[Kapitel wurde am 15.11.25 überarbeitet]
1992
Nachdem die Gruppe Erstklässler mit Hagrid vorneweg den Bahnsteig verlassen hatten, wurde es um sie herum stockfinster, nur eine große Laterne, die der Wildhüter in der Hand hielt, sorgte für ein wenig Licht. Während Hagrid die Erstklässler von Hogwarts einen schleimigen Trampelpfad hinabführte, stellte er sich den neuen Schülern vor, die ihn noch nicht kannten und erzählte ein wenig von sich selbst und von Hogwarts. Ginny selbst hatte Hagrid ein paarmal gesehen, als sie mit ihren Brüdern in der Winkelgasse unterwegs gewesen war, persönlich mit ihm gesprochen hatte sie jedoch nie. Jetzt hörte sie ihm aufmerksam zu während ihre Schritte dem schmalen Pfad folgten.
Hagrid schob einige Schilfhalme auseinander und winkte den Schülern zu, die ihm nachgelaufen waren. „Wenn ihr um diese Biegung lauft, dann werdet ihr zum ersten Mal in eurem Leben Hogwarts sehen!", erzählte er stolz. Als die ersten Schüler um die Biegung liefen, ertönten laute, erstaunte und auch begeisterte Rufe.
Ginny reckte den Kopf, um über die vor ihr stehenden hinwegzusehen.
Und da war es.
Das Schloss selbst war riesig, es hatte eine unzählbare Menge an Türmen, Zinnen und Brücken. Aus einigen Fenstern leuchtete den Erstklässlern ein goldenes Licht entgegen, dass den darunterliegenden See in einem blassgelben Licht erstrahlen ließ.
Es war ein wunderschöner Anblick.
Dann entdeckte Ginny die Boote, die vor ihnen im Wasser des Sees trieben. Sie waren nachtschwarz und hoben sich kaum von der Wasseroberfläche ab.
„Nicht mehr als vier in ein Boot", wies Hagrid die Erstklässler an. Ginny nickte Tatia zu, die noch immer neben ihr stand. Gemeinsam setzten sich die beiden Freundinnen in eines der schwarzen Boote, Tatias Blick lag dabei noch immer auf dem riesenhaften Schloss. Ein leises Wow entschlüpfte den Lippen von Ginnys Freundin.
„Beeindruckend, was?", meinte die Rothaarige ebenso staunend und Tatia konnte nur wortlos nicken.
Im selben Moment gesellten sich ein Braunhaariger Junge, der ziemlich nervös wirkte und ein Mädchen zu den beiden Freundinnen. Ginny musterte neugierig die beiden Neuankömmlinge.
Der Junge blickte sofort etwas ängstlich weg, als ihre Blicke sich trafen und rutschte unruhig auf seinem Sitzplatz hin und her, wohingegen das Mädchen Tatia und Ginny nacheinander kritisch musterte. Ihre hellblonden, fast weißen Haare hatte sie zu zwei Zöpfen geflochten, während sie mit ihren durchdringenden blauen Augen Ginnys Blick erwiderte. Der Blick des Mädchens war ihr irgendwie unheimlich. Nun war es die Weasley, die mit einem unwohlen Gefühl im Magen wegsah.
„Sitzen alle in den Booten? Alle da?", erscholl Hagrids Stimme von links. Ginny wandte den Kopf zu dem Wildhüter, der ein Boot für sich alleine hatte. „Nun denn. VORWÄRTS!"
Gleichzeitig, als wären sie ferngesteuert, setzten sich die Boote in Bewegung und tuckelten langsam auf das riesenhafte Schloss zu.
„Und wer seid ihr so?" brummte das Mädchen mit den Weißblonden Haaren und durchbrach plötzlich die Stille. Tatias Blick wanderte von dem Monument vor ihnen zu dem Mädchen. „Ich bin Tatia", stellte sie sich mit freundlicher Stimme vor und deutete dann auf Ginny. „Und das ist meine Freundin Ginny". Das andere Mädchen nickte bloß. „Kira" stellte sie sich vor, ihr Blick wanderte anschließend hinüber zu dem Jungen, der immer noch nervös wegstarrte. „Und du?" fragte sie ihn kurz angebunden.
Ihre Stimme klang ziemlich mürrisch, Kira schien ziemlich schlecht gelaunt zu sein. >>Wie kann man nur zu diesem Zeitpunkt schlecht gelaunt sein? Sie betritt gleicht zum ersten Mal Hogwarts und hat schlechte Laune? <<
Ginny musterte das Mädchen mit den Weißblonden Haaren ein wenig ungläubig.
Der Junge sah Kira nicht einmal an, während er leise etwas vor sich hinmurmelte. „Du solltest vielleicht etwas lauter reden, damit wir dich auch hören!" kommentierte Kira angefressen und verschränkte die Arme.
„Ben...", murmelte der Junge und hob den Kopf. „Ich heiße Ben..." Kira zuckte mit den Schultern. „Geht doch", murrte sie, während Tatia dem Jungen etwas unsicher zunickte. „Schön dich kennenzulernen". Meinte sie und Ginny nickte zustimmend.
Ben blickte jedoch bloß schüchtern weg und schwieg.
„Vorsicht Leute! Köpfe einziehen" Hagrids Stimme zog erneut Ginnys Aufmerksamkeit auf sich. Die Boote hatten mittlerweile die Felsen des Schlosses erreicht und glitten nun unter einem Vorhang aus Efeuranken hindurch.
Jetzt schwammen die Boote durch einen dunklen Tunnel, bogen um eine Ecke und dockten schließlich an einem unterirdischen Hafen an. „Na dann wolln wir mal.", meinte Hagrid, rieb sich enthusiastisch die Hände und stieg aus seinem Boot aus. Die Erstklässler folgten seinem Beispiel und reihten sich hinter dem Wildhüter auf, der die Gruppe anschließend einen felsigen Tunnelgang nach oben führte, bis sie auf einem breiten Pfad standen, der direkt auf ein großes Tor zuführte. Der Wildhüter hob seine Faust und klopfte.
Ginny musste zugeben, dass ihr das Herz ein wenig in die Hose rutschte, als sie bemerkte, wie das Tor sich langsam öffnete.
Hinter dem Eingangstor wartete eine ältere Hexe auf die Gruppe. Sie trug einen grünen Umhang und einen schwarzen Hut sowie eine Brille auf der Nase. Sie hatte einen strengen Gesichtsausdruck aufgesetzt, mit dem sie die Schüler einen nach dem anderen musterte. Ben, der rechts neben Ginny stand, entfuhr ein leises Wimmern.
Die Weasley hingegen schlussfolgerte aus dem Erscheinungsbild der Frau und den Geschichten ihrer Brüder, dass die Frau Professor McGonagall sein musste.
Die Hauslehrerin von Gryffindor.
„Die Erstklässler, Professor McGonagall", sagte Hagrid und deutete eine leichte Verbeugung an. Die Lehrerin nickte leicht, verzog dabei keine Miene, als sie jedoch zu sprechen begann, war ihre Stimme freundlicher, als Ginny erwartet hatte. Sie passte so gar nicht zu ihrer strengen Miene, wie die rothaarige fand.
„Danke Hagrid", sagte McGonagall und winkte die Schüler zu sich, während der Wildhüter zur Seite trat, um sie durchzulassen. Ginny blickte aufgeregt zu Tatia hinüber, die Professor McGonagall neugierig anstarrte. Die Weasley entdeckte außerdem Kira, die etwas weiter links von Tatia stand. Das weißblonde Mädchen verdrehte gerade genervt die Augen.
Als der letzte Schüler durch das Tor geschlüpft war, schloss sich die Pforte mit einem lauten Knall wieder. Professor McGonagall führte die Erstklässler nun in einen kleinen Raum am anderen Ende der großen Eingangshalle von Hogwarts. Die Hauslehrerin von Gryffindor erhob zum zweiten Mal die Stimme, nachdem sie die Türe der Kammer hinter dem letzten Erstklässler zugezogen hatte: „Liebe Schülerinnen und Schüler", sagte die Hauslehrerin mit lauter Stimme, „Mein Name ist Professor McGonagall und ich bin eine ihrer Lehrerinnen hier an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei. In der großen Halle ist bereits das Festbankett zum Empfang aufgebaut und vorbereitet worden." Bei diesen Worten ertönte ein aufgeregtes Tuscheln und die Erstklässler blickten sich gegenseitig aufgeregt an. Ginny und Tatia tauschten ebenfalls aufgeregte Blicke. Mit einer Handbewegung sorgte McGonagall wieder für Ruhe und fuhr mit ruhiger Stimme fort, „Aber davor wird entschieden in welches Haus Sie alle kommen werden."
Da war es wieder, das mulmige Gefühl in Ginnys Bauch.
Sie schob es energisch beiseite.
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Das ist der Weg
FanfictionWir schreiben das Jahr 1992: Ginny Weasley darf endlich nach Hogwarts. Voller Vorfreude auf ihr erstes Schuljahr macht sie sich mit ihrer Familie auf zur Winkelgasse und reist wenig später zum ersten mal nach Hogwarts. Doch was dort passiert, wird d...
