Teil 11 - Willkommen in der Hölle

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War es schon morgen oder noch mitten in der Nacht? Das Zwielicht in diesem Gefängnis konnte alles bedeuten und nach ein paar Stunden zwischen Schlafen und Wachen, zwischen leisem Gemurmel aus den angrenzenden Zellen und langen Zeiten der Stille, schien die Zeit gekommen zu sein.

Diesmal kamen sie zu viert, um ihn zu holen. Ohne viel Aufhebens sperrte einer der Männer die Tür auf und die anderen banden ihn von der Wand los, nur um seine Hände hinter seinem Rücken zu fesseln. Drake schwieg, er lies die Männer gewähren und lies sich widerstandslos abführen.

Jesse wollte etwas sagen, etwas tun, aber jedes Wort blieb ihm im Hals stecken. Ihre Blick trafen sich schweigend.

Jesse wusste nicht, ob er hoffen sollten, dass er Francis noch einmal wiedersehen würde. Vielleicht wäre ein schneller Tod das Beste für sie beide.

Als Francis den Gang zurückgeführt wurde, den sie erst vor kurzem aus der anderen Richtung betreten hatten, nahm er die vollen Zellen zu beiden Seiten wahr. Und er erkannte die Gefangenen, die dort standen. Er straffte die Schultern und warf ihnen einen aufmunternden Blick zu. Auch seine Männer kannten das Urteil und vielleicht waren sie sich bewusst, dass sie ihn heute vielleicht zum letzten Mal sehen würden. Seinen Piraten hatte es nicht die Sprache verschlagen, als einer anfing ein altes Seemannslied zu singen, stimmten alle mit ein.

"Fünfzehn Mann auf des toten Mannes Kiste, heyheyhey und ne Buddel voll Rum..."

Bevor die Tür hinter ihnen ins Schloβ fiel, dreht sich Francis noch einmal um.

"Trinkt einen für mich mit, wenn ihr hier raus seid!"

Johlendes Gelächter antwortete ihm.

Der Weg war nicht weit, ein paar Stufen hinauf und um einige Kurven. Sie schienen fast an der Oberfläche zu sein, Francis spürte einen frischen Luftzug und das Licht wirkte auch heller. Sie kamen an einer groβen, eisenbeschlagenen Tür zum Stehen. Zwei der Männer mussten sie mit einer ziemlichen Kraftanstrengung aufstemmen. Der Raum dahinter war groβ und geräumig, ein Feuer erhellte ihn und warf zuckende Schatten an die Wand. Die Gerätschaften, auf die dieses Licht fiel, wollte Francis lieber nicht genauer in Augenschein nehmen. Mitten im Raum, die Hände geöffnet wie ein groβzügiger Gastgeber, stand Graf Karvanté.

"Guten Abend, Kapitän Drake."

Er trug diesmal keine Uniform und auch keine Perücke, sein dunkelbraunes Haar war zu einem kurzen Zopf in seinem Nacken zusammengebunden. Seine Kleidung bestand aus einem einfachen Hemd, fleckigen Hosen und alten Stiefeln. Verdammt, das alles konnte wohl richtig dreckig werden.

"Guten Abend, Graf Karvanté. Ihr habt euch für mich ja richtig herausgeputzt."

"In der Tat. Wir beide werden heute wohl ziemlich ins Schwitzen kommen."

Jetzt wurde Francis doch etwas nervös. Er wollte nicht sterben. Er wollte überhaupt nicht hier sein, diesem Wahnsinnigen ausgeliefert.

Der Graf trat dicht vor ihn, ein kleines Messer in der Hand.

Er begann ganz langsam durch den Stoff seines Hemdes zu schneiden, schälte Francis Oberkörper aus dem Leinenstoff und ritzte immer mal wieder leicht über seine Haut. Eine Gänsehaut durchfuhr ihn, dieses Kratzen tat kaum weh, aber brachte seine Nerven ordentlich durcheinander. Karvanté strich über jeden freigewordenen Zentimeter seiner Haut, wie er es bereits in der Zelle getan hatte. Das verkrustete Blut auf seinem Rücken klebte am Stoff und es ziepte, als er ihm die Fetzen von der Haut zog.

"Na, wollt ihr euch eure Beute noch einmal ansehen? Ganz ehrlich, Herr Graf, diese Zärtlichkeit beunruhigt mich..."

Karvanté stand wieder vor ihm, ein breites Grinsen auf dem Gesicht.

PiratenblutGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt