Ach, Thaissa...

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Alea hatte Lennox' Notizen mehrere Male durchgelesen. Er hatte das Gespräch mit Cassaras nicht notiert und ob man ihm helfen konnte. Zwar kamen noch ein paar Zeilen, aber die arteten in Wellenlinien aus, sodass Alea sie unmöglich verstehen konnte. Also blieb ihr nichts übrig als darauf zu warten, dass Cassaras wieder kam. Vielleicht war er ja unter Wasser, um nach einem Heilweg zu suchen?

Alea saß noch ein paar Minuten bei Lennox und hielt seine Hand. Von außen schien er nur zu schlafen und kein Deut krank zu sein, bloß seine Wärme wies darauf hin, dass etwas nicht in Ordnung war. Dann stand sie auf und trommelte die anderen Cru-Mitglieder zusammen.

„Tess, du solltest deine Mutter jetzt anrufen", entschied Alea. „Lennox scheint es soweit gut zu gehen und wir dürfen die Sache nicht hinausverzögern."

Tess band sich ihre Dreadlocks zusammen. Es war ihr anzusehen, dass das Telefonat ihr ziemlichen Bammel bereitete. „Ja, du hast recht", sagte sie jedoch.

„Bist du sicher, Alea?" Ben musterte sie ausführlich, aber Alea hielt seinem Blick stand und nickte.

„Meine Mutter ist zu dieser Zeit zu Hause, ich werde sie also mit großer Sicherheit erreichen..." Tess holte fahrig ihr Handy aus der Hosentasche. Dann biss sie sich auf die Unterlippe. „Ich habe keinen Skorpionfisch..."

„Nimm mein Handy." Alea gab ihr ihres und Sammy setzte sich gespannt auf den Boden. Während Tess die Nummer von Madame Odondo eingab, betete Alea stumm zu dem Schicksal, dass dieses Telefonat Früchte tragen und alles gut ausgehen würde. Zu viel stand auf dem Spiel.

Tess stellte auf laut und legte das Handy auf den Salontisch. Die Alpha Cru versammelte sich darum und wartete gespannt, bis jemand dranging.

Oui?", hörten sie dann eine Stimme.

Salut, maman!", sagte Tess und Alea konnte dank der Sprachtauscher nun jedes Wort genau verstehen.

„Tess? Wieso rufst du mit einem anderen Handy an?", fragte Madame Odondo.

„Das ist das Telefon meiner Freundin, Alea. Meines ist... ähm, es muss gerade aufgeladen werden, weil der Akku leer ist."

„Ah, okay."

„Und... wie geht's so?"

„Thaissa. Was willst du mir sagen?"

Tess' Mutter war wohl eine ziemlich direkte Frau. Tess schloss kurz die Augen, als müsste sie sich erst sammeln für die nächsten Worte. „Maman, wir haben in letzter Zeit oft über die Ozeane und Naturschutz gesprochen."

„Ja, weil dich das Thema immer mehr interessiert hat", bestätigte Madame Odondo.

„Genau. Die Ozeane müssen erhalten bleiben, um jeden Preis. Sie sind ein maßgeblicher Faktor für das Überleben der Menschen, es gilt, sie mit allen Mitteln zu schützen. Der ganze Müll im Wasser schädigt den Ozeanen in ihrem Kern und die Meere sterben langsam aber sicher durch die Massen, die täglich ins Wasser gelangen, aus."

„Ich bin mir dessen bewusst und ich stimme dir zu, Tess, das weißt du. Worauf willst du also hinaus?"

Tess sah die einzelnen Cru-Mitglieder nacheinander an und legte ihre nächsten Worte zurecht. Schließlich erzählte sie alles, was sie sich überlegt hatten. Dass die Natur Recht bekommen sollte, dass Menschen, die ihr schadeten, genau dieselben Strafen wie für andere illegale Dinge erhalten müssten. Tess wurde immer schneller und stolperte ein paar mal über die eigene Zunge, aber bald hatte sie alle Argumente und Auswägungen verschossen und wartete auf die Reaktion ihrer Mutter.

Es war sehr lange sehr still. Alea konnte förmlich hören, wie es in Madame Odondos Hirn ratterte und sie ballte ihre Hände zu Fäusten. Sie tauschten einen Blick und Sammy schluckte übertrieben theatralisch. Endlich antwortete Tess' Mutter. „Es wurde schon oft so etwas in der Art vorgeschlagen", sagte sie mit ruhiger Stimme. „Nur in den seltensten Fällen wurden diese Vorschläge akzeptiert und dann auch nur, wenn es sich um kleine Wald- oder andere Naturschutzgebiete handelte. Aber die Ozeane – Tess, die ganzen Ozeane! Das ist verrückt!"

Mein Alea Aquarius 9Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt