Es hatte nicht einmal eine Sekunde gedauert, nachdem Sirius diesen Satz gesagt hatte, da hatte er ihn schon bereut. Und Merlin, er hatte sich nie zuvor so sehr gewünscht, etwas zurücknehmen zu können, was er in seiner Wut gesagt hatte.
Es war immer schon Sirius' größte Schwäche gewesen, dass er Dinge sagte, die er nie hatte aussprechen wollen, wenn er wütend wurde. Er wusste nicht, wie viele Menschen er schon auf diese Weise verletzt hatte. Er wusste auch nicht, wie oft er schon Remus damit verletzt hatte.
Vielleicht, dachte er sich, war es einfach sein Fluch, dass er allen weh tat, die er liebte. Remus. Jules. James und Lily. Er schloss die Augen und versuchte, nicht an James und Lily zu denken.
Sein aktuelles Problem war Remus. Remus, der es nicht verdiente, dass Sirius ihm Vorwürfe machte. Er hatte sich neben dem Großziehen eines Kleinkindes die Zeit genommen, für Sirius zu kämpfen. Ein Kleinkind, mit dem Sirius ihn allein gelassen hatte. Wer zur Hölle war er, ihn dafür zu verurteilen, wie lange er neben dieser Herkulesaufgabe gebraucht hatte, ihn aus dem Gefängnis zu holen?
Sirius war gut darin, Menschen in seiner Wut weh zu tun. Aber er war nicht mehr fünfzehn. Er konnte die Konsequenzen für sein Handeln tragen. Er hatte sechs Jahre in Askaban verbüßt für sein fälschliches Vertrauen in Peter. Er konnte zu Remus gehen und um Entschuldigung bitten. (Und er konnte zu Mary gehen und sie fragen, ob sie noch einen Trank hatte, der die Wut und Traurigkeit und Hilflosigkeit in seinem Kopf ein bisschen weniger werden lassen konnte.)
Er stand auf und verließ den Raum. Zeit, Moony zu finden.
~~~~~
Moony zu finden, war leicht. Er hatte sich unten im Laden in seinem Büro eingeschlossen. Sirius klopfte vorsichtig gegen die Tür.
"Moony?"
Keine Reaktion.
"Remus?"
Nichts. Er wusste, er war dort, er hatte die Suche nach seinem Mann als Tatze in Angriff genommen, er hatte ihn riechen können. Aber Remus antwortete nicht und Sirius wusste nicht genau, wie er damit umgehen sollte. Es war erst ein einziges Mal vorgekommen, dass Remus nicht bereit gewesen war, mit ihm zu reden. Das war Ende des sechsten Schuljahres gewesen. Nach der Sache mit Snape.
Fünf Minuten stand er unsicher vor der Tür, klopfte noch ein paarmal, begann eine Entschuldigung, die er dann abbrach, weil sie sich falsch anfühlte, ohne Remus dabei in die Augen zu sehen.
Schließlich schnappte er sich einen herumliegenden Zettel und einen Stift.
Es tut mir leid. Ich hätte das nicht sagen dürfen. Ich weiß, dass du alles getan hast, was du konntest. Bitte rede mit mir.
Er überlegte kurz, dann strich er den letzten Satz wieder durch.
Ich bin oben, wenn du reden willst.
Er zögerte noch einmal. Dann ergänzte er noch:
Ich liebe dich.
Er schob den Zettel unter der Tür hindurch. Kurz horchte er, ob Remus ihn sofort aufheben und die Tür vielleicht doch öffnen würde, aber nichts geschah. Sirius seufzte und ging wieder nach oben, ließ sich im Wohnzimmer auf die Couch fallen. Die Küche war schon dunkel, Mary hatte sich nach dem Essen in ihr Zimmer entschuldigt, um ein Projekt für ihre Klasse vorzubereiten und auch Jerry war anscheinend schon nach oben gegangen. Sirius vergrub das Gesicht in den Händen.
"Bist du ok?"
Sirius blinzelte zwischen seinen Fingern hindurch. In der Tür zum Flur, von hinten beleuchtet durch das Licht von dort, stand Jerry. Er trug eine lockere Schlafanzughose mit kleinen Teddys drauf und einen halblangen blassrosa Morgenrock mit feiner Spitze. Sirius war sich ziemlich sicher, dass er irgendwann ein scherzhaftes Weihnachtsgeschenk von Marlene an Lily gewesen war, die sich geweigert hatte, ihn anzuziehen und ihn unauffällig an Mary weiter gegeben hatte. Jetzt hatte er anscheinend seinen Weg zu Jerry gefunden.
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Der Buchladen im Ligusterweg
FanfictionIm Ligusterweg gibt es einen Buchladen. Harry war nie drin, das hat ihm Tante Petunia verboten, aber er weiß, dass es ihn gibt. Er gehört einer kleinen Familie - der Vater arbeitet im Laden, die Mutter ist Lehrerin an seiner Schule, die Tochter zwei...
