Teil 14 - Raben im Sturm

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Nach ein paar Minuten erhob sich Karvanté wieder. Sein Gesicht glühte, seine Augen glänzten. Er war noch nicht wieder ganz bei sich, das Glück, seinen Feind nun wirklich sterben gesehen zu haben, noch nicht ganz in seinem Geist angekommen.

"Ist es wahr? Esmeralda?"

Sie ging nun ebenfalls in die Hocke, fühlte Puls und horchte auf Atemgeräusche. Langsam, ganz langsam schlug ein Herz in einem Körper, den sie erfolgreich vergiftet hatte. Die Lähmung wirkte, wie sie es beabsichtigt hatte, er sah aus, wie er aussehen sollte. Tot.

Sie richtete sich wieder auf.

"Er ist tot. Du scheinst alles richtig gemacht zu haben."

Nun blieb ihr nicht mehr viel Zeit. Sie umklammerte das kleine Fläschchen mit dem Gegengift in ihrer Tasche, sie würde sich beeilen müssen.

"Ich weiβ auch, was du deiner... Königin versprochen hast. In dem Fall sollten wir die Sache besser hinter uns bringen, bevor noch jemand auf die Idee kommt, dumme Fragen zu stellen."

"Ach ja, nur weil du in der Folterkammer nicht dabei sein durftest, willst du ihn in Fetzen sehen. Na gut, Esmeralda."

Er winkte die Wachen herein, die etwas abseits gewartet hatten.

"Bringt ihn hinauf. Sucht euch einen Karren und fahrt ihn vor die Stadt in die Nähe des Galgenhügels. Ich werde noch eine wichtige Nachricht überbringen und komme dann nach."

Esmeralda verzog wieder den Mund. "Ich komme mit."

"Ich habe nichts anderes erwartet, meine Gute..."

Als Francis Körper endlich zurück an der Oberfläche war, stand die Sonne schräg am Himmel. Ein leichter Wind wehte, mit dem Versprechen eines Sturms. Esmeralda machte einen leeren Karren mit Pferdestroh aus, der zwar ein Pferd, aber keinen Kutscher mehr hatte. Sie legten den Piraten auf die Ladefläche und als ein Soldat hinaufgeklettert war, sprang sie hinterher.

"Kein Grund für mehr Personal, wir schaffen das zu zweit."

Sie schenkte dem Mann neben ihr ein strahlendes Lachen. "Der Weg ist ja nicht weit."

Karvanté nickte und hob die Hand zum Gruβ.

Langsam setzten sie sich in Bewegung, Esmeralda überlegte fieberhaft. Wenn alles nach Plan lief, dürfte gerade in diesem Moment ein Krawall losbrechen, der Karvanté hoffentlich aufhielt. Als sie die Bastille verlieβen, sammelte sich gerade eine gröβere Menschenmenge. Manchmal musste man sich wohl einfach darauf verlassen, dass ein Plan funktionierte. Nicht dass es ihr Plan gewesen wäre, aber sie war einflussreich genug (und beliebt genug), um stets genug Informationen zu haben, ihre eigenen Ränke zu schmieden. Die Menschen waren unzufrieden, na wunderbar. Mit ein bisschen Glück und der Hilfe einiger bezahlter und weniger freiwilliger Freunde würde sich der Tumult bis auf den Stadtplatz ausdehnen und rein zufällig einigen dort ausgestellten Piraten zur Flucht verhelfen.

Sie atmete tief ein und versuchte, eine Lösung für ihr derzeitiges Problem zu finden. Sie brauchte einen ruhigen Ort und sie brauchte eine entstellte Leiche. So ein Glück, dass sie einen Anwärter auf diese Rolle bereits neben sich gefunden hatte.

Sie strahlte den Soldaten noch einmal an und beugte zu ihm hinüber. Er lauschte geschmeichelt und sackte dann mit einem Japsen in sich zusammen.

Als sie am Hügel vor der Stadt ankamen, saβ Esmeralda alleine auf dem Kutschbock. Hinter ihr, halb begraben in einem Haufen Stroh lag ein nackter Mann, blutbesudelt und die Gliedmaβen unnatürlich verdreht. Er sah so tot aus wie er war und Esmeralda hatte sogar noch die Zeit gefunden, sich die Hände zu waschen.

PiratenblutGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt