Turn your face

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Niall

Meine Faust trifft die Wand des Aufzugs, so wie es von Anfang an der Plan war. Doch ich spüre den Schmerz in meiner Hand nicht, nein ich kann nichts anderes tun, als Lizzie geschockt und überfordert anzusehen.

„Bitte hör auf. Bitte nicht schon wieder.", höre ich sie leise flehen. Dann rutscht ihr Körper an der Wand herunter und sie hatte die Arme schützend vor das Gesicht geschlagen. Als sie aufschreit geht mir der Schrei durch Mark und Bein. So einen Schrei habe ich noch nie in meinem Leben gehört und so habe ich Lizzie auch noch nie gesehen, nicht mal nach dem Albtraum. Als sie den Boden erreicht hat, hört sie auf zu schreien, aber sie bewegte sich auch keinen Zentimeter mehr.

Meine Wut auf sie verpufft und es ist mir egal, dass ein anderer sie geküsst hat. Alles ist mir egal außer Lizzie. Ich kann nur auf sie runter starren auf die junge Frau, die wie ein Häufchen Elend auf dem Boden sitzt. Ich höre wie heftig sie atmet und kann sehen, dass sie sich zwingt wieder ruhig zu werden, wieder die Kontrolle über sich selbst zu bekommen. Aber ihre Tränen laufen über die Wange und immer wieder stoppt der gleichmäßige Rhythmus ihres Atems.

Dann begreife ich was gerade passiert ist. Es ist eine erschreckende und furchtbare Erkenntnis. Sie hatte ernsthaft geglaubt ich würde sie schlagen? Ich bin schuld, dass sie so reagiert hat. Sie hatte solche Angst vor mir? Das war doch Schwachsinn, ich könnte nie eine Frau schlagen und Lizzie schon gar nicht.

Ich fasse keine Frauen an, die es nicht wollen und schon gar nicht schlag ich sie. Es macht mich auch nicht an jemanden weh zu tun, der sich nicht gegen mich wehren kann. Ich weiß das es nicht für alle Männer gilt, aber für mich schon. Warum hat Lizzie so reagiert, hat man ihr schon mal so etwas angetan? Bei dem Gedanken wird mir schlecht.

Langsam gehe ich vor ihr in die Hocke, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein, ich habe im ersten Moment keine Ahnung was ich tun soll also beobachte ich sie nur. Ich sehe, dass sich ihre Lippen bewegen und sie sich immer wieder sagt, dass er nicht hier ist. Wahrscheinlich um sich selber zu beruhigen. Das verrät mir, dass ich vermutlich Recht hatte mit meiner Vermutung. Es ist schon mal dazu gekommen, dass man sie geschlagen hat, aber ich kann nicht sagen wer. War es ein Exfreund oder ihr Vater, vor dem sie so Angst hat. Aber wenn ich raten müsste würde ich auf ihrem Vater tippen.

„Lizzie... hey... schau mich an", spreche ich mit ihr möglichst leise, um sie nicht zu erschrecken. „Ich tue dir nichts.", alleine das ich das sagen muss lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Ich habe einen fiesen Geschmack auf der Zunge und presse die Zähne aufeinander, um meine Wut auf diese unbekannte Person zu unterdrücken die ihr das getan hat. Am liebsten würde ich sie in die Arme nehmen, aber das traue ich mich nicht also strecke ich die Hand aus und streich ihr vorsichtig über die Wange und das Haar.

So sitzen wir schweigend in dem Aufzug und ich kann gar nicht sagen wie viel Zeit vergeht, denn ich habe mein Zeitgefühl verloren, stattdessen lausche ich wie Lizzie atmet und sich ihren Atem Stück für Stück beruhigt. Dann lässt sie zögernd die Arme sinken. Als ich ihr Gesicht sehe weiß ich, dass sie wieder dicht gemacht hat, ihr Gesicht zeigt keine Emotion außer Beherrschung und Kühnheit. Wären da nicht die Tränenspuren auf ihre Wangen könnte man meinen es wäre nichts passiert. Aber diese Spuren sind keine Zeichen von Schwäche, so sehen sie bei ihr auf jeden Fall nicht aus, sie strahlen Kampfgeist und Stärke aus. Ich glaube ich habe noch nie einen stärkeren Menschen als sie kennen gelernt aber gerade das mach es so schwierig mit ihr.

Ich streiche ihr die Tränen sanft von den Wangen und fühle mich erbärmlich, dass sie das wegen mir wieder durchlebt hat. Fast ist es, als ob ich sie geschlagen hätte und sofort flammt wieder Wut in mir auf, wenn ich diese Person in die Finger bekomme weiß ich nicht was ich dann tun werde.

You make me ... strongWo Geschichten leben. Entdecke jetzt