Remus war auf dem Weg vom Krankenhaus nach Hause. Er hatte Kopfschmerzen, vorgestern war Vollmond gewesen. Jerry ging es deutlich besser als ihm, er verkraftete die Verwandlungen leichter. Remus wusste nicht, woran es lag. Vielleicht an den sieben Jahren, die er im Rudel gelebt hatte, vielleicht hatte sich sein Körper in der idealen Umgebung an die Verwandlungen gewöhnen können - die Chance, die Remus nie gehabt hatte. Aber es erleichterte ihn. Das einzige, was seine eigene Verwandlung noch schlimmer machen würde, wäre zu sehen, wie sein Kind genauso litt, wie er selbst. Remus wollte einfach nur nach Hause und eine Kopfschmerztablette nehmen, bevor er um halb drei den Laden aufmachen würde.
Er ging den Eschenweg hinunter, an der Werkstatt vorbei, die bis auf Quinn leer war. Seine Kollegen waren wohl nicht da, er schraubte an seinem Motorrad herum und hörte Radio. Remus hob die Hand und winkte, Quinn winkte zurück, dann machte er eine schnelle Handbewegung, die Remus bedeutete, herein zu kommen.
"Hast du heute schon Zeitung gelesen?", drängte er, ohne sich um eine Begrüßung zu bemühen. "Radio gehört? Irgendwas?"
Remus schüttelte den Kopf. Quinn wühlte in einem großen Berg aus Handschuhen, Rechnungen, leeren Plastikbehältern von bestelltem Essen und kleinerem Werkzeug, bevor er eine Tageszeitung herauszog, ein wenig blätterte und sie Remus hin hielt.
"Da ist ein Typ aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen", sagte er. "Sie sagen, er ist ein Massenmörder. Er heißt Sirius Black." Er sah Remus direkt an. "Remus, ist das...ist das...dein Sirius?" Er räusperte sich. "Ich meine, vielleicht ist es auch albern, aber wie viele Siriuse gibt es wohl in Hochsicherheitsgefängnissen?"
Remus antwortete nicht, starrte auf die Seite. Da war ein Foto von ihm. Er sah ein bisschen wahnsinnig aus. Die Bildunterschrift lautete Massenmörder Sirius Black wieder auf freiem Fuß, Bevölkerung wird gewarnt.
"Was zur Hölle...?", murmelte Remus griff nach der Zeitung, um näher hin zu sehen. Aber es herrschte kein Zweifel, dass es sich tatsächlich um seinen Mann handelte. Remus konnte es nicht glauben. Er hatte über die letzten Wochen zwei Briefe von Sirius erhalten. (Er konnte es immer noch nicht fassen!) Sie waren kurz gewesen, aber weitgehend kohärent. Ungeduldig, aber keiner davon hatte angedeutet, dass Sirius vorhatte, auf eigene Faust aus Askaban auszubrechen.
Er sah Quinn an. Dessen Augen weiteten sich überrascht.
"Verdammt", sagte er. "Er ist es echt?"
Remus konnte nur stumm nickten.
"Ich muss..." Er gestikulierte wild in die generelle Richtung des Ligusterwegs. Quinn nickte. Remus drehte sich auf dem Hacken um und lief im Stechschritt los.
Vielleicht, schoss es ihm durch den Kopf, als er auf den Ligusterweg bog, war Sirius gar nicht ausgebrochen. Vielleicht war es eine Taktik von Amelia, um Peter aus der Reserve zu locken. Wenn er dachte, dass Sirius auf freiem Fuß war, dann könnte er es mit der Angst zu tun bekommen und sich verraten.
Er schloss die Tür auf, in der Nummer 32 war es mucksmäuschenstill.
"Mary?", rief er laut ins Haus, aber sie antwortete nicht. Mehr aus einem Reflex griff er in den Briefkasten, holte die Post heraus, bevor er schnellen Schrittes die Treppe hinauf stieg.
Mit halber Aufmerksamkeit schaute er im Gehen die Briefe an - es waren zwei Rechnungen, der dritte trug den offiziellen Ministeriumsstempel. Er hielt auf dem letzten Treppenabsatz inne und riss ihn auf.
Mr Lupin, wenn ich herausfinde, dass Sie etwas damit zu tun haben, werde ich Sie kreativer verhexen, als Minerva es an einem ihrer schlimmsten Tage könnte. - Amelia Bones
Keine Taktik also. Er sprintete wieder los, nahm zwei Stufen auf einmal, öffnete die Wohnungstür.
"Mary?", rief er noch einmal. Sie kam aus dem Wohnzimmer und schaute ihn besorgt an.
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Der Buchladen im Ligusterweg
FanfictionIm Ligusterweg gibt es einen Buchladen. Harry war nie drin, das hat ihm Tante Petunia verboten, aber er weiß, dass es ihn gibt. Er gehört einer kleinen Familie - der Vater arbeitet im Laden, die Mutter ist Lehrerin an seiner Schule, die Tochter zwei...
