Teil 21 - Setzt die Segel!

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Der Wind wurde frischer, wehte kraftvoller und wehte den Geruch des Ozeans über das Schiff und die kleine Bucht in der es vor Anker lag. Den ganzen Vormittag hatte sich kein Lüftchen geregt und die Sonne hatte unangenehm von einem strahlend blauen Himmel auf die frischpolierten Decks der Dragon gebrannt. Die kühle Luft war erfrischend und Esmeralda nahm sich einen Moment Zeit, um in die Ferne zu blicken. Die Wellen schwappten sanft gegen das Schiff, hier und da plätscherte etwas.

An Deck wurde immer noch gearbeitet, Vorräte wurden eingelagert, die Frischwassertanks aufgefüllt. Zum gröβten Teil bestanden diese aus getrocknetem oder gesalzenem Fleisch und den Früchten, die sie in den trockenen Wäldern, die diese kleine Bucht umschlossen, gefunden hatten. Es versprach kein Luxusleben zu werden, aber sobald sie wieder auf See waren, würden sie über kurz oder lang auch einen Hafen anlaufen, der Piraten gegenüber tolerant genug war, um ihnen Getreide und sonstige Nahrungsmittel (und hoffentlich auch Waffen und Munition) zu verkaufen.

Und dann, wenn alles vorbereitet war, wenn alles getan war, dann würden sie gemeinsam losziehen, um das zu tun, was sie immer schon getan hatten. Die Dämonen der Vergangenheit würden hinter ihnen zurückbleiben und das Leben weitergehen. Das zumindest war die Hoffnung der meisten Männer auf diesem Schiff. Der Kapitän war wieder da.

Esmeralda seufzte. Manche Dämonen schienen immer wieder aufzutauchen, aus den Schatten, aus der Nacht, in Träumen und Alpträumen. Und so das Schicksal ihnen gnädig war, würden sie diesen speziellen Dämon mit eigenen Händen zur Strecke bringen. Sie kniff bitter die Lippen zusammen, als sie daran dachte, was sie mit Karvanté anstellen würde, wenn sie ihn erst in die Finger bekäme. Allein, ohne seine verdammte Königin und deren Geld. Nur er und sie. Dann würde sie ihm zeigen, was sie alles bei ihm gelernt hatte, ja, das würde sie.

Soweit sich das mit ihren neuen Kameraden in Einklang bringen lieβ. Vermutlich wäre Francis der Erste, der seine Rechnung begleichen wollen würde. Und was sie den Gesprächen der letzten Tage mit ihm entnommen hatte, enthielt diese vor allem einen sehr kurzen Weg eine hölzerne Planke entlang, hin zu einem sehr erfrischenden und sehr endgültigen Bad.
Piraten. Alle gleich, keine Kreativität. Aber vermutlich konntes es auch kaum jemand mit ihrer Kreativität aufnehmen, dafür hatte der Graf schon gesorgt. Und vielleicht war das in diesem Moment auch gar nicht so wichtig.
Aufbruch lag in der Luft, ein neues Leben wartete hinter dem Horizont. Ein Leben, das ihr fremd erschien, so anders als das, was sie bisher erlebt und getan hatte. Bis zu diesem Tag, an dem es nun wirklich losgehen sollte, hatte sie kaum darüber nachgedacht, was es denn wirklich bedeutete an Bord eines Piratenschiffes zu leben. Nun denn, sie würde es herausfinden.

Ihr Blick wanderte vom Horizont zurück zum Strand. Hier war es ruhig geworden in den letzten Stunden. Die Arbeit hatte sich immer mehr direkt aufs Schiff verlagert, die Männer, die hier noch zu finden waren, lagen schlafend im Sand oder saβen müβig am Rand des Wassers und sprachen leise miteinander.

Ein Stück höher, näher an den ersten Bäumen, konnte sie zwei Gestalten ausmachen. Sie bewegten sich schnell, stürzten aufeinander zu, wichen aus und tänzelten umeinander herum. Immer wieder sah sie Stahl aufblitzen und gelegentlich hörte sie den einen oder anderen angestrengten Schrei. Jesse und Francis hatten die ganzen letzten Wochen hart trainiert, mit Schwertern, Messern oder den bloβen Fäusten. Beide trugen die Spuren ihrer Gefangenschaft und der Tage danach, beide hatten viel Kraft verloren und einiges auszugleichen. Jesse musste lernen mit nur einem Auge zu sehen, Entfernungen einzuschätzen und zu kalkulieren, was ihm sein Auge nicht zeigen konnte. Francis hatte viel Muskelmasse verloren, was Karvanté nicht zerstört hatte, war in den darauffolgenden Wochen verkümmert. Am Anfang konnte er kaum sein Entermesser halten und war schon nach wenigen Minuten erschöpft zusammengeklappt. Diese Zeiten waren nun vorbei. Zusammen hatte sie sich ihre Kraft und Schnelligkeit zurückerobert und es war Esmeralda ein Vergnügen, die beiden so kämpfen zu sehen. Sie wirkten wie zwei junge Hunde oder eher wie zwei halbstarke Löwen, wie sie sich immer wieder umkreisten, nach einer Lücke in der Deckung des Gegners suchend, um dann blitzschnell zuzustoβen. Hoffentlich wurde dieser Trainingskampf nicht wieder zu ausgelassen, sie war es langsam leid, Schnittwunden zu verbinden, die mit ein bisschen weniger Enthusiasmus vermeidbar gewesen wären.

PiratenblutGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt