"Für wie wahrscheinlich halten wir es, dass Slughorn mit uns redet?", hatte Remus zweifelnd gefragt, als Regulus die Idee in den Raum geworfen hatte.
"Wenn ein seit vierzehn Jahren totgeglaubtes ehemaliges Mitglied seines Slug Clubs bei ihm auftaucht und ihn um Hilfe bittet?", hatte Regulus erwidert. "Ziemlich wahrscheinlich."
"Wenn er keinen Herzinfarkt bekommt, sobald er dich sieht", hatte Sirius gebrummt.
Wie sich herausgestellt hatte, war der schwierige Teil daran, Slughorn zu fragen, zunächst einmal gewesen, Slughorn zu finden. Erst ein entsprechender Tipp von Minerva McGonagall hatte sie zu einem kleinen Cottage auf dem flachen Land in Norfolk geführt.
Regulus musterte es von oben bis unten. Efeu rankte sich die Fassade entlang, an der Seite konnte man eine Terrasse mit großen Blumenkübeln, mehreren Korbstühlen und einem Sonnenschirm sehen; dahinter erstreckte sich ein großer Kräutergarten. Es schien der absolute Traum eines Ruhestands zu sein und Regulus verdrehte die Augen, weil er kaum jemanden kannte, der sich so viel Aufwand machen würde, sich den perfekten Ort zu schaffen, um absolut nichts zu tun. Bis auf Horace Slughorn, selbstverständlich.
Mary, Sirius und Remus hatten lange diskutiert, wer ihn begleiten durfte, am Ende hatten sie alle gemeinsam beschlossen, dass es das beste war, ihn allein zu schicken - hatte doch keiner von den dreien einen wirklich guten Eindruck bei Slughorn hinterlassen. Die Rumtreiber hatten ihn einfach zu oft als Opfer ihrer Streiche auserkoren und Mary zu mehreren Anlässen leidenschaftliche Reden über Feminismus in seinem Unterricht gehalten. Soweit Regulus das mitbekommen hatte, ging es um den Missbrauch von Liebestränken in toxischen Beziehungen und bei einer anderen Gelegenheit darum, dass Anti-Pickel-Tränke nicht "besonders interessant für alle, die nach Schönheit streben" waren, weil Pickel bei jungen Leuten natürlich und kein Makel waren. Insbesondere Mädchen wurden dadurch nicht unattraktiv und der Professor sollte bitte aufhören, den gesamtgesellschaftlichen Druck nach körperlicher Attraktivität weiter zu steigern. Als Regulus sie ganz ehrlich fragte, mussten sie alle drei zugeben, dass ihre Anwesenheit vermutlich nicht dazu beitragen würde, Slughorns Stimmung zu verbessern. Und sie alle wussten, dass er Informationen immer nur zu einem Preis herausgab und dass dieser Preis meist war, dass er gut unterhalten wurde.
Regulus hatte also eine verstaubte Flasche von schrecklich teurem Cognac dabei, den er im Studierzimmer seines Vaters gefunden hatte. Einmal holte er noch tief Luft, dann betätigte er den wie eine Eisenhut-Blüte geformten Türklopfer.
Es dauerte nur wenige Sekunden, dann schwang die Tür auf und Regulus stand seinem alten Zaubertränke-Professor und Hauslehrer gegenüber. Seine Vorliebe zu Süßigkeiten hatte ganz offensichtlich genauso wenig nachgelassen, wie die zu Samt. Er trug eine dunkle Weste, deren Knöpfe über seinem gewaltigen Bauch ordentlich spannten und darüber einen Umhang aus dunkelrotem, in kunstvolle Muster panniertem Spiegelsamt.
"Donnerwetter!", sagte er mit seiner dröhnenden Stimme. "Ich hab's kaum glauben können, als Sie mir geschrieben haben, aber es ist tatsächlich wahr! Regulus Black, dass ich das noch erleben darf!" Er trat zur Seite und gestikulierte ausladend, dass Regulus eintreten sollte. Er tat wie geheißen und folgte dem Professor einen kurzen Flur hinunter in ein üppig eingerichtetes Wohnzimmer.
"Wie geht es Ihnen, Professor?", fragte er höflich, während er seinen Reiseumhang ablegte und sich auf einen der Sessel nieder ließ, auf die Slughorn deutete.
"Oh, ich kann nicht klagen, mein Junge, ich kann nicht klagen", antwortete er. Dann fiel sein Blick auf die Flasche in Regulus Händen. "Oh, was haben wir denn da?"
Regulus hielt sie ihm entgegen.
"Ein Dankeschön im Voraus, dass Sie sich bereiterklärt haben, mir meine Fragen zu beantworten", begann er, seinen Charme großzügig zu wirken. Slughorn lachte laut.
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Der Buchladen im Ligusterweg
FanfictionIm Ligusterweg gibt es einen Buchladen. Harry war nie drin, das hat ihm Tante Petunia verboten, aber er weiß, dass es ihn gibt. Er gehört einer kleinen Familie - der Vater arbeitet im Laden, die Mutter ist Lehrerin an seiner Schule, die Tochter zwei...
