Kapitel 34

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Der Beton kratzte erneut Hautfetzen von mir ab und tränkten das Grau in ein Rot, doch dieses Arschloch hinter mir ließ sich dabei nicht beirren und fuhr seelenruhig wie bisher fort. Zugleich rappelte ich mich doch irgendwie auf. Solang er nur an sich herumfummelte, konnte es mir scheißegal sein, aber seine Hände gerade noch zuvor auf meiner Haut, waren widerlich. Ich musste zu der Tür kommen. Musste weg. Wollte hier nicht mehr sein. Ich ertrug das nicht. Koste es was es wollte. Ich musste die Flucht ergreifen. Womöglich half mir doch jemand. Auch für mich gab es sicherlich Hoffnung. Irgendwo. Irgendwann.

Gerade als ich schon den Knauf der Tür in der Hand hielt, wurde ich allerdings hart weggezerrt und flog rückwärts gegen die Wand. Mein Kopf drosch so extrem gegen den Putz, dass ich sofort nach unten rutschte, ohnmächtig wurde und zusammenklappte. Am liebsten wäre ich für immer in dieser Bewusstlosigkeit gewesen, leider wurde ich schon ziemlich schnell dort wieder herausgerissen, als ich spürte, dass etwas auf mir lag. Nicht etwas, sondern jemand.

Stephans heißer Atem drang in meinem Ohr. Er stöhnte und fummelte mir zwischen den Beinen herum. Sein großes Gewicht und meine wenige Kraft, die ich noch besaß, ließen mich regelrecht erdrücken. »Geh von mir runter!«, begann ich auf der Stelle zu schreien und zappelte mit meinen Armen und Beinen herum, damit er nicht das fortsetzen konnte, was er vorhatte. »Halt deine verdammte Schnauze!«, knurrte er zurück und verpasste mir eine Ohrfeige, die von den Wänden widerhallte, aber ich wehrte mich trotzdem.

Ich konnte nicht zulassen, dass er ihn da in mich hineinschob und rutschte weiter unter diesem Körper herum, auch wenn mein rohes Fleisch über den Boden scharrte, aber ich ließ mich nicht vergewaltigen und erst recht nicht von so einem Wichser. »Verdammt. Halt doch still«, brummte er und ergriff meine Gelenke fest; hielt sie mit einer Hand kräftig über meinen Kopf gefangen, sodass er die Chance hatte in mich einzudringen, aber ich holte mit dem Knie aus. Zum Glück schaffte er das nicht, da ich doch noch etwas Kraft besaß. Wahrscheinlich die letzte.

Bei diesem ganzen Herumgefuchtel dachte ich auch nicht mehr nach, ob das Konsequenzen für mich haben konnte. Es war besser irgendetwas zu tun, auch wenn ich wie ein Karpfen auf dem Trockenen aussah. Anbei schrie ich wie am Spieß. So laut wie noch nie zuvor in meinem Leben. Irgendwie verschwand außerdem der Mensch in mir komplett, als wäre ich ein quälendes Tier, was aus den Fängen eines Raubtieres musste. Ich fühlte nichts mehr, außer Zorn. Die Trance war zwar wieder da, doch nun anders. Extremer. Ließ mich nicht mehr innehalten oder nachdenken. Als wäre ich nicht mehr in meinen Körper und betrachtete alles nur aus der Weite.

Unverhofft flog die Tür allerdings krachend auf und ich sah nebenbei wie Lukas Stephan von mir herunterzog. Warum hilft er mir? Tat es ihm doch leid? »Was ist hier denn los? Was tust du denn da? Du Schwein?« und Conny kam ebenso angerannt. Wo ist sie gewesen? Sie sah zwar unversehrt aus, doch die Platzwunde am Kopf war immer noch gut zu erkennen. Sie rannte zielgerichtet auf ihren Sohn zu und schlug ihn mit der Faust mitten ins Gesicht, der sich wiederum wehrte und seine Mutter lautstark gegen die Wand stieß.

Ich hingegen hockte mich wie ein Raubtier in eine Ecke. »Du fasst mich nie wieder an. Sonst bring ich dich um. Kapiert?«, schrie Stephan hingegen zu Lukas, der immer noch versuchte an ihm herumzuzerren, um diesen somit aufzuhalten. »Solange du hier bei uns bist, wirst du dich nie wieder über mich stellen. Ansonsten verpiss dich! Und du... bist nur ein Weib. Mutter hin oder her. Das ist mir scheißegal. Du hast genauso die Fresse zuhalten.« Stephan Stimme war nun so laut, dass es in meinen Ohren schmerzte. Ich wusste nicht was in seinem Kopf vor sich ging, denn auch, wenn jemand versuchte ihn zu stoppen, kam er im Anschluss erneut auf mich zu, als befände er sich in einem Rausch, den niemand unterbrechen konnte.

Eilig krabbelte ich rückwärts davon. Er beachtete die beiden gar nicht mehr. Wir beide nicht. Seine Augen blickten lediglich gierig in meine und seine Stimme sprach fest: »Lukas, bring meine Mutter hier raus« und dann sprang er im hohen Bogen, wie ein Raubtier auf mich zu, schleuderte mich zu Boden. Anbei war meine restliche Energie verbraucht. Zumindest glaubte ich das weiterhin und mich konnte auch nichts mehr vom Gegenteil überzeugen, außer mein Instinkt, der mir die nötige Kraft doch noch gab um ihn wenigstens etwas von mir zu stoßen. Auch wenn es eigentlich totaler Blödsinn war.

Someday II - be a VampireWo Geschichten leben. Entdecke jetzt