marten also ausgerechnet heute, an so einem erfreulichen Tag, ständig in ihren Kopf? Sie seufzte leicht. Sie wusste wieso! Marten war nicht komplett unwesentlich an ihrem Abschluss beteiligt - sie hätte es auch ohne ihn geschafft, aber in der kurzen Zeit, die sie miteinander gehabt hatten, hatte er ihr immer, so gut er konnte, geholfen. Er hatte sie sogar Karteikarten abgefragt oder hatte manchmal auch einfach schweigend neben ihr auf der Couch gelegen, während sie gelernt hatte. Sobald sie die Bücher zur Seite gelegt hatte, war er über sie hergefallen, weil sie ihm mit Brille und zerzausten Haaren immer besonders gut gefallen hatte.
Sie stöhnte auf, dann griff sie nach ihrem Handy. Sie suchte die WhatsApp--Gruppe mit allen Freundinnen heraus:"Mädels, ich habe es geschafft! Heute Abend richtig feiern gehen?"
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Calm after the storm
FanfictionNina und Marten - es war wie ein Sturm gewesen. Unerwartet und heftig. Sie waren nie ein richtiges Paar gewesen. Er brauchte seine Freiheit und sie hatte gewusst, dass er am Ende des Tages eh wieder zu ihr kommen würde. Doch dann hatte Marten Nina...
