„Das war verflucht knapp." Ben fuhr sich durch die Haare und ließ sich in den Sitz fallen. „Die Darkoner hätten uns fast erreicht."
„Es ist noch nicht vorbei", sagte Alea. „Orion hat zwei Hubschrauber losgeschickt, die nach uns suchen. Vermutlich beobachten sie uns genau..."
„Ich höre sie", teilte Siska ihnen mit.
Tess fragte Alea: „Woher weißt du das?"
„Ich hatte wieder Kontakt zu Thea."
„Dann wusstest du deshalb so genau, wo wir lang mussten. Thea sitzt vermutlich in einem der Hubschrauber und hatte uns genau im Blick – ebenso wie Orion."
Alea überraschte Siskas Auffassungsgabe ein weiteres Mal. „Aber ich habe keine Verbindung mehr zu ihr. Der Hubschrauber muss also weit von uns entfernt sein."
„Ich höre immer noch einen", sagte Siska.
Lennox, der bisher geschwiegen hatte, murmelte: „Vielleicht folgt uns dieser zweite Hubschrauber gerade." Sein Brustkorb hob und senkte sich schnell und Alea lehnte sich besorgt nach vorne. Ihm musste die Flucht schwer zu schaffen gemacht haben. Er hatte mit Tess als einziger seine Gitarre mitgeschleppt. Bens Bass, Sammys Cajón und Aleas Wasserharfe waren noch immer im Konzert. Aber das war gerade ihr geringstes Problem.
„Thea sagte noch etwas." Sie holte tief Luft und hatte selbst Angst vor den kommenden Worten. „Sie sagte, dass Orion nah an uns dran ist, viel näher als wir denken. Und wir sollten irgendwo hingehen, wo er es am wenigsten vermutet. Er muss also wieder Jagd auf uns genommen haben."
Sie schwiegen für einen Moment, den Alea nutzte, um wieder nach hinten zu blicken. Nirgends eine Spur von ihren Verfolgern.
„Woher wusste Doktor Orion eigentlich, wo wir waren?", sprach Sammy dann die Frage aus, die sie alle bedrückte.
„Er ist wirklich näher an uns dran als wir dachten", sagte Tess und warf ebenfalls einen Blick nach hinten. „Möglicherweise hat er es durch den Livestream mitbekommen. Er war ja auch in Rom, oder? Jedenfalls treffen wir ihn morgen hier." Sie machte eine Pause und fragte sich gerade wohl, ob diese Silberfadenvision immer noch stimmte. „Er musste riesiges Glück gehabt haben den Fernseher in diesem Moment einzuschalten."
Alea widersprach nicht, obwohl sie insgeheim das Gefühl hatte, dass Orion sehr wohl im Voraus gewusst hatte, wo sie sein würden.
Lennox kratzte sich am Nacken und hustete. „Sollten wir jetzt eigentlich zur Crucis fahren? Wenn uns wirklich ein oder zwei Hubschrauber verfolgen, wäre das eine eher schlechte Idee."
Siska hob konzentriert den Kopf. „Ich glaube, das Donnern wird leiser."
Alea durchlöcherte sie geradezu mit Blicken und jeder von ihnen war mucksmäuschenstill. Siska kurbelte das Fenster ein Stück nach unten. Dadurch konnte sie den Hubschrauber zwar besser hören, aber der Verkehr wurde auch lauter. Kurz darauf fuhr sie es wieder hoch. Ihr Blick wanderte wieder zielgerichtet auf die Straße. „Ich höre nichts mehr."
Ben entwich ein langer Atemzug.
„Vielleicht ist er aber schon bei der Crucis und wartet dort auf uns?", sagte Tess und ihre Finger krallten sich unbeabsicht in Aleas Arm. Als ihr ein kleiner Schmerzlaut entwich, ließ sie sofort los. „Oh, sorry!"
Alea winkte ab und strich sich fahrig eine Haarsträhne hinters Ohr. „Ist ein Hubschrauber schneller als ein Auto?"
Siska nickte langsam. „Locker. Es ist überaus wahrscheinlich, dass er vor uns das Schiff erreicht. So wie ich Doktor Orions Möglichkeiten einschätze, ist er schon bald angekommen."
„Die Crucis ist nicht getarnt", fiel Sammy ein.
„Schattfa", flüsterte Lennox.
Tess fragte: „Aber wo sollen wir denn dann hin, wenn nicht auf die Crucis?" Niemand hatte eine Antwort.
„Was hat Thea eigentlich noch alles so gesagt?", wechselte Ben das Thema. „Hat sie irgendeinen sicheren Ort vorgeschlagen? Sie kennt Orion immerhin am besten und kann bestimmt gut einschätzen, was sein nächster Schachzug ist."
„Nein, sie... hat nichts dazu gesagt." Alea versuchte sich genau an ihre Worte zu erinnern. „Sie wollte nicht, dass ich ihr sage, wo wir hingehen. Aber sie versucht uns zu finden."
„Also ist Thea geflohen?", fragte Sammy.
„Ich weiß es nicht. Ich... glaub nicht."
Ben massierte sich angestrengt die Stirn. „Orion würde sie bestimmt nicht so schnell entkommen lassen."
„Wenn gerade kein Hubschrauber in der Nähe ist und wir unbeobachtet sind, dann können wir auch hier übernachten", schlug Siska übergangslos vor. „Illegal natürlich." Sie wies auf ein Zwei-Sterne-Hotel.
„Orion würde den Kombi sehen", widersprach Alea. „Er weiß genau, mit welchem Auto wir geflüchtet sind. Wenn er uns nicht bei der Crucis findet, dann lässt er bestimmt danach suchen."
„Wir befinden uns also in einer ziemlichen Zwickmühle."
Alea überlegte und kam zu dem Schluss, dass es tatsächlich so war.
„Wir können mit einem Taxi weit weg fahren", warf Sammy in den Raum. „Dann übernachten wir bei Wo-auch-immer und warten, bis Orion die Suche aufgegeben hat."
„Wir haben kein Geld", sagte Ben.
„Wir haben Lennox."
„Also ich finde die Idee eigentlich gar nicht mal so schlecht." Tess zuckte mit den Schultern, um möglichst lässig zu wirken.
„Dann machen wir das." Siska wandte sich Alea zu. „Oder?"
„Ja, gut." Es war gerade einfach kein richtiger Zeitpunkt, über Richtig und Falsch zu sprechen. „Wir müssen nur irgendwie ein Taxi aufbringen, das sechs Personen aufnimmt."
Siska nickte und parkte den Kombi. Dann holte sie ihr Handy aus der Tasche und begann mit jemandem zu telefonieren. „Mann, die ist wirklich auf Zack", staunte Sammy. „Ruft einfach mal in zwei Minuten eine Mitfahrgelegenheit."
Es dauerte deutlich mehr als zwei Minuten, bis tatsächlich ein Taxi vor ihnen hielt, das sieben Plätze hatte. Ben, der sich zuvor mit Siska abgesprochen hatte, erklärte ihm, dass sie nach Tivoli wollten – eine Stadt ungefähr dreißig Kilometer östlich von Rom. Fünf Kids und einen jungen Erwachsenen mitzunehmen war bestimmt nicht Routine für den Fahrer, aber er sagte nichts dazu und nahm sie mit. Ben stieg vorne beim Mann ein, die anderen hinten. Alea warf noch einen letzten Blick auf den Kombi und dann in den Himmel.
Als das Taxi losfuhr, bildete sie sich beinahe ein, Rotorendonnern gehört zu haben.
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Mein Alea Aquarius 9
FanfictionEndlich in Rom angekommen, steht für die Alpha Cru das große Umweltkonzert an. Außerdem wollen sie am Tag darauf Orion überfallen. Alea und ihre Freunde müssen aber alle Pläne über Bord werfen, als der Doktor hinter ihr Vorhaben kommt. Die Rettung d...
