(Johns POV)
Sherlock war für mich immer nur ein Freund. Jemand, mit dem ich mir meine Wohnung, nicht aber mein Leben teile. Vielleicht, weil es ihn nie interessiert hat, vielleicht aber auch, weil es ihn nichts anging. Ich habe ihm nicht viel erzählt. Das brauchte ich auch nicht. Er hat nie gefragt und trotzdem alles gewusst. Jetzt tut er das nicht mehr. Weil ich es ihm nicht sagen und auch nicht zeigen kann. Ich kann es nicht und weiß nicht einmal, wieso das so ist. Was mich daran hindert. Wovor ich mich so sehr fürchte.
Davor, abgewiesen zu werden? Das hat Sherlock schon oft getan, es wäre also nicht das erste Mal. Vielleicht fürchte ich mich aber auch gar nicht vor Sherlocks Reaktion. Sondern vor meiner eigenen.
Und ich habe Angst. Ziemlich viel Angst, dafür, dass er mein bester Freund ist und ich ihn mag. Aber ich habe Angst, dass er mich verletzt, dass er nicht so fühlt wie ich, dass ich mir Zeichen eingebildet habe, obwohl dort keine waren, dass ich ihn mehr mag als er mich. Ich habe Angst davor, dass ich ihn liebe und er mich nicht. Ich weiß, dass ich keine Chance habe. Manchmal gibt er mir das Gefühl, es wäre anders. Aber immer, wenn ich beginne, das zu glauben, erinnert er mich wieder daran, was wir wirklich sind. Kollegen. Vielleicht Freunde. Nicht mehr.
Aber Freunde sehen sich nicht so an. Freunde behandeln sich nicht so.
Ich verstehe eure Beziehung nicht, höre ich Greg sagen. Manchmal seid ihr Freunde, manchmal seid ihr mehr als das, und manchmal seid ihr wieder wie Fremde.
Er hat Recht. Die meiste Zeit über ist Sherlock mir fremd. Ich erzähle ihm wenig und er mir gar nichts. Und ich hasse die Tatsache, dass es häufig nicht einmal ein Gespräch geben würde, würde ich es nicht beginnen. Ich rede gerne mit Sherlock. Und es kümmert mich dabei kein bisschen, worüber wir sprechen. Weil ich einfach nur seine Stimme hören und das Gefühl haben will, ich wüsste doch etwas über ihn. Das ist meistens nicht der Fall, weil es selten um ihn und viel öfter um meine Bekanntschaften geht. Es stört mich, dass es so ist, aber ich weiß nicht, wie ich es ändern kann. Denn Sherlock lässt mich nicht. Auch jetzt nicht.
Vielleicht ist es das, was mich nicht schlafen lässt. Dass er nicht da ist. Damit meine ich nicht, dass er nicht in meinem Bett liegt - das stört mich zugegebenermaßen auch - sondern, dass er weg ist. Weg, ausgerechnet jetzt. Er hat mir nichts gesagt, hat mich schlafen lassen, so lange, bis ich von dem kalten, leeren Gefühl in mir wach geworden bin. Als würde mein Körper spüren, dass er gegangen ist, noch bevor meine Augen es auch gesehen haben.
Es stört mich, dass er nicht da ist. Es macht mir Angst, weil er allein ist und mich zurückgelassen hat, ohne Nachricht und ohne darüber nachzudenken, dass ich ihn brauche, dringend brauche, jetzt und hier und so viel mehr als jemals zuvor. Ich will ihn bei mir haben, an und in meinem Bett, will mit ihm reden, ihm erzählen, was passiert ist, wie ich mich fühle, ihm sagen, dass ich Angst habe. Ich will mit ihm vergessen, was ich gesehen habe. Was ich getan habe. Was ich gespürt habe, spüren musste. Aber er ist nicht da. Sherlock ist weg. Und ich bin allein.
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Es ist kalt und nass. Ich kann nichts sehen, starre hilflos in die harte Dunkelheit. Ich höre Stimmen, aber sie sind dumpf und zu weit weg, als dass ich sie verstehen könnte. Sie sind kaum mehr als ein leises Wispern. Ich will aufstehen, mich verstecken, fliehen, aber ich kann mich nicht bewegen. Meine Arme und Beine sind gefesselt und taub. Ich versuche, mich zu drehen, und schaffe es nicht. Also bleibe ich ausgestreckt auf dem Rücken liegen, atme, versuche, etwas zu erkennen, spüre erst dann den kühlen Stoff auf meiner Haut und über meinen Augen. Mein Mund ist trocken und mein Hals eng. Es fühlt sich an wie Ersticken. Plötzlich ist da nur noch Schmerz. Heißer, scharfer Schmerz, der meinen ganzen Körper festhält, ihn schüttelt und verkrampft. Ich schreie, schlage um mich, winde mich, versuche, ihm zu entkommen, aber er lähmt meine Glieder und zieht meine Lunge zusammen. Ich kann nicht mehr atmen, nicht mehr schreien, spüre nur noch den Schmerz und wie er mich zerfrisst.
„John?!"
Die Stimme durchdringt die Bilder und den Schmerz, in denen ich ertrinke. Es fühlt sich an, als würde ich schweben. Dann spüre ich eine Hand auf meiner Schulter. Es ist, als würde sie mich zurück an die Oberfläche ziehen. Auf einmal kann ich wieder etwas erkennen, sehe die schwachen Umrisse von Möbeln und die grauen Schatten unter den Vorhängen, höre meinen eigenen Atem, schnell und keuchend, und spüre den kalten Schweiß auf meiner Haut. Mein Shirt ist durchnässt, es klebt an mir.
„John?"
Mein Blick findet sein Gesicht und die vertrauten, dunkelbraunen Augen, die in dem dämmrigen Licht beinahe schwarz aussehen. Es ist Greg. Nicht Sherlock. Ich bin enttäuscht und erleichtert zugleich, weiß nicht, welches Gefühl davon überwiegen soll, fange an zu zittern und zu schluchzen.
„Oh, John ..."
Gregs Arme legen sich um mich und ich vergrabe mein Gesicht an seiner Schulter, klammere mich an ihm fest, weine hemmungslos. Greg streicht mir beruhigend über den Rücken und murmelt unverständliche Worte in mein Haar. Er lässt sich mit mir zurücksinken, bis ich irgendwo zwischen den Laken und Decken liege, noch immer an ihn gepresst, das Gesicht an seiner Brust und die Arme und Beine fest um ihn geschlungen.
„Es ist okay, John, es ist okay", flüstert Greg, streichelt meinen Rücken und mein Haar. „Es ist alles wieder gut. Es ist alles gut. Ich bin da."
Ich reagiere nicht, höre ihm nur zu, bin dankbar, weil er da ist und mich nicht im Stich lässt, und wünsche mir dennoch, es wäre Sherlock, der es mir sagt. Aber Sherlock ist fort. Und hat mich nur schon wieder zurückgelassen.
Ich weiß nicht, wann ich einschlafe, wie lange es dauert, bis ich mich wieder beruhigt habe, und wann ich aufhöre, Greg zu umklammern, als hinge mein Leben davon ab. Irgendwann gleite ich in einen unruhigen, toten Schlaf, der sich anfühlt, als würde ich meinen Rausch ausschlafen müssen. Greg ist noch da. Ich spüre ihn jedes Mal, wenn ich mich bewege, ihn und seinen ruhigen, tiefen Atem an meinem Hals. Ich höre nicht mehr, wie sich die Wohnungs- und wenig später auch meine Zimmertür öffnet, sehe nicht die Gestalt im Türrahmen, sie und ihren Blick, spüre nur die plötzliche Wärme in mir und das nervöse Flattern meines Herzens. Es spürt das, was ich nicht mehr sehen kann.
Sherlock.
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Hallöchen :)!
Nun kam doch länger als geplant nichts von mir, aber ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel. Irgendwie habe ich es nicht geschafft, das Kapitel auch zu beenden, und wirklich zufrieden bin ich auch nicht.
Ich hoffe, es gefällt euch dennoch und freue mich wie immer sehr über euer Feedback!
Habt einen schönen Abend!
Wir lesen uns,
Eure Leli
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When they kissed
Fanfiction⚠️ enthält sexuelle Inhalte ⚠️ Sherlock war nie verliebt. Es gab weder Frauen noch Männer, bloß seine Experimente und die Einsamkeit. Bis er auf John trifft. Einen Mann, der ihn und seine Fassade durchschaut und ihm zur Seite steht. Zum ersten Mal l...
