Der Raum verfiel in eine Totenstille.
"Muss ich meinen Namen jetzt ändern?", fragte Luke dann etwas kleinlaut, "weil man sich doch nicht nach lebenden Leuten benennen soll."
Mary strich ihm über die Haare.
"Ich glaube, das sind mildernde Umstände", beruhigte sie ihn, auch wenn er sich das vielleicht tatsächlich noch einmal überlegen müssen würde, sollte sich herausstellen, dass Regulus ordentlich Mist gebaut hatte. "Das geht schon klar."
Sirius hatte sich immer noch nicht bewegt. Mary war sich nicht einmal sicher, ob er in der Zwischenzeit geblinzelt hatte.
Sie versuchte, sich in Regulus hineinzuversetzen. Vermutlich hatte sie die beste Perspektive von ihnen allen auf seine Situation, geschuldet der Tatsache, dass sie als einzige mal über längere Zeit ihren eigenen Tod vorgetäuscht hatte. Aber der Krieg war inzwischen seit fast zwölf Jahren vorbei. Sicher, wenn Regulus wirklich versucht hatte, Voldemorts Horkrux zu zerstören und ihn dementsprechend betrogen hatte, dann war es logisch, unterzutauchen, weil die anderen Todesser das sicher nicht gerne sahen.
Aber Mary war sich ziemlich sicher, dass es keine Todesser mehr da draußen gab, die ernsthaft irgendwelche Verräter jagen würden. Sie waren alle entweder in Askaban oder hatten behauptet, unter dem Imperius gestanden zu haben, was sie vermutlich selbst zu Abtrünnigen machte.
Warum also im Untergrund bleiben? Gut, Mary hatte jetzt auch nicht mit Fanfaren verkündet, dass sie noch lebte. Aber sie hatte den Leuten bescheid gesagt, von denen sie wusste, dass sie ihnen wichtig war. Und Sirius, Remus und sie lebten so abseits von der magischen Welt, was also sprach dagegen, sich zumindest beim eigenen Bruder mal zu melden? Vor allem, wenn der Horkrux immer noch da draußen war! Sirius war seit über fünf Jahren frei, ihm war eindeutig und in einem großen Medienspektakel alle Schuld abgesprochen worden. Es gab vermutlich niemanden, von dem sicherer war, dass er nie für die Todesser gearbeitet hatte, was ihn zum idealen potentiellen Horkrux-Zerstörungs-Verbündeten machte. Warum diese Gelegenheit verstreichen lassen?
Es ergab irgendwie alles nicht wirklich Sinn in Marys Augen.
In Sirius' anscheinend auch nicht.
"Wo ist er?", fragte er bohrend. "Wo versteckt er sich? Warum? Ist er hier? Wieso sollte er seinen eigenen Tod vortäuschen?"
Kreacher musterte ihn von oben bis unten und schien zu versuchen, abzuschätzen, wie viel er ihm verraten konnte.
"Master Regulus hat seinen Tod nie vorgetäuscht", erklärte er dann. "Kreacher hat das für ihn getan. Master Regulus hat Kreacher aufgetragen, dass niemand je von der Mission erfahren darf und Kreacher hat seine Anweisung befolgt."
"Von der Mission?", wiederholte Remus neugierig. Mary war sich nicht sicher, wie gut es war, dass Harry und Luke immer noch hier waren und alles mithörten, was gerade besprochen wurde. Beide standen mucksmäuschenstill da und schienen zu hoffen, dass sie vergessen wurden und so möglichst viele Informationen bekommen würden. "Von der Mission, den Horkrux zu zerstören?"
Kreacher sah ihn feindselig an, dann nickte er.
"Aber die Mission ist fehlgeschlagen?", hakte Remus nach. Kreacher schien kurz zu überlegen, ob er ihm wirklich antworten wollte, dann knurrte er leise.
"Ja", antwortete er. "Kreacher konnte Master Regulus nicht retten. Aber er konnte ihn festhalten."
Das schien jetzt auch Sirius wieder aus seiner Starre zu rütteln.
"Was meinst du mit festhalten?", fragte er ungeduldig. "Was hast du mit ihm gemacht? Wo ist er?"
Kreacher schwieg. Mary schluckte.
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Der Buchladen im Ligusterweg
FanfictionIm Ligusterweg gibt es einen Buchladen. Harry war nie drin, das hat ihm Tante Petunia verboten, aber er weiß, dass es ihn gibt. Er gehört einer kleinen Familie - der Vater arbeitet im Laden, die Mutter ist Lehrerin an seiner Schule, die Tochter zwei...
