Kapitel 2

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Fehler konnte man nicht ausradieren, indem man diese mit einem Pflaster verdeckte. Sie waren tief in unseren Köpfen verwurzelt und suchten uns heim, wenn wir es überhaupt nicht gebrauchen konnten.

>> Trojan <<

Ich saß auf der Liege, die in der nächsten Stunde einer meiner Kunden belagern würde. Die Tür war leicht geöffnet, sodass ich den Eindringling hinter meinem Schreibtisch beobachten konnte.

Es war ein regelrechter Schock sie im Diner zu sehen. Ich dachte, dass mein schlimmster Alptraum zurückgekehrt war, um das letzte bisschen Leben, das ich noch hatte, zu zerstören. Die gleichen schwarzen Locken. Gebräunte Haut, eine leicht spitze Nase und braune Augen. Sie hatte mir versprochen nicht zurückzukehren, doch hatte sie plötzlich im Diner gesessen. Nur ein paar Centimeter von mir entfernt. Ich hätte nur einen Schritt vorgehen müssen, um ihren Geruch wieder wahrnehmen zu können.

Sie hatte nicht mit mir gesprochen, war einfach aus dem Diner gestürmt, wobei sie absolut verängstigt gewirkt hatte.

Dann stand sie auch noch plötzlich vor meinem Laden und wollte auch noch für mich arbeiten. Wollte sie mich brechen? Tat sie deswegen so, als würden wir uns nicht kennen?

Eilzes Anruf hatte mir die Realität vor Augen geführt. Die Frau in meinem Laden war eine fremde Person. Sie spielte mir nichts vor, weil sie mich überhaupt nicht kannte. Das warf nur noch mehr Rätsel auf. Warum sah sie ihr so ähnlich?

Ich war gezwungen gewesen, sie genauer zu betrachten. Elize konnte nicht mit mir telefonieren und gleichzeitig neben mir stehen, ohne die Lippen zu bewegen.

Amaras Iris zierte ein schmaler, goldener Ring. Das ließ ihren Blick nur noch durchdringender wirken als ohnehin schon. Auf ihrer Nase befand sich ein winziges Muttermal, das sich bewegte, wenn sie die Nase kräuselte. Es war irgendwie süß.

Ich rieb über meine Rasterzöpfe. Süß. Es war nicht süß. Frauen im Allgemeinen sollte man nicht verniedlichen. Sie konnten grausame Monster sein. Amara saß hier nur, weil mich ihr Äußeres kalt erwischt hatte.

Sie rieb sich über die Stirn. Diese Eigenart hatte bereits gestern an ihr bemerkt. Sie sah heute nicht mehr ganz so müde aus. Die Haut unter ihren Augen war beinahe schwarz gewesen und dennoch hatte sie den Tag mit mir bewältigt und nicht ein einziges Mal sich beklagt.

Die Türglocke läutete. Von meinem Platz aus konnte ich den Neuankömmling gut sehen. Ich erhob mich.

„Hi, kann ich weiterhelfen?", begrüßte sie den Mann.

Kiran blieb vor dem Schreibtisch stehen, lehnte sich leicht vor und musterte ihr Gesicht. In seinem Seitenprofil sah ich den Schock, doch er fing sich wesentlich schneller, als ich es im Diner geschafft hatte.

„Man, oh man. Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen."

Amara legte ihren Kopf schief. Ihre Locken fielen zur Seite, gewährten mir einen besseren Blick auf ihr Gesicht.

„Wie bitte?"

„Nevermind. Ist Trojan hier?", hakte er nach.

Das war mein Stichwort. Ich riss die Tür auf und trat nach draußen.

„Kiran", deutete ich in den Raum.

„Willst du mir das erklären?"

Meine Rückenmuskulatur verspannte sich. Ich trat einen Schritt vor.

„Geh durch", knurrte ich. Ich würde sicherlich nicht vor ihr eine Erklärung liefern. Kiran verstand meinen Wink mit dem Zaunpfahl. Kopfschüttelnd wandte er sich von Amara ab und kam auf mich zu. Ich blieb stehen, bis er im Raum verschwunden war.

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