Siebenundfünfzig

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IVANA

Nachdem er mir monoton gestand, dass er für drei Monate nach Venezuela gehen würde, streifte ich seinen Arm von meiner Schulter und setzte mich auf.

Über meine Schulter hinweg sah ich zu ihm.

„Du machst was?", zischte ich. Izàn blieb weiterhin liegen, als würde ihn die Situation nichts angehen und als sei er nur ein stiller Beobachter.

„Wir öffnen dort einen neuen Standort der Subterráneo's"

Subterráneo. Er sprach von den landesweit bekannten Untergrund-Straßenkämpfen, welche in diesem ganzen Bezirk von Tijuana, Guadalajara und seit neusten auch hier in Cancùn durch die Belluccis organisiert und gesponsert werden.

„Und du musst drei Monate dabei sein?", hinterfragte ich und zog meine Augenbrauen zusammen.

Izàn nickte und sah auf seine Uhr, so als müsste er ausrechnen, wie viel Zeit er noch für diese anstrengende und in seinen Augen unnötige Unterhaltung bei Seite legen musste, bevor er den ekligen Mann foltern geht.

„Seit wann weißt du, dass du gehst?"

Drei Monate war eine lange Zeit. Sehr lange.

„Seit zwei Wochen" Ich hielt inne. Diese zwei Wochen kamen mir plötzlich länger als drei Monate vor. Diese ganze Zeit hatte er mir verschwiegen, dass er mich drei Monate alleine lassen würde.

Und er sah darin kein Problem.

Unfassbar.

„Ich wünsche dir viel Erfolg" Ohne mit der Wimper zu zucken erhob ich mich, jedoch zog Izàn mich bei der Hand wieder zurück aufs Bett. „Ivana" Izàn warnte mich. Ich schüttelte seinen Griff von meiner Hand und schaffte es ohne seinen Widerstand den Raum zu verlassen.

Dann soll er eben gehen. Drei Monate. Er kann spannend drauf warten, ob ich nach drei Monaten noch da bin und lächelnd auf dem Bett auf ihn gewartet habe. Über sowas spricht man doch in einer — Beziehung? War es das in was Izàn und ich geraten waren? Oder eben nicht?

Verdient hatte ich es definitiv zu wissen dass er drei Monate weg geht. Es war kein kleiner Ausflug, sondern ein langer Aufenthalt in einem komplett anderen Land.

Er hat sich zu viel erlaubt. Eine Frau, die er respektiert, müsste nicht zwei Wochen drauf warten, dass er sagt, wohin er geht.

Außerdem — wieso fiel es ihm so leicht drei Monate weg zu gehen? Dieser Mann hatte mich bereits nach paar Stunden vermisst, als ich bei meiner Mutter war.

Jedes Mal, wenn ich in einen anderen Raum ging, um mit meiner Mutter zu telefonieren, fragte er mich später, wieso ich so lange weg war.

Jedes Mal, wenn ich zwei Sekunden zu spät zum Abendessen kam, fragte er mich welche Uhren mir am meisten gefallen, da er mir welche kaufen möchte, angesichts der Tatsache, dass ich vermutlich keine im Zimmer habe, da ich nicht pünktlich war.

Jedes Mal, wenn ich zu spät von der Arbeit komme, fragt er mich ob eines seiner Morde ans Licht gekommen ist, oder warum ich so lange im Büro war, dabei wusste er ganz genau, dass ich nicht mehr im Bereich der Mordfälle, sondern der Sexualstrafdelikte arbeitete.

IZANWo Geschichten leben. Entdecke jetzt