Als Remus' Tochter geboren wurde, konnte er nicht aufhören zu weinen. Vor Glück, denn sie war hier, sie war gesund, Laura ging es gut und alles war problemlos verlaufen. Und vor Wut, denn Sirius war nicht hier, um sie zu halten.
Laura wollte sie nicht in den Arm nehmen und Remus konnte es nicht wirklich nachvollziehen, aber es war für ihn ok, denn das bedeutete, er musste sie nicht hergeben. Theoretisch hatte sie ein Bett, aber Remus saß die ganze Nacht auf einem der unbequemen Besucherstühle im Krankenhaus und hielt sie, musterte sie, versuchte, sich genau zu erinnern, wie Sirius' Gesicht geformt war, um die Ähnlichkeiten zu sehen.
Laura wollte ihm auch nicht helfen, einen Namen auszusuchen. Remus hatte sich die letzten sechs Monate dazu gezwungen, nicht darüber nachzudenken, weil er diese Entscheidung nicht allein treffen sollte. Er hatte darauf warten wollen, dass Sirius zurück war, bevor sie diese Entscheidung gemeinsam trafen. Jetzt war es zu spät, das Kind brauchte einen Namen und Remus war der einzige, der ihr einen geben konnte.
Er versuchte, sich zu erinnern, welche Namen Sirius gefallen hatten, das eine Mal, als sie im Oktober darüber geredet hatten. Damals hatte er es lächerlich gefunden, viel zu früh. Jetzt war er unglaublich froh, dass sie es getan hatten.
Er betrachtete das winzige Mädchen in seinem Arm.
"Was hältst du von Emma?", fragte er sie. Sie gab wie erwartet keine Antwort, starrte ihn aus großen, grauen Augen an. Hatten Babys nicht immer blaue Augen? Harry hatte blaue Augen gehabt. Sie waren schnell grün geworden, aber die ersten paar Monate waren sie blau gewesen. Die Augen dieses Kindes waren grau, ganz genau wie Sirius'.
Er schmunzelte. "Du hast recht, Emma ist zu brav für das Kind von zwei Rumtreibern. Emma Lupin macht alle ihre Hausaufgaben und wird Vertrauensschülerin, das würde dein Dad niemals wollen." Er überlegte.
"Lucy? Lucy Lupin? Zu viel Alliteration, was? Man muss es ja nicht gleich übertreiben." Er lachte leise in sich hinein, strich vorsichtig durch den hellen Flaum auf ihrem Kopf. "Aber mir gefällt das i am Ende, es klingt ein bisschen frech."
Er grub in seinem Hirn nach anderen Namen, die vor sieben Monaten im Gespräch gefallen waren. Dann breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus.
"Wie gefällt dir Julie? Ich würde dich ja Juliet nennen, aber ich sehe deinen Vater vor mir, wie er ein Veto gegen Shakespeare einlegt." Wieder musste er leise lachen. "Julie Lupin, was sagen wir dazu?"
Julie hatte keinen Kommentar zu ihrem Namen. Aber Remus trug ihn trotzdem in ihre Geburtsurkunde ein. Es war seltsam, sich selbst als den biologischen Vater dort stehen zu sehen, aber Laura hatte es wortlos so ausgefüllt und Remus nahm an, dass es vermutlich einfacher war, so. Ein bisschen hatte er gehofft, dass sie doch Interesse an ihrem Kind haben würde, dass er nicht ganz allein wäre, aber sie unterschrieb auch den Vertrag, der sie aller Rechte und Pflichten entband, ohne zu zögern.
Sie gingen nicht im Streit auseinander, im Gegenteil, immer, wenn Remus in den letzten Monaten bei ihr gewesen war, wegen Arztterminen oder einfach um zu schauen, wie es ihr ging, hatten sie sich gut verstanden. Aber Laura ließ trotzdem keinen Zweifel daran, dass die Sache für sie hier abgeschlossen war. Sie hatte die Erfahrung einer Schwangerschaft gemacht, Remus und Sirius hatten ihr Kind.
Als sie das Krankenhaus verließen, drehte sich Laura noch einmal zu ihm um und drückte ihm einen Zettel in die Hand.
"Meine Telefonnummer", sagte sie. "Sie ist nicht für dich, sie ist für sie. Irgendwann wird sie fragen, wer sie zur Welt gebracht hat und es ist nur fair, dass sie dann eine Chance hat, mir Vorwürfe zu machen, dass ich nicht da war, wenn sie möchte." Sie sah von Remus zur Babyschale, in der Julie mit riesigen Augen die Welt um sich herum beobachtete. "Wobei, ich bin mir nicht sicher, ob sie eine Mutter überhaupt vermissen wird. Du packst das schon, Remus, ich wünsch dir alles gute."
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Der Buchladen im Ligusterweg
FanfictionIm Ligusterweg gibt es einen Buchladen. Harry war nie drin, das hat ihm Tante Petunia verboten, aber er weiß, dass es ihn gibt. Er gehört einer kleinen Familie - der Vater arbeitet im Laden, die Mutter ist Lehrerin an seiner Schule, die Tochter zwei...
