Achtung, dieses Kapitel ist etwas länger als die anderen. Nehmt euch also einen Keks und einen Tee und habt Spaß beim Lesen. Denn warum es so lang ist, könnt ihr euch ja hoffentlich schon denken ...
(Sherlocks POV)
Ich stehe noch tropfnass im Bad und schaue in den leicht beschlagenen Spiegel. Ich betrachte mein Gesicht und die beinahe farblose Haut. Zusammen mit den dunklen Haaren sehe ich fast schwarz-weiß aus. Nur das stechende Blau meiner Augen ist in Farbe. Mein Blick ist ernst, bohrend, ein wenig fragend, ein wenig distanziert. Er versteckt das, was ich nicht zeigen kann, vielleicht auch nicht zeigen will.
Ich habe alles gegeben. Nicht einmal, nicht zweimal, mehrmals. Ich habe alles gegeben und sie alle haben es behandelt, als wäre es nichts. Als wäre das selbstverständlich. Aber das war es nicht, das ist es noch immer nicht. Ich war unwichtig. Unwichtig für jemanden, der das Wichtigste in meinem Leben gewesen ist. Ich war nicht gut genug. Ich weiß nicht einmal, von was ich nicht genug gewesen bin. Ob ich es hätte sein können, hätte ich mich noch mehr darum bemüht.
John ist anders. John hat nie alles von mir verlangt. John hat jede Kleinigkeit verstanden, sie wertgeschätzt. John ist die einzige Person, für die ich gut genug sein will. Aber ich habe Angst, zu versagen. Nur wieder zu versagen.
Vorhin hätte ich ihn küssen sollen. Ich wollte ihn küssen. Ich will es immer noch, jede Zelle meines Körpers tut das. Und was tue ich? Ich laufe weg. Ich laufe wieder nur weg. Das hast du schon immer am besten gekonnt, Bruderherz, spottet Mycrofts Stimme in meinem Kopf. Weglaufen, wenn es mal schwierig wird. Dem Tod stellst du dich immer wieder, deinen Gefühlen nie. Du flüchtest nur vor ihnen. Seltsam ironisch, findest du nicht?
Zuerst beginnt es in meiner Brust zu brennen, dann in meinen Augen. Hätte ich überhaupt eine Chance? Bei John sicher nicht. John hat mir schon viele gegeben und trotzdem hätte ich keine bei ihm. John ist zu gut. Zu gut für mich und zu gut für alle anderen. Das habe ich jedes Mal gedacht, wenn er sich mit einer Frau getroffen hat. An Abenden dieser Art ist er selten wieder nach Hause gekommen. Viel öfter habe ich eine SMS von ihm bekommen. Es war jedes Mal sehr viel Pärchen und sehr viel Schlafen und ich habe jede von ihnen gehasst.
Ich würde John gerne sagen, dass ich ihn mag. Nicht nur etwas von ihm, sondern alles. Alles an ihm. Auch die Dinge, die ich eigentlich nicht mag, die mich so oft verzweifeln lassen. Ich mag es, wie er mich anlächelt, ein bisschen schief und mit diesem Blick, der meinen Namen trägt. Ein Blick nur für mich. Ich mag es, wenn er so sehr lacht, dass ihm die Tränen kommen, und noch mehr mag ich es, wenn ich dafür verantwortlich bin. Ich mag, dass ich weiß, dass er Rosinen liebt, aber Rosinenbrötchen hasst, und dass er immer zuerst den rechten und dann den linken Schuh zumacht. Ich mag die Art, wie er mich berührt, ohne seine Hände zu benutzen. Und dass er nie versucht hat, mich zu jemanden zu machen, der vielleicht erträglicher, aber nicht mehr ich selbst wäre. Aber am meisten mag ich, wie ich mich fühle, wenn er da ist. Ich fühle mich vollständig.
Ich würde es ihm gerne sagen. Aber ich kann keines dieser Worte aussprechen. Weil John nicht genauso empfinden wird, weil er mich zurückstoßen und abweisen wird. Weil jemand wie er niemals etwas für jemanden wie mich empfinden könnte. Ich weiß, dass es so ist, und mache mich dennoch auf den Weg zu seinem Zimmer.
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Ich weiß nicht, wer von uns die Tür aufgemacht hat, wer dafür verantwortlich gewesen ist, dass plötzlich nur noch so wenig Platz zwischen uns ist. Ich wollte mit ihm reden. Aber ich wollte nicht, dass er mir dabei so nah ist. Ich starre ihn an und er sieht fragend zurück. Ich kann nicht atmen, nicht reden, mich nicht bewegen. Mein Körper und meine Gedanken sind wie betäubt, mein Verstand nutzlos. Ich kann nicht wegsehen, meine Augen werden von seinem Blick festgehalten, er ist eindringlich und tief. Ein lautes Knistern liegt in der Luft. Ich atme flach. Die Art, wie John mich ansieht, wird zu Gänsehaut. Die Stille dröhnt und es fühlt sich an, als wären meine Blicke Schreie, Schreie nach ihm und seinen Berührungen.
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When they kissed
Fanfiction⚠️ enthält sexuelle Inhalte ⚠️ Sherlock war nie verliebt. Es gab weder Frauen noch Männer, bloß seine Experimente und die Einsamkeit. Bis er auf John trifft. Einen Mann, der ihn und seine Fassade durchschaut und ihm zur Seite steht. Zum ersten Mal l...
