Deshalb fragte ich nebenbei, bekam aber nur als Antwort: »Glaubst du wirklich, dass wir dir das sagen werden?« Stephan lachte, als hätte ich den Witz des Jahrhunderts gemacht. Dabei befand er sich so nahe hinter mir, dass ich ihn riechen konnte. Ich nahm nicht nur ihn wahr, sondern auch sein Blut. Es fühlte sich nicht wie bei Edan an, aber ich bemerkte es in seiner Vene pulsieren. Als ich darüber nachdachte spürte ich erst den Hunger. Außerdem fühlte ich mich ausgelaugt. Ich brauchte nicht bloß Essen, sondern auch Edans Vene. Weshalb war ich nur so bescheuert gewesen, nicht noch einmal von ihm zu trinken? Stattdessen dachte ich, es wäre nicht schlimm noch ein paar Stunden ohne Blut zu sein. Nun bekam ich die Quittung dafür.
»Was habt ihr mit mir vor?«, flüsterte ich nebenbei, aber noch so, dass sie es verstanden. »Das wirst du noch zeitig genug erfahren!«, hörte ich Stephans Bruder mit dunkler Stimme und mir wurde schnell bewusst, dass es nicht bloß eine Drohung war, sondern das sie nicht zimperlich mit mir umgehen würden und alles was ich erlebte für sie wahrscheinlich lediglich ein Spiel war. Für mich eher eine Qual. Dennoch sprach ich mir innerlich selbst zu, dass alles wieder gut wurde. Mit Sicherheit dauerte es nicht lange und mir wurde geholfen. Hey, ich bin kein Mensch mehr, dachte ich. Leider bemerkte ich in diesem Moment davon rein gar nichts.
Ich wollte die Hoffnung schon aufgeben; durfte aber nicht. Es bestand noch immer die Chance, dass Edan mich rettete, oder wenn er es nicht rechtzeitig schaffe, mich zumindest schnell fand. Nur ganz nebenbei riss etwas anderes meine Aufmerksamkeit auf sich und sah wie etwas vor meine Füße auf den Boden gesprüht wurde. Ein Kreuz? Mit einem Schwert? Ist das ein Witz? Das musste eindeutig ein Scherz sein. Es wirkte so lächerlich, dass man wirklich hätte lachen können, wenn meine Lage nicht so ernst gewesen wäre. Dennoch ging das alles so verdammt schnell, dass keine Zeit blieb darüber nachzudenken.
Benommen hob ich wieder den Blick und sah tatsächlich Edan zugleich in die Toilette stürmen. Leider konnte ich sein Gesicht nicht einfangen, da ich sofort hart in den Wagen gestoßen wurde. Auch, wenn die Scheiben hinten getönt waren, konnte ich trotz dessen seine Mimik einen Wimpernschlag erkennen. Schon einmal sah ich Edan mit solch einem Gesichtsausdruck. Ähnlich, als er sich über mich beugte, nachdem mich dieser Guhl zerfetzte. Als Mensch war ich eigentlich dem Tod geweiht. Er rettete zu diesem Zeitpunkt mein Leben, obwohl er sich nicht sicher sein konnte, dass ich es tatsächlich schaffte. Nun war die Angst in seinen Augen genauso, obwohl ich ein Vampir war. Nun war da nicht bloß die Erschrockenheit. Hass und Zorn sah man. Mir war bewusst, dass nicht ich gemeint war, sondern Stephan, den er sofort erkannte.
Ohne nachzudenken hechtete ich über den Sitz, um über die andere Tür wieder hinauszukommen, aber alle Versuche waren vergebens. Das Glas wollte sich nicht zerbrechen lassen und die Tür ließ sich nicht öffnen. Des Weiteren hielt mich keiner der beiden auf, als wüssten sie, dass es mir nicht möglich war zu fliehen. Was ist das für ein Wagen? Außerdem sind die Scheiben fast schwarz. Sieht mich Edan überhaupt hier auf der Rückbank? Zugleich erkannte wie er meinen Namen flüsterte. Im Anschluss fühlte ich einen Druck in meinem Kopf. Wie sollte es auch anders sein? Es war seine Stimme, die fragte: Wohin?
Dass er mir dabei Schmerzen zufügte war ihm egal, da meine Sicherheit gefährdet war. Ungeachtet dessen wusste ich selbst nicht, wo ich hingebracht wurde. Automatisch probierte ich mit meinen gefesselten Händen an meine Schläfen zu kommen und daran zu reiben, damit ich das Dröhnen in meinem Schädel wegbekam, doch es gelang mir nicht. Ich weiß es nicht!, schrie ich lediglich in meinem Kopf zurück. Was glaubte er denn? War ich Allwissend? Am liebsten hätte ich ihn geschüttelt und angebrüllt, dass ich für den ganzen Mist nichts konnte. Ich spürte nämlich regelrecht die Wut in meinem Körper, die mich zu überschwemmen drohte, da er sich noch immer in meiner Nähe befand.
In dem Moment hörte ich allerdings einen Schuss. Dieser war so leise, dass man sich denken konnte, er wurde abgedämpft. Dieser war gezielt. Traf dort, wo er hin sollte. Genau in Edans Brust. Parallel schrie ich auf und rief verzweifelt seinen Namen, aber sofort spürte ich eine Hand auf meinen Lippen, die diese fest zu drückten. Ich wusste, dass er dadurch nicht starb. Nein. Doch es schmerzte ihn und schwächte. Verdammt. Kann es denn noch schlimmer kommen?
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Someday II - be a Vampire
VampireTrilogie: Band 2 Dieser Teil, schließt komplett an Band 1 an. Edan und Larissa haben sich gefunden und doch tauchen kurze Zeit später die Probleme auf. Sie fühlt sich zurückgewiesen und nicht mehr geliebt. Nun, da sie ein Vampir ist, ist es wichtig...