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Remus zählte das Rückgeld ein drittes Mal, bevor er es dem Kunden über den Ladentisch reichte, ein entschuldigendes Lächeln auf dem Gesicht. Er war wirklich unkonzentriert. Sirius war oben, er war oben in Remus' Zimmer und Remus war nicht bei ihm, sondern er war unten im Buchladen und arbeitete, als wäre nichts. 

Andererseits gab es nicht viel, was er tun konnte - Mary hatte gesagt, die Tränke, die sie ihm gegeben hatte, würden dafür sorgen, dass er mindestens einige Stunden ausgeknockt war. Sie war oben, kümmerte sich ein wenig um den Haushalt, half Jules und Harry bei den Hausaufgaben, korrigierte ein paar Tests und checkte währenddessen konstant, dass alles in Ordnung war. Remus Anwesenheit war gänzlich überflüssig und im Laden, in dem am späten Nachmittag wie immer viel los war, dringend gebraucht. 

Der nächste Kunde kam an den Ladentisch, wollte etwas bestellen. Remus wuchtete die Kataloge auf den Tisch, um zu schauen, ob das möglich war. Jerry schlängelte sich jetzt an ihm vorbei an die Kasse, um den nächsten Kunden zu bedienen.

Es war ein heilloses Durcheinander und Remus hätte gut daran getan, konzentrierter bei der Sache zu sein. Aber seine Kopfschmerzen waren wieder da und seine Gedanken drehten sich nur um Sirius. 

Irgendwann war es endlich 18:00 Uhr, sie schlossen den Laden, Remus verzichtete aufs Kehren und schickte gleich einen Ratzeputz hindurch, sie gingen nach oben in die Wohnung. Remus sah zuerst nach Sirius, aber er schlief noch immer tief und fest und mit einem mitleidigen Lächeln erinnerte Mary ihn daran, dass sich daran in den nächsten zwei bis drei Stunden nicht viel ändern würde. 

"Was ist mit dem Hund?", drängelte Jules, sobald Remus die Küche betreten hatte. Harry saß am Küchentisch und tat zumindest so, als würde er schriftliche Subtraktion üben, auch wenn er in Wahrheit an seinem Bleistift kaute und Jules' Versuche beobachtete, Informationen aus Mary und Remus herauszuquetschen. 

Remus griff in eine der ganz hohen Schubladen und holte sich eine Kopfschmerztablette heraus, bevor er sich seinem jüngsten Kind zuwandte. 

"Er ist krank", erklärte er, füllte sich ein Glas Wasser und setzte sich zu Harry an den Küchentisch. Jules folgte ihm auf dem Fuße und kletterte auf den Stuhl neben ihm. 

"Wann ist er wieder gesund?", fragte er neugierig. "Dürfen wir ihn streicheln?" 

Remus lächelte, schluckte seine Tablette und strich ihm durch die Locken. Edyta hatte seine Frisur wirklich hervorragend hinbekommen. Also, zumindest mit den Voraussetzungen, unter denen sie gearbeitet hatte. 

"Er wird wieder gesund", sagte er. "Weißt du noch, als du letzten Winter krank warst? Da musstest du auch ganz viel schlafen und dich ausruhen. Das muss der Hund jetzt auch. Und dann geht es ihm bestimmt bald wieder besser." 

Jules kletterte von seinem Stuhl hinüber auf Remus' Schoß, der ein wenig ächzte, als sein Kind sich mit Blickrichtung zu ihm auf seine Oberschenkel fallen ließ. 

"Und dürfen wir ihn streicheln?", drängelte er. Remus überlegte. 

"Ok, pass auf, wir machen einen Deal", schlug er vor. "Jetzt gerade ist er in meinem Zimmer, da kann er schlafen. Und wenn er gestreichelt werden möchte, dann kommt er raus. Wenn ihr ihn hier rumlaufen seht oder er im Wohnzimmer ist, dann könnt ihr ihn streicheln. Und wenn er im Schlafzimmer ist, dann will er in Ruhe gelassen werden und dann wartet ihr, in Ordnung?" 

Jules sah über seine Schulter zu Harry, der nickte. Jules nickte auch. 

"Kannst du ihn dann jetzt fragen, ob er rauskommt?", wollte er wissen. Remus schmunzelte. 

"Ich glaube, heute braucht er ein bisschen Ruhe", entschied er. "Es war ein aufregender Tag für ihn, oder?" 

Jules zog eine Schnute. Ganz offensichtlich stimmte er Remus' Einschätzung nicht zu. Harry lehnte sich ein Stück über den Tisch. 

Der Buchladen im LigusterwegWo Geschichten leben. Entdecke jetzt