Wenn Puzzleteile nicht zusammenpassen

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[Kapitel wurde am 21.11.25 überarbeitet]

Jahr 2016

Askaban

Lily war verwirrt. Sehr verwirrt sogar...

Ihre rechte Hand umklammerte einen der eiskalten Gitterstäbe, während ihre Augen die Dunkelheit in der Zelle gegenüber durchsuchten. Mit der anderen Hand trommelte sie immer wieder nervös gegen den Zellenboden, ab und an auch gegen ihren Oberschenkel. Das wiederum erhöhte ihre Nervosität, gepaart mit der unersättlichen Neugierde nur noch mehr wissen zu wollen. Sie wurde immer unruhiger.

Ihr Blick lag auf der gegenüberliegenden Zelle, in der Ginny halb im Schatten verborgen am Boden kauerte. Ginny, die sie als launische, griesgrämige Person kennengelernt hatte, die genau das aussprach, was ihr gerade durch den Kopf ging und die von ihrem Weg nach Askaban berichtet hatte. Die Ginny, die ihre Schulzeit mit Lily geteilt und sie bereitwillig in ihre Geheimnisse eingeweiht hatte.

Um ehrlich zu sein, Lily fragte sich immer noch, warum Ginny all diese Informationen bereitwillig herausrückte. Diese Dinge, die sie da erzählte, waren privat, es waren Erinnerungen an alte Zeiten, an ihre Kindheit. Geheimnisse, die sie vielleicht längst verdrängt hatte, gefährliche Dinge. Nicht legale Dinge. Die Potter wusste nur, dass sie, wenn sie an Ginnys Stelle wäre, solch wertvoller Erinnerungen nur ungern mit jemand anderem teilen würde, besonders nicht mit einem fremden Kind. Immerhin kannte Ginny die Potter nicht, geschweige denn vertraute sie ihr und man musste zugeben, Lilys Geschichte, dass sie nicht wusste, wie sie hier hergekommen war, war auch nicht unbedingt die glaubwürdigste.

Warum erzählte Ginny ihr das alles? Lily konnte es sich nicht erklären. Es war weder clever die Potter einzuweihen, noch ergab es in irgendeiner Weise einen logischen Sinn. All das, was Ginny da erzählte, konnte man irgendwie auch gegen sie verwenden, das wusste Lily von ihrem Vater und seiner Arbeit mit den Auroren.
Die Frau ging mit ihrer Geschichte ein viel zu großes Risiko ein, dessen Tragweite Lily erst jetzt bewusst wurde. Ein schlechtes Gewissen überkam Harrys Tochter, so als würde sie Ginny ausnutzen... 

>>Aber das tue ich ja nicht. Ich nutze sie nicht aus ich bin nur neugierig... oder doch? << Zweifel überkamen das Mädchen. Sie zog ihre beiden Hände eng zu sich und die Knie an den Körper,  ihre Augen suchten wieder die Dunkelheit der anderen Zelle und fanden die in sich zusammengesunkene Gestalt von Ginny Weasley. Die Gefangene wischte sich gerade mit einem Arm über das Gesicht.

Und genau das war die zweite Sache, die ganz und gar nicht passte und die Lily irgendwie einfach seltsam vorkam.

Ginny hatte geweint.

Dieses Verhalten passte einfach nicht zu Ginny, denn die Gefangene hatte sich bisher ganz anders verhalten und nicht einmal im Traum hätte Lily eine solche Reaktion vermutet. 

Gut zugegebenermaßen, den Wutausbruch, als die Rothaarige erfahren hatte, dass Harry Potter, der Auserwählte persönlich Lilys Vater war, den hatte die Potter auch nicht erwartet. Aber der war zumindest verständlich gewesen und hatte irgendwie auch zu Ginnys Temperament gepasst, dass während der Geschichte ab und an mit ihr durchging. Ansonsten war die Weasley immer mürrisch, griesgrämig und schlecht gelaunt gewesen. Sie hatte in der ganzen Zeit hier, in der sie mit Lily gesprochen hatte, kein Blatt vor den Mund genommen, teilweise sogar unbeherrscht gewesen. 

Und jetzt saß sie einfach still da, halb in der Dunkelheit versteckt, wieder und wieder schüttelte die Rothaarige leicht den Kopf, ihr dreckiges und ungepflegtes Haar bewegte sich wie ein Vorhang im Wind sanft von rechts nach links und zurück. Sie schien die Blicke von dem Mädchen in ihrer Nachbarzelle entweder nicht zu bemerken oder aber sie komplett zu ignorieren.

Das ist der WegGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt